Sanfte Pflege für Kinderhaut

Die äußerste Schutzschicht des Körpers benötigt besondere Aufmerksamkeit, gerade in den heißen Sommermonaten!

Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um die Pflege der Haut ihres Sprösslings geht. Eincremen, ja oder nein? Täglich baden oder seltener? Was tun bei Ausschlägen? Gerade im Sommer kommen noch mehr Fragen hinzu: Welcher Sonnenschutz ist der richtige? Darf mein Kind auch einmal in die Sonne? Wir klären die wichtigsten Themen rund um Kinderhaut.

Babys brauchen nicht viel

Bei den Kleinsten heißt es: Weniger ist mehr! Die empfindliche Außenhülle der kleinen Schätze ist viel dünner als jene von Erwachsenen. Sie muss sehr sorgfältig behandelt werden, um den natürlichen Säureschutzmantel nicht unnötig zu belasten. Sie verliert auch schneller ihre Feuchtigkeit. Das führt dann mitunter zu Trockenheit, womit die junge Haut empfindlicher gegenüber Reibung ist und eine erhöhte Verletzlichkeit aufweist. Da die Talgdrüsen weniger Lipide produzieren, besteht anfänglich noch kein fertig ausgebildeter Säureschutzmantel, also keine stabile Barriere gegen Keime von außen. Gefährdet sind vor allem Stellen, die wenig belüftet werden und in denen sich meist Schweiß oder Urin ansammelt. In so einem feuchtwarmen Milieu, meist ist das der Windelbereich, gedeihen z.B. Hautpilze. Dann tritt schnell eine Windeldermatitis auf. Um für „bessere Belüftung“ zu sorgen, das Baby öfters wickeln, damit die reizenden Stoffe sowie die Wärme nicht allzu lange auf die Haut einwirken. Gerade im Sommer ist es leicht, auch windelfreie Zeiten einzurichten, damit sich die empfindliche Region regenerieren kann. Wund- und Heilsalben aus Ringelblumen oder mit Zink unterstützen die Wundheilung. Bei anhaltenden Entzündungen muss ein Arzt aufgesucht werden.

Warmes Wasser

Beim Baden reicht warmes Wasser aus, Zusätze wie Seifen trocknen die Haut nur unnötig aus. Es muss auch nicht immer ein Vollbad sein, manchmal einfach nur mit lauwarmem Waschlappen abreiben. Um Entzündungen in den kleinsten Hautfältchen entgegen zu wirken, nicht vergessen, auch dort zu reinigen. Denn darin angesammelte Hautschüppchen vermögen sich zu entzünden. Ganz kleine Babys sollten nicht länger als zehn Minuten gebadet werden, gerne öfter pro Woche, wenn sie das mögen. Das Wasser am besten auf 37 Grad heizen. Shampoos erst verwenden, wenn wirklich Haare gewachsen sind. Sieht die Haut Ihres Babys gesund und prall aus, muss diese nicht unbedingt eingecremt werden. Bei trockenen Stellen Babyöl und spezielle Cremes verwenden. Die Ohren der Kleinen müssen nicht mit Wattestäbchen oder ähnlichem gereinigt werden. Ohrenschmalz mit feuchtem Tuch oder Lappen vorsichtig entfernen.

Vorsicht vor UV-Strahlen!

„Ein Sonnenbrand ist für die Sprösslinge besonders gefährlich, da er die Haut auch langfristig schädigen kann. Kinder benötigen daher einen besonders guten Schutz. Babys und Kleinkinder darf man gar nicht der prallen Strahlung aussetzen“, so Prim. DDr. Peter Voitl, Kinderarzt aus Wien. „Die Eigenschutzzeit beträgt nur fünf bis zehn Minuten, danach droht bereits ein Sonnenbrand. Lichtschäden summieren sich im Laufe des Lebens. Junge Menschen sind der Sonne generell viel häufiger ausgesetzt als Erwachsene. Man nimmt an, dass jeder bis zu seinem 18. Lebensjahr 80 Prozent der UV-Strahlenbelastung des ganzen Lebens abbekommt.“ Welche Sonnencremes empfiehlt der Experte? Die Varianten für Kinder ziehen schneller ein, enthalten weniger Duftstoffe und haben einen hohen Lichtschutzfaktor (50). Die Cremes sind meist fetthaltiger. Es gibt verschiedene Arten von Sonnencremes, für Kinder eher empfehlenswert sind mineralische Cremes mit physikalischem Filter, welcher die UV-Strahlen reflektiert. Das bedeutet, die Kinder dürfen sofort in die Sonne gehen, da dieser gleich wappnet. Bei synthetischen Varianten (chemische Substanzen absorbieren UV-Strahlen und wandeln sie in Wärme um) sollte man 30 Minuten warten. „Nach etwa zwei Stunden nachcremen“, rät DDr. Voitl. „Außerdem nach jedem Baden, auch, wenn die heutigen Produkte wasserfest sind. Nachzucremen verlängert übrigens nicht die Zeit, welche die Kids in der Sonne verbringen können.“ Weitere Gefahr für ganz Kleine: Durch das Fehlen der Schweißdrüsenfunktionen in den ersten Lebenswochen kommt es zu einer erschwerten Thermoregulation. Das bedeutet, die Säuglinge können leichter überhitzen, was vor allem bei Hitzewellen große Gefahren birgt.

Badespaß für die Kleinen

Wenn bereits die Eltern Probleme mit der Haut haben, etwa durch Allergien oder Neurodermitis, ist bei chlorhaltigem Poolwasser Vorsicht geboten. Diese kann die Haut sehr reizen. Grundsätzlich sollte das Baby einige Monate alt sein, bevor man mit ihm ins Bad geht. Nach dem Schwimmen unbedingt das Chlor von der Haut abwaschen. Salzwasser schadet der Haut an sich nicht, kann sie jedoch ein wenig austrocknen. Dann unter der Dusche gut abspülen.

Rötungen und Pickelchen

Kinderhaut gerät schneller aus dem Gleichgewicht als jene von Erwachsenen. Wimmerl, Pusteln oder Quaddeln treten schnell einmal auf. In den ersten Lebenswochen „blühen“ viele Säuglinge aufgrund der Neugeborenenakne mit Pickelchen und gelben Knötchen im Gesicht. Hier nicht drücken oder versuchen, die Erscheinung selbst zu „verarzten“, der Ausschlag verschwindet von selbst wieder! Etwas größere Kinder leiden oft an Infektionen der Haut, hervorgerufen durch Viren und Bakterien, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Pilze „greifen“ ebenfalls besonders gerne an. Bei Säuglingen im Wickelalter können sich Sprosspilze in den (feuchten) Windeln durch Schmierinfektionen bilden. Sie sind als kleine Eiterpünktchen auf geröteter Haut zu erkennen. Wenn der Nachwuchs oft auf dem Fußboden liegt oder mit Haustieren spielt, treten mitunter Trichophyten an Armen, Beinen und dem Kopf auf. Sie erkennt man an rundlich wachsenden Herden mit schuppigem Aussehen. Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter. Besonders quält die Sprösslinge der damit verbundene Juckreiz. Man versteht darunter eine schubweise verlaufende entzündliche Hauterkrankung. Die Ursachen und ihr Verlauf sind vielfältig. Grundsätzlich tritt das Leiden (auch „atopische Dermatitis“ oder „atopisches Ekzem“ genannt) zu jeder Zeit auf, am häufigsten aber schon im Säuglingsalter. „Bei einem Großteil der betroffenen Kinder verschwinden die Veränderungen bis zum Erwachsenenalter wieder“, beruhigt Prim. Voitl. „Neurodermitishaut braucht besondere Pflege. Die Haut ist trocken, juckt. Der Fettsäuremantel ist dünn, weshalb die Rückfettung von besonderer Bedeutung ist. Kratzende und zu warme Kleidung (z.B. aus Wolle) sollte gemieden werden. Beim Waschen keinen Weichspüler verwenden.“

KINDER UND SONNE
Mittagssonne generell meiden! 
• Kleidung stellt den besten Sonnenschutz dar, Kopfbedeckung nicht vergessen! Kinder sollten eine Sonnenbrille mit UV-Filter tragen. 
• Vermeiden Sie Sandalen – es ist wichtig, dass der Fußrücken ausreichend geschützt ist. 
• Suchen Sie einen Schattenplatz auf, sobald Sie die ersten Zeichen geröteter Haut bemerken. 
• Auch unter bewölktem Himmel kann ein Sonnenbrand entstehen, denn Wolken bieten keinen vollständigen UV-Schutz. 
• Nach dem Sonnenbaden ist eine After-Sun-Lotion für alle empfehlenswert.

SO ENTWICKELT SICH EINE GESUNDE HAUTFLORA
Bei der Geburt ist die Haut normalerweise steril. In den ersten Lebenswochen senkt die Ansammlung von Stoffwechselprodukten der Hautzellen und der sich entwickelnden Hautflora sowie die einsetzenden Regulationsmechanismen in der Haut den pH-Wert von anfangs 6,5 auf 5,5 ab. Durch Hautkontakt mit anderen Menschen wird die Haut mit Mikroorganismen „beimpft“. Die Abwehr gegen schädliche Mikroorganismen durch den Säureschutzmantel funktioniert in den ersten Monaten noch nicht ausreichend. Das baut sich erst im Laufe der Zeit auf. Verwenden Sie deshalb immer spezielle Baby-Pflegemittel, die auf die zarte Babyhaut abgestimmt sind.

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