„Sex und Liebe haben kein Ablaufdatum“

Chris Lohner ist eine österreichische Institution: preisgekrönte Programmansagerin, Moderatorin, Schauspielerin, Autorin und natürlich unverwechselbare Stimme der ÖBB. Nun hat sich die quirlige 71-Jährige mit Humor und Lebensfreude auch noch zur absoluten Ikone der älteren Generation erhoben. Im GESÜNDER LEBEN-Interview erzählt Chris Lohner von den Vorteilen des Alters, von Liebe, ihrem Engagement für die Hilfsorganisation „Licht für die Welt“ – und vom „Tabuthema“ Sex.

GESÜNDER LEBENWas hält Sie so jung?
Chris Lohner: Ich glaube, ich habe gute Gene.

GL: Aber es hat doch sicher auch etwas mit Ihrer positiven Lebenseinstellung zu tun?
Natürlich kommt mit dem Alter, dass man sich fragt: Wozu bin ich eigentlich da? Ganz sicher nicht, um die Zeit zwischen Geburt und Tod zu verblödeln. Mir ist wichtig geworden, dass ich für „Licht für die Welt“ arbeite, mein Programm im Theater spiele, Bücher schreibe – ich bin da, um die Menschen zu unterhalten und ihnen zu helfen. Und das, finde ich, ist ein guter Sinn des Lebens.

GL: Sie haben Ihr Theaterprogramm „Lohner packt aus“ angesprochen, in dem Sie Ihren Bestseller „Jung war ich lang genug … jetzt schau ich mir mal zu beim Älterwerden“ für die Bühne bearbeitet haben – dieser Titel zeigt eine gesunde Einstellung zum Älterwerden. Es scheint, als ob Sie nie ein Problem damit gehabt hätten?
Nein, hatte ich nie. Und dass, obwohl ich doch einmal ein Model war. Eigentlich hätte man es annehmen können, dass das Älterwerden für mich ein Problem sein könnte, war es aber nie. Ich fühle mich jetzt wohler als in meinen Model-Zeiten, in denen man dauernd an sich rumgezupft hat und unzufrieden war. Wenn ich mir heute alte Fotos ansehe, denke ich mir nur: Was hatte ich denn auszusetzen? Ich bin mit den Jahren „mittiger“ geworden, ich weiß mehr über mich, ich habe gelernt, dass der Humor nach der Liebe das Wichtigste im Leben ist – und den habe ich zum Glück. Das hilft ja auch über viele Dinge hinweg, ich habe auch meine Ups und Downs. Älterwerden ist schließlich kein Einzelschicksal, mit gewissen Dingen muss man sich arrangieren, die sind einfach nicht zu ändern. Man muss sich annehmen, wie man ist.

GL: Wünschen Sie sich nie, noch einmal 20 zu sein?
Nein, überhaupt nicht – entsetzlich. Das Älterwerden, die ganze Erfahrung, die man gesammelt hat, sind doch viel zu spannend. Ich finde es auch immer eigenartig, wenn Menschen auf die Frage, ob sie alles wieder ganz genauso machen würden, mit Ja antworten. Ich würde nicht alles genauso machen. Ich würde versuchen, vieles anders zu machen – mit all dem Wissen, das ich heute habe, geht das ja gar nicht anders.

GL: Was machen Sie, um sich fit zu halten?
Ich spiele jeden Freitag Tennis, habe ein Laufband und ein Fahrrad. Aber das Wichtigste ist ein funktionierendes Hirn, das garantiert unsere Selbstbestimmung. Ich habe ja nichts von einem knackigen Arsch, wenn das Hirn nicht einmal mehr weiß, wer ich bin. Der Kopf gehört trainiert, vielleicht sogar mehr als der Körper, zumindest gleich viel. Und man muss neugierig bleiben. Ich höre von so vielen Menschen, dass sie manche Dinge nicht mehr angehen, weil sie sich zu alt dafür fühlen – das zahle sich ja nicht mehr aus. Die geben sich einfach auf. Aber das Neugierigbleiben, Dinge zu hinterfragen, kritisch zu bleiben, macht einen lebendig. Ich bin nicht mehr jung, aber ich bin immer noch elastisch.

GL: Schauen Sie sehr auf Ihre Gesundheit?
Zurzeit mache ich gerade Metabolic Balance, weil ich durch die vielen Theaterabende, nach denen ich dann doch gerne ein Bier trinke und erst nach der Vorstellung etwas esse, ein wenig zugenommen habe. Ich mache es auch, um zu entschlacken und mich einfach besser zu fühlen. Aber ich achte an sich darauf, was ich esse. Ich mag keine Fertiggerichte, ich möchte immer wissen, was drin ist. Ich bin keine tolle Köchin, aber ich koche immer frisch. Ich schaue schon beim Einkaufen sehr auf die Produkte, ich kaufe auch immer Fairtrade.

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