Schulstart mit Köpfchen

Die meisten Kinder freuen sich auf die Schule, allerdings bringt jede Veränderung im Leben Herausforderungen mit sich, die auch Angst machen können. Wie der neue Alltag klappt. Von Dr. Eva Greil-Schähs

Aufregend, wenn man vom Kindergartenkind zum Schüler wird! Sehr viele Sprösslinge fiebern dem Tag entgegen, an dem sie endlich ein Schulkind werden – sie wollen lernen, sind interessiert und neugierig. Die meisten können die neuen Aufgaben dann auch gut bewältigen. Dennoch darf man nicht vergessen, dass diese Veränderungen gleichzeitig sehr anstrengend sind, und zwar für alle Familienmitglieder: Der Tagesablauf ändert sich, die Kids müssen meist früher und zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen. Jene Stunden, die man „frei“ verbringen kann, werden kürzer. Es gibt weniger Rückzugsmöglichkeiten sowie Spielzeiten. Urlaub zu machen sowie längere Phasen zum „Durchhängen und Entspannen“ sind meist nur noch in den Ferien möglich.

Neue Pflichten und Ziele

Gleichzeitig bestehen erstmals Schulpflichten für die Kleinen, plötzlich sollen Lernziele erreicht werden. Das Kind muss auf einmal mit Beurteilungen umgehen lernen. Neue Verhaltensregeln, mit denen es in der Schule konfrontiert wird, sollten schnell eingehalten werden. „So sehr der Sprössling zu Beginn Spaß an der Veränderung hatte, es ist auch normal, dass die anfängliche Begeisterung mit den ersten Monaten ein wenig abflacht“, beruhigt Mag. Karin Glaser, Psychologin in Maria Ellend (NÖ). „Hier gilt es, die vorhandene Motivation zu erhalten, selbst wenn viel neu und schwierig scheint oder auch anders ist als erwartet. Sagen und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie stolz sind. Lassen Sie ihm und auch sich selbst Zeit, um sich auf die Veränderungen und die neuen Menschen einzustellen.“

Keine Übertreibungen, keine Geheimnisse

Wichtig ist, mit dem Nachwuchs über die bevorstehende Einschulung ausführlich zu sprechen. Dabei sollen die Eltern natürlich die Vorfreude teilen, aber auch auf Unsicherheiten oder Ängste eingehen und Fragen beantworten. Man sollte hier aber keine falschen Erwartungen wecken wie zum Beispiel: „Du brauchst nicht traurig sein, deine Freunde aus dem Kindergarten werden dir sicher nicht fehlen“ oder „Das Lernen wird dir sicher einfach fallen“. Auch Druck mit Aussagen wie „Du wirst sicher ein Einserschüler werden“ zu machen, ist naturgemäß nicht förderlich. Sätze wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ verunsichern ebenfalls. Die Botschaft muss lauten: „Lernen ist normal und wichtig. Jetzt ist es soweit, du bist ein Schulkind. Wir sind für dich da, wenn du uns brauchst.“ Die Kleinen lauschen übrigens auch gerne positiven Erinnerungen und Erzählungen der Eltern an ihre Schulzeit und wie diese die ersten Tage gemeistert haben.

Struktur als Stütze

„Sinnvoll ist es, genau zu planen, was sich nun ändern und wie die neue Routine verlaufen wird. Hier benötigt es einen regelmäßigen Tagesrhythmus“, erklärt Mag. Glaser: „Dieser hilft der ganzen Familie den Einstieg zu erleichtern. Schon kurz vor dem ersten Schultag sollte der Nachwuchs darauf eingestimmt werden.“ Alle üben also rechtzeitiges Aufstehen sowie früh ins Bett zu gehen. Außerdem am besten stets die Kleidung für den nächsten Tag schon am Abend davor aussuchen. Sicherheit gibt auch das gemeinsame Abgehen des neuen Schulweges. Verbinden Sie dies gleich beim ersten Mal mit einem positiven Erlebnis, z.B. Eis essen gehen. Gestalten Sie außerdem gemeinsam mit dem Sprössling liebevoll einen Platz, an dem er sich wohlfühlt und später ungestört die Aufgaben machen kann. Das fördert die Konzentration. Taferlklassler fühlen sich in den meisten Fällen in der Nähe der Eltern am wohlsten, sodass der Esstisch auch einen guten Ort darstellen kann. Vorausgesetzt, es ist dort ruhig und keine Essuntensilien stehen herum.

Ab in die Klasse!

In den ersten Wochen ist tägliche Schultaschenkontrolle Pflicht! Das bedeutet, mit Junior gemeinsam den Ranzen zu inspizieren: Sind Hausaufgaben erledigt, alle Stifte gespitzt, die Mappen eingeordnet, Schulmitteilungen unterschrieben? Das zeigt Interesse und dem Kind, worauf es im Schulalltag ankommt. Bleiben Sie jedoch geduldig. Die neue Selbstständigkeit kann anfangs eventuell etwas überfordern. Da vergessen die Kleinen schon einmal manche Dinge im Bankfach oder den Schal in der Garderobe. „Nicht nur gute Leistungen kennzeichnen einen zufriedenstellenden Schulstart. Fragen Sie den Nachwuchs neben den Schulnoten daher auch, welche Kinder er kennen gelernt hat, was es mit den Freunden in den Pausen macht, wie das Essen vom Schulbuffet schmeckt, woran die anderen interessiert sind oder was zurzeit ,cool’ ist“, rät Mag. Glaser. Die Frage „Was war heute besonders schön in der Schule?“, hilft den Blick auf die positiven Dinge im Schulalltag zu richten. Nicht drängen, wenn Junior nach der Schule schweigsamer ist als sonst, vor allem nicht, wenn Sie keinen konkreten Anlass zur Sorge haben. Kinder erzählen gern von sich aus, wenn sie Lust darauf haben. Die ersten Rückschläge – diese kommen früher oder später – treffen die Kleinen besonders hart und erschüttern oft das gesamte Selbstwertgefühl. Damit Ihr Kind mit neuem Mut durchstarten kann, ist es gut darüber zu sprechen, ohne zu dramatisieren oder zu bagatellisieren. Finden Sie gemeinsam die Ursachen dafür. Was sollte verändert werden damit es das nächste Mal besser klappt? Bauen Sie Ihren Sprössling auf, damit er neues Selbstvertrauen und Mut tankt. Fazit für den Nachwuchs: Misserfolge und Enttäuschungen gehören genauso dazu wie Siege und Erfolge.

Nicht nur die Leistung zählt

Bitte beachten: Reden über die Schule ist wichtig, sollte aber nicht zum Dauerthema werden, sie darf keineswegs den Lebens- und Familienmittelpunkt darstellen. Erwachsene sprechen ja auch nicht immer nur über ihre Arbeit. Außerdem spürt das Kind so, dass sein Wohlbefinden im Vordergrund steht und nicht nur Leistungen und Schulereignisse wichtig sind. Das Thema Schule muss daher nach der Eingewöhnungszeit jenen Raum bekommen, der nötig ist. Alles das, was davor Spaß gemacht hat – Freunde, Sport und Hobbys – soll auch nachher wieder einen sicheren Platz im Familienleben erhalten. Falls Sie übrigens merken, dass die Freude am Unterricht plötzlich gänzlich verschwindet, könnte das ein Zeichen sein, dass grundsätzlich etwas nicht stimmt. Daher am besten regelmäßig Kontakt mit den Lehrern halten und nachfragen, wie diese den Schüler wahrnehmen. Im Ernstfall professionelle psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen!

SO BRINGEN SIE ROUTINE IN DEN TAG
• Schaffen Sie einen festen Rahmen, an dem sich Ihr Kind orientieren kann. Aufsteh-, Lern-, Essens- und Zubettgehzeiten sollten eine regelmäßige Struktur haben, ebenso wie Phasen, in denen der Sprössling nichts tut. Bleiben Sie dennoch flexibel, um auf Unerwartetes gut reagieren zu können. Für einen ergiebigen Austausch mit den Kleinen könnte das gemeinsame Frühstück dienen. Planen Sie ebenso genug Zeit für das Abendessen als Familie ein. 
• Jetzt schon überlegen bzw. beobachten, wie lange das Kind zum Waschen, Anziehen, Frühstücken und Zähneputzen braucht, um später so viel Zeit wie nötig morgens dafür einzuplanen. 
• Teilen Sie am Schulanfang die Zeit nicht allzu straff ein, daher am Schulanfang zusätzliche Aktivitäten vermeiden. Den eigenen Tagesablauf mit den bevorstehenden Veränderungen abstimmen. Jeden Abend Zeit für schulische Belangen einplanen. 
• Schlaf ist wichtig: Ein Volksschüler braucht rund 9 bis 10 Stunden Schlaf, ein Taferlklassler etwa 10 bis 11 Stunden. Dafür „sanfte“ Abendrituale einführen. Abends Herumtoben vermeiden, dafür kleine Hilfen wie „Gute Nacht Tee“, Vorlesen oder ausgiebiges Kuscheln einplanen.

UNSICHERHEITEN UND ÄNGSTE BESIEGEN
• Abschiedsrituale vor der Schule einführen: Bringen Sie den kleinen Schüler bis zum Tor und verabschieden sich von ihm. Etwa mit: „Baba, mein Schatz, viel Spaß! Ich freue mich schon auf den Nachmittag mit dir“. Sie können Ihr Kind natürlich auch Umarmen oder ihm ein (Nasen)bussi geben, wie es gefällt. 
• Übergangsobjekte oder Talismane erleichtern das Eingewöhnen: Unterstützung geben beispielsweise Kuscheltiere, ein kleines Foto, ein persönliches Symbol oder Mamas Kette. Seien Sie bei der Auswahl gemeinsam mit dem Kind kreativ! 
• „Zaubersätze“ geben Selbstvertrauen: Wenn der Sprössling unsicher ist, kann man mit Mutsprüchen arbeiten. Diese sind etwa: „Ich habe Mut, das tut mir gut“ oder „Ich habe Kraft, die Neues schafft“ oder „Ich bin stolz, ein Schulkind zu sein und freue mich auf morgen“. Beim Aufsagen der Mutsätze leicht mit den Fingerspitzen der einen Hand auf die Mitte der Stirn klopfen, den Blick nach oben richten und die zweite Hand flach auf den Bauch legen. Das fokussiert.

KEINE LUST AUF FRÜHSTÜCK?

Viele Kids stöhnen: Ganz schön früh für die erste Mahlzeit! Denn etlichen fehlt morgens der Appetit. Eine Kleinigkeit sollten die Kleinen allerdings schon im Magen haben, wenn sie das Haus verlassen. Bei nörgelndem Nachwuchs kann es hilfreich sein, Verschiedenes auszuprobieren: Müsli mit Obst, eine Scheibe vom selbstgemachten Bananenbrot, Jogurt oder „Overnight Oats“ (z.B. Haferflocken über Nacht in Milch einweichen) stellen gute Alternativen zur klassischen Semmel mit Marmelade oder Wurst dar. Wenn Junior gar nichts runter bekommt, sollte zumindest etwas getrunken werden. Wie wäre es mit frischgepresstem Orangensaft, einem Glas Milch oder Buttermilch?

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