Retten Sie Ihren ZAHNSCHMELZ!

Das härteste Gewebe unseres Körpers hat auch eine schwache Seite: Es reagiert empfindlich auf Säuren. Warum selbst gesunde Ernährung Schaden anrichten kann. Von Eva Rohrer

Seit ich mich gesund ernähre und vorwiegend Obst und Salate esse, werden plötzlich meine Zähne anfälliger für Karies. Wie kann das sein?“, eine Frage, die sich schon so mancher gestellt haben mag. Neben den üblichen Verdächtigen wie Süßigkeiten, Torten und Limonaden, Alkopops enthält auch Obst (Frucht)Zucker und Säuren, nicht zu vergessen auf Salate, die mit Essig/Zitronensaft und Zucker zubereitet werden. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, aber wie in so vielen Fällen gilt: Die Dosis macht das Gift – und die Zeitspanne. Wirkt ständig ein Säure-Bad auf unsere Zähne ein, kommt der Speichel mit dem Neutralisieren nicht mehr nach, der Schmelz wird „angenagt“. 

Süße Säfte, Cola-Getränke und andere Limonaden zumindest einschränken. Fruchtsäfte stark mit Wasser verdünnen. Den Mund nach dem Verzehr von zucker- und säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken mit Leitungswasser ausspülen – so unterstützen Sie das rasche Erreichen des richtigen ph-Wertes im Mundraum. Speichel ist dann besser in der Lage, winzige Defekte zu reparieren. Kaugummi kauen (zuckerfrei!) regt die Speichelbildung an und eignet sich für unterwegs. Fluoridhältige Zahnpasten begünstigen den Wiederaufbau von Mineralien im Schmelz. Größere Schäden können nicht mehr repariert werden. Was weg ist, ist weg. 

Nicht gleich nach „saurer“ Mahlzeit Zähne putzen, sonst schrubben Sie den aufgeweichten Schmelz erst recht weg. Kein „Scheuerpulver“, sondern sanfte Zahnpasten verwenden. Keinen großen Druck beim Putzen ausüben. Zur Vorbeugung eignen sich auch Produkte, die den Zahnschmelz stärken.

Einzigartige Substanz

Zahnschmelz umhüllt als oberste Schicht die Zähne. Damit schützt diese härteste Substanz in unserem Körper (sie muss dem hohen Kaudruck standhalten) unsere Beißwerkzeuge vor Schäden – Säuren, solange diese nicht überhandnehmen, Abnützung und Bakterien. Aufgebaut ist Zahnschmelz aus mineralischen Stoffen wie Calcium, Magnesium, Natrium, Phosphor, Eiweißstoffe und Fette. Wenn nun Säuren und Zucker regelmäßig konsumiert werden, weicht der Schmelz immer mehr auf, wird porös und dünnt aus. Ein gutes Versteck auch für Bakterien, die sich nun leichter ansiedeln und ihrerseits Zucker aus Schoko und anderen Naschereien in Säuren verwandeln. Bis schließlich Karies entsteht. 

Zur mechanischen vorzeitigen Abnützung der Schutzschicht zählt z. B. nächtliches Knirschen, bei dem mit hohem Druck die Zähne zusammengepresst bzw. aneinander gerieben werden. Die Kauflächen und Schneidekanten sind davon besonders betroffen. In diesem Fall kann eine Knirsch-Schiene (Zahnarzt) die „Beißerchen“ vor Abrieb bewahren. Harte Nahrungsmittel können zu Rissen im Schmelz führen. Auch Kauen am Kugelschreiber, an den Fingernägeln oder anderen harten Gegenständen sollte man lieber bleiben lassen, das tut den Zähnen nicht gut.

ZIEMLICH ÄTZEND

Neutrale Bedingungen im Mund zeigen ph-Werte zwischen 6,5 und 7,5. Unter 5,5 erfolgt der Angriff auf die Zähne. Einige Beispiele: Wein liegt bei 4, Limonade schlägt sich mit 2–3 aufs Gebiss, Apfel- oder Orangensaft bzw. die ganze Frucht und Marmelade mit etwa 3, Zitronensaft und Essig 2,5, Colagetränke 1,65 bis 3.
Zahnfreundlich sind Milch (ph 6,5) sowie Käse. Tee enthält Fluoridspuren, die sich günstig auf die Zähne auswirken und sogar Bakterien bremsen können, zusammen mit einem Schuss Milch also ideal. Bei Kaffee muss man allerdings ordentlich zugießen („Häferlkaffee“) damit man nicht in den sauren Bereich kommt. Aber: Beides bitte ohne Zucker!

ABWEHR GEHT DURCH DEN MUND

Das Immunsystem „sitzt“ nicht nur im Darm, auch die Besiedelung der Mundflora mit guten Bakterien spielt bei der Abwehr von krankmachenden Keimen eine entscheidende Rolle. „Das orale Mikrobiom bildet die erste Barriere gegen Viren und Bakterien, die in Mund, Nase und Rachen eindringen“, erklärte HNO-Arzt Doz. Dr. Wolfgang Luxenberger bei einer Pressekonferenz in Wien. Etwa 800 verschiedene Bakterienarten findet man in diesem Mikrobiom. Seine Zusammensetzung variiert je nach Alter und Gesundheitszustand. Auch unsere Lebensweise hat starken Einfluss auf diese Bakteriengemeinschaft: Ungesunde Ernährung, Medikamente oder starke Schwankungen des pH-Werts innerhalb der Mundhöhle, etwa durch zuckerreiche Nahrung und mangelnde Mundhygiene, können das Mikrobiom negativ beeinflussen und sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl an nützlichen Bakterien reduzieren. Dieser Biofilm ist nicht nur wichtig für die Zahngesundheit, sondern auch für die Immunabwehr. Einer der wichtigsten Bakterien, Leitkeimstamm Streptococcus salivarius K12, produziert antibakterielle Substanzen, welche ganz speziell ihre krankmachenden Bakterien-„Verwandten“ innerhalb kürzester Zeit abtöten.

 WIE BEMERKT MAN SCHÄDEN?

• Die Zähne reagieren empfindlicher auf Heißes und Kaltes, wenn die Schutzschicht dünner wird. 
• Sie sehen gelblicher aus, weil das unter abgebautem Zahnschmelz liegende Dentin (Zahnbein) stärker   durchscheint. Das Zahnbein ist eine knochenähnliche Substanz und wird von Säuren noch leichter       angegriffen und entkalkt. 
• Die Kanten der Bissflächen von den Vorderzähnen werden durchsichtiger.

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