Schwarze Lippen, grünes Haar… Jugendkulte

Erinnern wir uns zurück…
In den 60er- und 70er Jahren galt es für Hippies, mit Flower Power, LSD und ihrem wörtlich gemeinten „make love not war“ auf sich aufmerksam zu machen. Ähnlich provozierte die Rolling Stones Generation, die mit ihrer Lebensphilosophie von „Sex, Drugs and Rock ´n´ Roll“ die Herzen der Elterngeneration gewaltig in Wallung brachte. Beinahe jeder erlebte in seiner Jugendzeit eine gewisse Auflehnung gegenüber den Erwachsenen.

…und heute
Ähnlich verhält es sich heutzutage, wenn beispielsweise Punks mit dreckigen Klamotten, Sicherheitsnadeln und Irokesen-Köpfen „Kampf den Kapitalismusschweinen“, „Anarchie“ oder „Fuck Society“ an Hauswände schmieren. Grüne Haare, Tattoos, Piercings, zerfetzte Klamotten, dröhnende Musik, Abkürzungen, die keiner versteht, sind weitere Beispiele. So verschieden die Jugendkulturen waren oder sind, eines haben sie gemeinsam: Es geht ihnen um ein offenes Ausleben des Generationenkonfliktes, um die inszenierte, für alle sichtbare Rebellion. Jugendliche bauen ihre eigene „Gegenkultur“ auf. Sie versuchen sich ihre Welt zu erschaffen, in der sie entscheiden, was richtig und wichtig, gut, schön oder cool ist. Ähnlich verhält es sich bei einem Kleinkind, das in der Sandkiste den Eltern zu erklären versucht, dass sein Kuchen der Beste der Welt ist. Durch die demonstrative Zuordnung zu einer „Szene“ zeigen Jugendliche ihrer Umwelt „Passt auf, ich bin jetzt kein Kind mehr“ – der Prozess der Ablösung beginnt. Gleichaltrige sind jetzt für Jugendliche wichtiger als die Eltern, auf die man nur ungern hört. Der Übergang vom Kind zum Jugendlichen beginnt immer früher und daher erfolgt der Einstieg in die Jugendkultur oft schon mit zwölf oder dreizehn.

Was ist wichtig?
Auseinandersetzung und Konfliktaustragung mit der Erwachsenengeneration spielen in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Jugendliche müssen sich ihren Platz „im Leben“ erst erkämpfen. Da in der heutigen Gesellschaft die „ewige Jugend“ ein Ideal ist, kopieren Erwachsene manchmal den Stil ihrer Kinder und nehmen ihnen dadurch die Möglichkeit anders zu sein, eine eigene Lebensform zu finden. Somit werden Teenager regelrecht gezwungen, immer extremere Ausdrucksformen der Abgrenzung von der Elterngeneration zu finden.

Tipps für Eltern:

  • Versuchen Sie die „Verrücktheiten“ Ihres Kindes gelassener zu sehen. In der Jugendzeit wollen sich Kinder von Erwachsenen unterscheiden.
  • Sehen Sie die veränderten Stilarten oder den Anschluss zu verschiedenen Jugendkulturen als einen notwendigen Entwicklungsschritt.
  • Lassen Sie Ihrem Kind Freiräume zum Experimentieren. Lassen Sie es ausprobieren, was ihm gut tut und was nicht.
  • Nehmen Sie den geänderten Stil des Kindes nicht persönlich, sondern sehen Sie ihn als wichtigen Ablösungsprozess an.
  • Seien Sie dem Kind stets ein gutes Vorbild. Biedern Sie sich nicht an, sondern bleiben Sie die Eltern für Ihre Kinder!
  • Konflikte sind in der Pubertät ganz „normal“ und gehören ausgetragen. Jugendliche lernen dadurch zu argumentieren, ihre Meinung angemessen kund zu tun und sich auch durchzusetzen. Über Konfliktfähigkeit zu verfügen, kann in der Zukunft sehr nützlich sein!
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es mögen, auch wenn Sie mit seinem Aussehen, der Musikrichtung oder Ähnlichem nicht einverstanden sind.
  • Nehmen Sie die Bedürfnisse der Jugend wahr und haben Sie ein offenes Ohr für deren Anliegen.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Teenager. Hören Sie sich die Argumente an und bestehen Sie auch darauf, dass man Ihnen zuhört. Machen Sie Ihren Standpunkt klar und deutlich. Mit Jugendlichen müssen Regeln immer wieder ausgehandelt werden. Beim Grenzen setzen geht es allerdings um die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten, lassen Sie sich auf keinen Machtkampf ein.

Zum Trost für alle Eltern, die meinen, dass ihre bisherige Erziehung völlig fehlgelaufen ist, ist aus psychologischer Sicht zu sagen, dass sich dieser Zustand spätestens um das zwanzigste Lebensjahr ganz von alleine gibt. Es ist die Zeit in der für die meisten Jugendlichen der gleitende Übergang ins Erwachsenenalter beginnt und die Jugendgruppen zunehmend an Bedeutung verlieren. Nach und nach rücken Dinge, wie Partnerschaft, Beruf und die eigene Wohnung in den Mittelpunkt des Interesses – der Weg vom Kind zum Erwachsenen ist gelungen. Der Kontakt zu den Eltern wird wieder gesucht und verläuft in der Regel spannungsfrei!

Bei Problemen und Sorgen sollten sich Eltern auch dann an eine Beratungsstelle wenden, wenn der Jugendliche selbst sich verweigert. Sie dürfen in dieser oft für alle Beteiligten schwierigen Zeit auch für sich selbst Unterstützung in Anspruch nehmen.

Autor: Mag. Sonja Schuster, Klinische- und Gesundheitspsychologin

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