Schlafen will gelernt sein

Ringe unter den Augen, ständig übermüdet, an der Grenze der Belastbarkeit. Erkennen Sie sich in diesem Klischee junger Eltern wieder? Kein Wunder, Sie leben mit einem neuen Familienmitglied zusammen, das erst lernen muss, dass es Tag und Nacht gibt – und dass man bei Nacht (möglichst durch-)schläft. Neugeborene haben einen völlig anderen Schlafrhythmus als Erwachsene. Erst knapp vor der Geburt haben sie überhaupt Schlaf- und Wachperioden entwickelt, noch ohne jeden Zusammenhang zu Tag und Nacht. In den ersten zwei bis vier Lebenswochen bleibt Ihr Kleines bei diesem Rhythmus. Es schläft unregelmäßig  in vielen kleinen „Häppchen“ – wiebeim Essen auch – über 24 Stunden verteilt. Zwischen der zweiten und zehnten Woche beginnt das Schlafverhalten regelmäßiger zu werden, langsam beginnt sich das Baby auf den Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen.

Vielleicht können Sie sich besser auf Ihr Kind einstellen, wenn Sie wissen, dass es anders schläft als Erwachsene. Es fällt nicht sofort in tiefen Schlaf, sondern beginnt mit einer leichten, oberflächlichen Phase, dem „Traumschlaf“. Erst dann folgt der Tiefschlaf. Daran schließt wieder eine oberflächliche Schlafphase an, wo die Kleinen kurz aufwachen, um danach wieder mit der Traumschlafphase zu  beginnen. Dieser Schlafzyklus des Kindes dauertca. 50 Minuten. Meistens schläft das Baby drei bis vier Zyklen durch, mitunter aber auch nur eine oder zwei knappe Stunden.

Im Traumschlaf ist das Kind leicht irritierbar. Wenn es in dieser Phase erwacht, ist es oft mit dem Weiterschlafen vorbei. Daran sollten Sie denken, wenn das Baby auf Ihrem Arm einschläft. Legen Sie es erst dann in sein Bettchen, wenn es tief schläft, ruhig atmet und sich schwer anfühlt. Sonst riskieren Sie, Ihr Kind aus dem Traumschlaf zu reißen.

Auch wenn das Kleine nach einer knappen Stunde – also am Ende eines Schlafzyklus – unruhig wird und mit geschlossenen Augen quengelt, sollten Sie es nicht sofort aus dem Bett nehmen. Meist beruhigt es sich von alleine nach wenigen Minuten. Wenn nicht, reicht oft Ihre beruhigende Stimme oder eine leichte Berührung mit der Hand.

Lassen Sie sich von Großeltern, Verwandten und Freunden nicht unter Druck setzen. Die Ansage, ein Baby sei „brav“, weil es durchschläft, ist schlicht und einfach falsch. Ein Neu-geborenes kann noch nicht „brav“ oder „schlimm“ sein. Es kann, von der Entwicklung seines Gehirns her, noch nicht bewusst handeln. Ein möglichst ruhiger, stressfreier Um-gang vermittelt – mit einem regelmäßigen Tagesablauf, Körperkontakt und viel Zuwendung – dem Baby Sicherheit und Geborgenheit. Dass das Ein- und Durchschlafen
dann leichter geht, wissen die Eltern
von sich selbst.

Zu erkennen, wann das Kind müde ist, ist relativ leicht: Ein müder Blick, die Augen fallen zu, es gähnt – und schläft ein. Manche werden beim Stillen oder nach der Flasche müde. Einige weinen und brauchen zum Einschlafen mehr Unterstützung: Schaukeln, Streicheln, die Nähe eines Elternteils. Lassen Sie dem Kind auch die Zeit, zu entdecken, wie es sich selbst beruhigen kann. Auf keinen Fall sollten Sie aber das Baby über längere Zeit schreien lassen. Das hilft ihm nicht, seinen Schlafrhythmus zu finden, sondern quält es nur. Außerdem geht das zu Lasten Ihrer Nerven. Sie brauchen in den ersten Wochen ohnehin viel Energie, um das neue Leben mit dem Baby zu meistern.

Deshalb sollten Sie auch auf sich schauen: Damit Sie das Thema „Schlafen“ nicht zu sehr belastet, reden Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin über die Situation. Überlegen Sie gemeinsam, wie jeder annähernd genug Schlaf finden kann. Wenn der Vater es z.B. schafft, durchzuschlafen, kann er der Mutter in der Früh das erste Wickeln abnehmen. Die Mutter könnte sich tagsüber gönnen, mit dem Baby ein Nickerchen zu machen, auch wenn Arbeit liegen bleibt.

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