Schmerzfrei sporteln!

Wie sich Hobbyathleten in der Herbstsaison Beschwerden ersparen können und was sie bei Problemen tun sollten – Ratschläge von Facharzt Doz. Dr. Martin Buchelt

Für Freizeitsportler beginnt bald die Herbstsaison mit kälteren Temperaturen und oft schwierigeren Bedingungen. Wer den Sommer trotz nachlässiger Vorbereitung – es war ja ohnedies warm – halbwegs heil überstanden hat, sollte nun vorsichtiger sein. Die Verletzungsgefahr wird nämlich ansteigen! 

Am häufigsten tritt zum Glück nur ein Muskelkater auf. Den handelt man sich beim Sport, aber durchaus auch bei ungewohnter Gartenarbeit oder einer Hausrenovierung ein. Nichts desto trotz sind die Schmerzen lästig. Jedoch einerseits vermeidbar oder rasch zu beseitigen, wie Orthopäde Doz. Dr. Martin Buchelt erklärt: 

„Die Beschwerden entstehen grundsätzlich durch Überlastung der Muskulatur – es wird Milchsäure gebildet, die weh tut. Zusätzlich kann es zu winzigen Rissen im Muskel kommen. Aus diesem Grund ist Vorbeugung wichtig! Zu jeder Jahreszeit sollte unbedingt genügend aufgewärmt werden! Wer eine neue Sportart beginnt oder schon lange nicht mehr trainiert hat, ist gut beraten, es langsam anzugehen. Anfangs reicht geringe Belastung, die man nach und nach steigert.“ 

Wer trotzdem ein wenig übertrieben und von einem klassischen Muskelkater „gezwickt“ wird, kann sich selbst helfen, wie Doz. Buchelt versichert: „Rasch lindert auf jeden Fall Wärme. Ich rate auch dazu, nicht ganz auf Sport zu verzichten, sondern weiter leichte Bewegung machen. Das fördert nach einer kurzen Ruhepause den Abtransport der Milchsäure. Auch ein Saunagang ist sehr empfehlenswert.“

Richtiges Training beugt Sehnenproblemen vor

Durch verspannte, übersäuerte Muskulatur entstehen häufig Reizungen von Sehnen. Die Sehnen sind Ausläufer der Muskeln, mit denen diese im Knochen verankert sind. Bei Laufsportarten treten recht häufig Beschwerden an den Achillessehnen auf. Kraftsportler klagen oft über schmerzende Sehnen im Schulterbereich durch zu intensive Belastung. Tipp vom Orthopäden: Lieber mehr Wiederholungen mit weniger Gewicht durchführen. Außer man trainiert für Olympia oder Weltmeisterschaft . . . 

Für die Prophylaxe ist speziell bei der Achillessehne das vorsichtige aber richtige Dehnen unverzichtbar. Beispiel: Schräg gegen die Wand lehnen, ein Bein nach vor stellen und das hintere Bein sanft strecken. Auf keinen Fall wippen! Dann Beine wechseln. Rund eine Minute dehnen. 

Treten nach starker Belastung Sehnenschmerzen auf, empfiehlt Dr. Buchelt das Auftragen von entzündungshemmenden Salben: „Zum Beispiel ein gängiges Rheumamittel oder den früher sehr beliebten Tigerbalsam über Nacht einwirken lassen. Solange der Schmerz besteht, mit dem spezifischen Sport pausieren. Andernfalls handelt man sich meistens chronische Beschwerden ein, die intensive medizinische Maßnahmen bis hin zur Operation erfordern. Allerdings ist ein Durchbewegen der Gelenke weiter notwendig.“

Sport erst nach Abklingen der Beschwerden

Im Bereich der oberen Extremitäten zählen der Tennisarm und der Golferellbogen zu den gefürchteten Sportfolgen. Doz. Buchelt: „Auch hier helfen Dehnen, Salbenbehandlung und Schonung. Mit Tennis oder Golf daher zunächst pausieren und erst nach dem völligen Abklingen der Schmerzen wieder zu spielen beginnen.“ 

Halten die Beschwerden jedoch trotz der geschilderten Maßnahmen an, muss der Arzt ins Spiel kommen – nach mehr als fünf Tagen! Dr. Buchelt: „Schulterschmerzen können auf einer anatomischen Veränderung des Schulterdaches beruhen und müssen mittels Röntgen und/oder MRT abgeklärt werden. Länger dauernde Probleme mit der Achillessehne erfordern eine Diagnostik mit MRT bzw. Ultraschall, um Einrisse oder eine Degeneration der Sehne auszuschließen.“ 

Bei Laufsportarten sind erfahrungsgemäß die Knie am häufigsten in Mitleidenschaft gezogen. Falls keine nachweisbare Verletzung oder ein Knorpelschaden besteht, liegt eine Überlastung vor. Manchmal kann das Knie auch anschwellen. Der Facharzt: „Als erste Hilfe nützt Kälte (Kryotherapie), kombiniert mit entzündungshemmenden Salben. Oft ist Behandlung mit einem kalten Topfenwickel erfolgreich. Sollte der Schmerz nicht in wenigen Tagen vorbei sein, muss ärztlich untersucht werden.“ 

Bei Abnutzungen (Arthrosen) entscheidet der Arzt über weitere Therapiemöglichkeiten. Aber auch das Trainingsprogramm kann dann unter ärztlicher Anleitung korrigiert werden. 

Bei Blutergüssen zum Arzt! 

Ganz anders verhält es sich mit Verletzungen, die während der Sportausübung auftreten. Für den Laien ist zunächst entscheidend, zwischen Prellung, Zerrung und schweren Blessuren wie Ein- und Abrissen oder Knochenbrüchen zu unterscheiden. Doz. Buchelt: „Bei Prellungen und Zerrungen entstehen keine Blutergüsse, die Schmerzen gehen bald deutlich zurück. Kälte- und Salbenbehandlung reicht aus. Sichtbare Blutergüsse und stärkere Schwellungen sollten jedoch rasch zum Arzt führen! Im Extremfall muss die Rettung gerufen werden: Bei offensichtlich argen Verletzungen nach Stürzen oder heftigem Aufprall, vor allem bei Kontaktsportarten.“ 

Wer trotz bereits bestehender Gelenkprobleme Sport betreiben möchte, vermeidet Schmerzen durch Wahl geeigneter Sportarten. Gelenkschonend sind Radfahren, Wandern (nicht bergab!), Schwimmen, Nordic Walking oder Rudern.Ungeeignet: Alle Stop and Go Disziplinen wie Fußball, Tennis etc.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen