Risiko heißt nicht Gefahr

Als der Gynäkologe in ihren nagelneuen Mutter-Kind-Pass „Risikoschwangerschaft“ einträgt, ist Rita erstaunt. Er erklärt sofort: „Das klingt schlimmer, als es ist. Der Vermerk garantiert Ihnen einen besonderen Service. Der steht jeder werdenden Mutter zu, die mit über 35 ihr erstes Kind erwartet.“

Tatsächlich umfasst die Liste für diese Einstufung 51 weitere Punkte – und macht drei von vier Frauen zu „Risikoschwangeren“. Andere Fälle sind etwa Zwillinge, Steißlage, ein vorangegangener Kaiserschnitt, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck oder eine frühere Fehlgeburt. Der Vermerk „Risikoschwangerschaft“ bedeutet nicht die Vorhersage von Komplikationen!

Auch Linda, 38, ist aufgrund ihres Alters „risikoschwanger“. Bis zur 23. Woche verläuft alles problemlos. Dann glaubt ihre Ärztin beim Ultraschall einen Herzfehler zu entdecken und schickt Linda zum Organscreening ins Krankenhaus. Dort ist der Befund in Ordnung. Um sicherzugehen, empfiehlt man ihr, mit dem Pränataldiagnostik-Spezialisten zu sprechen. Dieser kommt erst zwei Wochen später aus dem Urlaub zurück – zwei Wochen voller Verunsicherung und Angst für Linda. Schließlich die gute Nachricht: doch kein Herzfehler.

Unter Pränataldiagnostik versteht man spezielle Untersuchungen des ungeborenen Kindes und der Mutter. Sie lassen Auffälligkeiten erkennen, die auf mögliche Behinderungen und Erkrankungen hindeuten.
Pränataldiagnostik ist keine Garantie für ein gesundes Kind. Warnzeichen können übersehen werden. Umgekehrt gibt es Fehlalarme wie bei Linda. Auch auffällige Ergebnisse sagen nichts über die konkrete Ausprägung einer Erkrankung oder Behinderung aus. Der beste Spezialist, die beste Expertin mit den modernsten Geräten kann nicht vorhersagen, wie Ihr Kind sein wird.

Verena und ihr Mann haben sich bei einer Beratungsstelle über die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik ausführlich informiert. Für Verena steht bald fest: Sie macht die Fruchtwasseruntersuchung. „Mit 40 habe ich ein höheres Risiko, dass mein Kind Chromosomenschäden hat. Ich will nicht monatelang im Unklaren sein. Das belastet mich mehr als ein kurzer Eingriff.“

Allen werdenden Eltern werden vorgeburtliche Untersuchungen angeboten. Ob und in welchem Umfang Sie dieses Angebot annehmen, liegt allein bei Ihnen. Überlegen Sie gut, welche Untersuchungen Sie machen möchten und wie Sie mit dem Ergebnis umgehen werden. Sie haben ein Recht auf Wissen ebenso wie auf Nicht-Wissen. Sie können angebotene Untersuchungen ablehnen. Sie können sich dafür entscheiden, Ihr Kind zur Welt zu bringen, wenn es krank oder behindert ist. Sie können sich zu einem Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten entschließen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung, und falls erforderlich, nehmen sie Beratung in Anspruch. Denken Sie daran: 97 von 100 Babys kommen vollkommen gesund zur Welt.

Tipps

  • Gehen Sie mit Zuversicht und Freude in die Schwangerschaft.
  • Achten Sie auf Ihr körperliches Wohl: Ernähren Sie sich gesund, machen Sie Bewegung und halten Sie sich fit.
  • Gehen Sie regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen.
  • Informieren Sie sich gut, welche Untersuchungsmethoden es gibt und welche Erkrankungen und Behinderungen damit festgestellt werden können.
  • Lassen Sie sich genau darüber aufklären, welche Risiken dabei für Sie und das ungeborene Kind entstehen.
  • Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Partner, ob Sie für sich die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik nützen wollen.
  • Überlegen Sie sich, welche anderen Möglichkeiten Sie haben, um sich in der Schwangerschaft sicher zu fühlen.
  • Wenden Sie sich, wenn nötig, an eine Beratungsstelle, um leichter Antworten auf Ihre persönlichen Fragen zu finden und die notwendigen Entscheidungen zu treffen.
  • Falls Sie sich für Pränataldiagnostik entscheiden, suchen Sie eine/n erfahrene/n Arzt/Ärztin auf, der/die solche Untersuchungen häufig durchführt und in der Interpretation der Ergebnisse geübt ist.

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