Sag mir, wie das Leben heißt

Messa?” „Ja, Susi, das ist ein Messer.“ „Rine?” „Genau, das ist eine Mandarine.” „Nane haben?” „Nein, du weißt doch genau, dass es vor dem Mittagessen keine Banane gibt.” Doch Susi gibt nicht so schnell auf: „Bissi Nane haben?” So geht es den ganzen Tag lang. Die kleine Plaudertasche befragt ihre Mutter über alle nur denkbaren Gegenstände in der Wohnung, und Spaziergänge gestalten sich als Entdeckungsreisen, da alles am Weg betrachtet, untersucht und befragt wird. Übrigens, auch die kleinen Buben wollen alles wissen. Es gilt im wahrsten Sinn des Wortes: Der Weg ist das Ziel!

Kleinkinder sind begierig, alles benennen zu können. Der Ablauf bleibt immer gleich: Zu-erst bekommt Ihr Kind eine Vorstellung von einem bestimmten Vorgang, einige Zeit danach versteht es das Wort, das zu diesem Vorgang gehört, und wieder einige Zeit später sagt Ihr Kind das Wort selbst. Um den ersten Geburtstag herum versteht Ihr Kind Namen von Personen und Gegenständen in seiner direkten Umgebung (Papa, Auto, Ball). Zwischen 12 und 18 Monaten interessiert es sich bereits für die Gespräche anderer und nimmt auch die dazugehörige Körperhaltung, den Tonfall und den Gesichtsausdruck wahr. Zur Erheiterung der Erwachsenen ahmt Ihr Kind seine Umgebung nach und plappert auf einmal wie Oma oder Onkel Karl daher. Es ist zwar kein Wort zu verstehen, aber es hört sich schon ganz wie der Opa an. Auch wenn die Kleinen noch nicht verständlich reden können, sie üben bereits die Regeln, nach denen das Reden funktioniert.

Zwischen der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und der Entwicklung der Sprache besteht ein enger Zusammenhang. Wenn Kinder ihr „Ich” wahrnehmen, beginnen sie auch eigene Bedürfnisse und Gefühle zu äußern. Sie können Ihr Kind unterstützen,  indem Sie Gefühle und Eindrücke beim Namen nennen, z.B. „Ui, du machst aber ein finsteres Gesicht. Ich glaube, dich ärgert etwas” oder aber „Jö, du hast einen hohen Turm gebaut! Jetzt freust Du Dich und ich mich auch!“ Wenn Sie Ihren eigenen Gefühlen und denjenigen Ihres Kindes einen Namen geben, vermitteln Sie zwei wichtige Botschaften: erstens, dass jedes Gefühl zum Leben gehört und ganz normal ist und zweitens, dass Gefühle, ebenso wie Dinge, einen Namen haben und man darüber reden kann. Im Lauf des dritten Lebensjahres entwickelt sich auch eine Vorstellung über Zeiträume. Das Kind fängt nun etwas damit an, wenn ihm seine Mama oder sein Papa sagt: „Nach dem Mittagsschlaf gehen wir auf den Spielplatz.”Die Begriffe „gestern” und „morgen” bekommen erst mit dem vierten Lebensjahr eine Bedeutung. Zwischen dem ersten und dem dritten Geburtstag braucht Ihr Kind einfache, verständliche Beschreibungen zu allem, was es interessiert. Lange Erklärungen oder Belehrungen sind noch komplett fehl am Platz.

Sie müssen Ihrem Kind nichts beibringen, sondern dürfen es beim Entdecken der Welt begleiten.


Tipps für Eltern

  • In einer „sprechenden Welt” lernen Kinder ganz von selber reden. Sie folgen dabei ihrem eigenen Tempo. Akzeptieren Sie Ihr Kind als eigenständige Person mit seiner eigenen Geschwindigkeit.
  • Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind, erzählen Sie ihm Geschichten; bauen Sie immer wieder Reime und kleine Liedchen in die alltäglichen Tätigkeiten ein.
  • Hören Sie Ihrem Kind geduldig und interessiert zu, wenn es Ihnen auf seine Art und Weise (mit Umwegen, mit falscher Grammatik etc.) etwas erzählt.
  • Bessern Sie Ihr Kind nicht aus. Wiederholen Sie stattdessen den Satz des Kindes richtig.
  • Teilen Sie Ihrem Kind mit, dass Sie es verstanden haben, z.B. durch Wiederholen des Gesagten.
  • Beantworten Sie die Fragen Ihres Kindes mit einfachen Worten, die Ihr Kind versteht, aber verwenden Sie keine Babysprache.
  • Denken Sie daran, für Babysitter die wichtigsten „Geheimwörter” Ihres Kindes zu übersetzen, damit er/sie sich im Ernstfall auskennt und weiß, dass z.B. der kleine Lukas mit „Nein” den Schnuller meint.

Bilderbücher
Führen Sie Ihr Kind in die faszinierende Welt der Bücher. Ganz spielerisch gelingt das mit Bilderbüchern, die Sie schon ab 6 Monaten gemeinsam mit Ihrem Kind anschauen können. Mit Hilfe der Bilder kann ein Kind verschiedene Lebensbereiche kennen lernen (z.B. am Bauernhof, in der Stadt), Erlebnisse verarbeiten (z.B. Krankheit) oder auf kommende Ereignisse vorbereitet werden (z.B. Geburt eines Geschwisterchens).

Worauf Sie dabei achten sollten?

  • Je jünger das Kind ist, desto robuster sollte ein Buch sein, desto einfacher die Zeichnungen, desto klarer die Farben.
  • Genaue Zeichnungen sind wichtig, d.h. eine Figur, die sich gerade freut, sollte ein lachendes, glückliches Gesicht haben.
  • Die Geschichten sollen nicht zu lange und in einfacher Sprache geschrieben sein.
  • Geschichten sollen gut ausgehen.
  • Blättern Sie ein Buch immer durch und schauen Sie, ob es Ihrem Gefühl nach gerade für Ihr Kind passt, bevor Sie es kaufen oder ausborgen.

Autor: Maga. Irene M. Kernthaler-Moser, Journalistin

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