Schritt für Schritt bergauf

Und das war’s jetzt? Sieben Jahre Ehe – beendet in fünfzehn Minuten vor dem Richter. Während Maria das Gerichtsgebäude verlässt, gehen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. Sie erinnert sich an die gemeinsamen Pläne, an die überwundenen Krisen, an schöne Zeiten und an schwierige. Noch einmal lässt sie die letzten Wochen Revue passieren. Die Ereignisse und Diskussionen, die zur endgültigen Trennung geführt haben. Maria fühlt Trauer, Ärger, Wut, Versagen, aber gleichzeitig auch Erleichterung.

Wie auch immer Ihre Trennung oder Scheidung abläuft – Sie befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation. Tun Sie nicht so, als wäre nichts passiert. Versuchen Sie nicht, eine Abkürzung zu finden. Erlauben Sie sich jedes Gefühl und schütten Sie einer geeigneten Person Ihr Herz aus. Wenn Sie den Trauerprozess gut abschließen, wird es Ihnen besser gelingen, sich neu zu orientieren.

Maria erinnert sich an damals, als ihre Schwester sich nach Jahren von ihrem Lebensgefährten trennte. Ein Wochenende lang hörte sie zu, kochte Grünen Tee, ließ sie nicht allein. Danach ging es Schritt für Schritt bergauf. In den folgenden Monaten schaffte ihre Schwester einen beruflichen Aufstieg und richtete nebenher die Wohnung neu und ganz in ihrem Stil ein. „Ein Jahr, das frischen Wind in mein Leben gebracht hat“, meint sie im Rückblick.

Ganz besonders beeindruckt hat Maria, wie ihre Schwester in der Trennungszeit mit ihrer Tochter umgegangen ist: Nie hat sie versucht, ihre Gefühle vor der damals Fünfjährigen zu verstecken. Das wäre sowieso nicht gelungen. Stattdessen erklärte sie immer wieder, dass Mama und Papa nicht mehr zusammenleben wollen, und dass sowas unter Erwachsenen eben vorkommt. Niemand habe Schuld. Ihr Papa werde immer ihr Papa bleiben, und sie werde ihn jeden Dienstag und Samstag besuchen.

Marias Sohn ist schon elf, aber gerade in letzter Zeit benimmt er sich manchmal gar nicht altersgemäß. Maria hat ihre Sorgen mit ihrer Schwester besprochen, und die hat sie beruhigt: „Er hat jetzt etwas zu verarbeiten, das kostet Kraft. Die fehlt halt momentan woanders! Lass ihn zwischendurch kleines Kind spielen, wenn ihm das hilft. Diese Phase wird nicht lange dauern.“

Wie Kinder auf eine Trennung der Eltern reagieren, hängt auch vom Temperament ab. Von Wut bis Verzweiflung ist alles möglich. Unruhiger Schlaf, verstärktes Klammern oder ein vorübergehender Entwicklungsstillstand (oder sogar -rückschritt) sind normal, und zwar auch dann, wenn sie mit etwas Verzögerung eintreten. Ändern Sie möglichst wenig am Alltagsablauf, so bekommt Ihr Kind rasch wieder festen Boden unter den Füßen.

Tipps

  • Nehmen Sie die eigene Belastung ernst und nehmen Sie Unterstützung zur Entlastung an.
  • Geben Sie Ihrem Kind so viel Sicherheit wie möglich und achten Sie darauf, wie es ihm geht.
  • Nehmen Sie Verhaltensauffälligkeiten wie Lernunwilligkeit, Kopfschmerzen, Magenschmerzen usw. Ihres Kindes oder Jugendlichen ernst, ohne zu dramatisieren. Gehen Sie der Ursache auf den Grund und geben Sie nicht von vorneherein Ihrer Trennung an allem die Schuld.
  • Übermitteln Sie Botschaften an den anderen Elternteil immer direkt und nie über Ihr Kind.
  • Benützen Sie nicht das Kind, um Informationen zu bekommen (z.B. über die Freundin des Vaters, die Freizeit der Mutter).
  • Wenn Sie auf eine Frage Ihres Kindes zu den Folgen der Trennung keine Antwort wissen, dann sagen Sie das. Machen Sie zugleich deutlich, dass die Verantwortung für das Finden von Lösungen bei Ihnen, den Erwachsenen, liegt.

Wussten Sie, dass …
Scheidungsformen
Einvernehmliche Scheidung
Den Antrag auf einvernehmliche Scheidung stellen beide Ehepartner gemeinsam. Er setzt voraus, dass die eheliche Lebensgemeinschaft seit sechs Monaten aufgehoben ist, was aber nicht bedeutet, dass die Ehepartner seit sechs Monaten getrennt leben müssen. Weiters müssen die Ehepartner Einigung erzielt haben über Obsorge und Unterhalt für die gemeinsamen Kinder, gegenseitigen Unterhalt sowie die Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der ehelichen Ersparnisse bzw. Schulden.

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