„Scheiden tut weh“ – Wie können Kinder die Scheidung/Trennung ihrer Eltern besser bewältigen?

Wie Kinder auf das Trennungsgeschehen reagieren, hängt auch wesentlich von ihrem Alter ab:

Kinder im Alter von 0 bis 2 ½ Jahren reagieren auf die Trennung der Eltern und die aus ihrer Sicht plötzliche Abwesenheit einer wichtigen Bezugsperson häufig mit erhöhter Irritierbarkeit und Weinerlichkeit. Sie erforschen ihre Umwelt nicht mehr aktiv, sondern ziehen sich auf sich selbst zurück. Unbekannten Personen gegenüber reagieren sie überaus ängstlich, an bekannte Personen klammern sie sich.

Kinder von 3 bis 6 Jahren zeigen deutliche Verhaltensänderungen, z.B. gesteigerte Aggression und Trotzverhalten, allgemeine Angstzustände, akute Trennungsängste, erneutes Einnässen, psychosomatische Störungen, z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen. Dazu kommt, dass diese Kinder bereits nach Erklärungen für den Auszug eines Elternteils suchen, da ihr eigenes Weltbild entwicklungsbedingt egozentrisch ist, d.h. sie begreifen sich als Mittelpunkt ihrer Welt und als Ursache aller Geschehnisse, geben sie sich die Schuld an der Trennung der Eltern („der Papa ist ausgezogen, weil ich so schlimm war“).

Kinder im Volksschulalter führen die elterliche Trennung nicht mehr unbedingt auf ihr eigenes Handeln zurück und entwickeln daher kaum Schuldgefühle. Sie zeigen ein starkes Bedürfnis, durch ihr Handeln den Wünschen beider Eltern gerecht zu werden, sich loyal zu verhalten. Da dies bei Konflikten zwischen den Eltern kaum möglich ist, fühlen sie sich oft hilflos und ohnmächtig, manche reagieren dann mit tiefer Traurigkeit.

Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren laufen häufig Gefahr, zuviel Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Eltern zu übernehmen und sich damit selbst zu überfordern. Viele Jugendliche lösen sich in dieser Phase überstürzt von den Eltern ab, haben rückblickend oft das Gefühl, dass sie zu schnell erwachsen werden mussten. Andererseits erleben sie die neuen Anforderungen als Herausforderungen und sind oft stolz darauf, sie gut zu bewältigen.

Scheidung/Trennung der Eltern stellt für Kinder zweifellos ein einschneidendes Ereignis dar. Wie gut Kinder dies bewältigen können, hängt ganz wesentlich vom Verhalten der Eltern ab.

Wie können Sie als Eltern Ihrem Kind in dieser schwierigen Phase helfen?

Kinder ahnen oft mehr als Eltern vermuten! Um Ihrem Kind die quälende Unsicherheit zu nehmen, ist es wünschenswert, dass Sie, sobald Sie sich zur Trennung entschlossen haben, dies ihrem Kind gemeinsam mitteilen und es auch auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereiten. Ihr Kind fühlt sich dadurch ernst und wichtig genommen.

Betonen Sie, dass Sie sich als Ehepartner voneinander trennen, aber nicht als Vater/Mutter von Ihrem Kind, dass sich an Ihrer Liebe zu ihm nichts ändern wird.

Beziehen Sie Ihr Kind möglichst wenig in Ihre Probleme rund um die Scheidung ein, suchen Sie lieber Aussprachemöglichkeit bei Freunden, Verwandten oder auch professionellen Helfern.

Auch Ihrem Kind wird es gut tun, mit Außenstehenden über die familiären Veränderungen sprechen zu können. Fördern Sie daher solche Kontakte!
Vermeiden Sie es möglichst, in Gegenwart des Kindes negativ über Ihren Expartner zu sprechen. Ihr Kind liebt Sie beide und gerät in einen Konflikt zwischen dem Wunsch, „es Ihnen recht zu machen“, und seinen eigenen Gefühlen.

Akzeptieren Sie den Kummer und die Trauer Ihres Kindes, zeigen Sie Verständnis, aber verwöhnen Sie Ihr Kind nicht, indem Sie es materiell großzügig bedenken oder bestehende Verbote lockern. Gerade in dieser Zeit des familiären Umbruchs sollte der Alltag wie gewohnt weitergehen, die vertrauten Regeln sind für Ihr Kind eine Orientierungshilfe.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Kinder die Scheidung/Trennung ihrer Eltern besser bewältigen, wenn die Eltern weiterhin in Fragen, die Kinder betreffend, kooperieren. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, ist eine Scheidungsberatung bzw. Mediation in Anspruch zu nehmen. Bei der Mediation erarbeiten die Konfliktpartner gemeinsam mit einem kompetenten Vermittler (Mediator), der sich neutral verhält, eigenverantwortlich eine einvernehmliche Lösung Ihrer Konflikte.

Über weitere Beratungsmöglichkeiten informiert auch das Servicetelefon der MAG ELF, Tel.4000/8011, Montag-Freitag 8-18 Uhr.

Autor: Dr. Charlotte Schmitt-Hold

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