Rosa Brille: in Kindergrößen nicht erhältlich

In letzter Zeit sitzt Marion auffallend oft spätabends, wenn ihre Kinder schlafen, am Telefon. Sie führt lange Gespräche mit Rudi, den sie vor einigen Wochen kennen gelernt hat. Sie hat sich von Anfang an gut mit ihm verstanden. Und er hat sie umworben, was ihr sehr geschmeichelt hat. Seit kurzem sind die beiden ein Paar, sehen sich regelmäßig und machen gemeinsame Pläne.

Zum Beispiel planen sie, wie Marion ihren Kindern die Neuigkeit erzählen wird. Sie will sich noch ein, zwei Monate Zeit damit lassen. Aber sie erwähnt Rudis Namen vor den Kindern, wenn sie mit ihm ausgeht oder wenn er anruft. Schließlich ist es unübersehbar, wie glücklich sie ist. Sobald die Beziehung gefestigt ist, wird Marion bei einem Ausflug am Wochenende Rudi mit den Kindern bekannt machen.

„Ein guter Plan“, stimmt Rudi zu. Auch er ist ein bisschen aufgeregt. Beim ersten Mal bleibe ich nur eine Stunde dabei, okay? Ich will die Kinder nicht überfordern.“

Es ist schön, wenn auch Sie nach einer Trennung wieder einen Partner, eine Partnerin finden. Es ist aber ein wenig anders, jetzt, wo Sie ein Kind haben. Für Ihr Kind ist der neue Mann, die neue Frau in Ihrem Leben erst einmal eine wildfremde Person. Vertrauen braucht Zeit zum Wachsen.

Auch Alfons ist frisch verliebt. Seine Kinder wohnen nicht bei ihm, sondern kommen nur jedes zweite Wochenende zu Besuch. Er konnte daher die erste Zeit mit rosaroter Brille voll auskosten. Inzwischen ist er überzeugt, dass die neue Beziehung Bestand haben wird, und wünscht sich, dass seine Söhne (11 und 15) seine Freundin kennen lernen. Denn es ist geplant, dass sie bei ihm einzieht. Auch Alfons wählt einen „neutralen“ Ort fürs erste Treffen. Die Kinder gehen gern zum Bowling, also stößt seine Freundin einfach dazu. Neugierig beobachten die Kinder sie, zuerst nur aus dem Augenwinkel. Zum Glück bleibt sie locker und macht immer wieder Gesprächsangebote. Der Jüngere geht schneller darauf ein und stellt ihr schon beim ersten Treffen Fragen. Der Ältere wird noch ein paar Wochen brauchen. Alfons und seine Freundin machen keinen Druck.

Erwarten Sie nicht zu viel vom ersten Treffen. Erwecken Sie nicht den Eindruck, dass der neue Partner, die neue Partnerin den anderen Elternteil ersetzen soll. Es genügt, wenn Sie z.B. sagen: „Das ist meine neue Freundin. Ich habe sie sehr gern, und ich möchte, dass du sie kennen lernst.“

Tipps für verliebte Alleinerziehende

  • Nehmen Sie sich für die erste Zeit des Verliebtseins und zum Kennenlernen ausreichend unbeschwerte Zeit zu zweit.
  • Lassen Sie der Partnerschaft Zeit zum Entwicklen und machen Sie nicht sofort eine Familie daraus.
  • Stellen Sie Ihrem Kind den neuen Partner/die neue Partnerin erst vor, wenn Sie sich über eine längere Dauer der Beziehung sicher sind.
  • Lassen Sie Ihrem Kind genug Zeit und seine persönliche Art, den für ihn noch fremden Menschen kennen zu lernen.
  • Besprechen Sie mit Ihrem neuen Partner/Ihrer neuen Partnerin die Alltagsgestaltung und den Umgang mit dem Kind.
  • Achten Sie auf ein gutes Klima bei den Besuchskontakten mit dem getrennt lebenden Elternteil.

Tipps für neue Partner(innen)

  • Pflegen Sie die Liebesbeziehung. Oft wirken kleine Gesten Wunder. Lassen Sie nicht zu, dass Sie als Paar in Routine untergehen. Mit etwas Phantasie fällt Ihnen sicher ein, wo sich „Inseln der Zweisamkeit“ schaffen lassen.
  • Setzen Sie sich nicht unter Druck, was Ihr Stiefkind betrifft. Sie müssen es weder lieben noch erziehen. Seien Sie entspannt, freundlich und respektvoll. Im guten Umgang miteinander kann Zuneigung auf beiden Seiten langsam wachsen.
  • Betrachten Sie den getrennt lebenden Elternteil als Realität, nicht als Rivalen. Ihr Partner, Ihre Partnerin hat sich bereits für Sie entschieden! Für sein/ihr Kind ist es aber sehr wichtig, in gutem Kontakt mit beiden Eltern zu bleiben.
  • Stecken Sie die richtigen Ziele. „Vater-Mutter-Kind“ ist nicht Ihre Lebenswirklichkeit. Öffnen Sie die Augen für das bunte „Patchwork“, das Ihre Situation Ihnen bietet.

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