Reizende Frühlingsluft

Sie freuen sich auf Outdoor-Aktivitäten in der warmen Jahreszeit? Leider sind Pollen, die winzigen Spaßverderber, wieder vermehrt unterwegs. Geben Sie der Allergie keine Chance!

Jucken die Augen, rinnt die Nase? Antihistamin-Tropfen können als Selbstmedikation bei leichten Beschwerden rasch Linderung bringen. Genug des Stubenhockens! Corona und die kalte Jahreszeit haben uns nur selten hinausgelockt. Doch die ersten Sonnenstrahlen und ein bisschen Wärme schon an einigen Tagen im Februar ließen die Freude auf den Frühling aufkeimen: an die frische Luft gehen, die Wohnung gründlich lüften und so richtig durchzuatmen. Endlich in die Pedale treten, eine Wanderung genießen oder regelmäßig laufen. Wäre da nicht ein Haken: Steigen die Temperaturen, machen sich die Pollen auf den Weg und trüben die Freude bei etwa 30 Prozent der Österreicher, die allergisch auf den Blütenstaub reagieren. 80 Prozent aller Allergien gehen auf das Konto von Pollen. Niesanfälle, rinnende Nase, juckende, geschwollene Augen, Kratzen im Hals sind die typischen Anzeichen dafür, dass das Immunsystem auf die an sich harmlosen Pollen losgeht, begleitet mitunter von allgemeinem Krankheitsgefühl, Kopfweh, Müdigkeit, Husten, Atemnot und Schlafstörungen. Das Jahr 2021 soll ja diesbezüglich besonders anstrengend werden. Früh blühende Bäume setzen ihren Blütenstaub bereits ab 8 Grad frei. Wer also auf die Frühblüher Erle und Hasel reagiert, hat sich bereits an milden Tagen im Jänner über Beschwerden gewundert. Aufgrund des Klimawandels setzt die Pollensaison nämlich immer früher ein, wie Peter Skala, Initiator von „MeineRaumluft.at“ betont. Wie heftig sich Symptome letztendlich äußern, hängt meist mit der Konzentration der Allergene in der Luft zusammen, und das wiederum mit dem jeweiligen Wetter. Sonne und Wind erhöhen die Belastung. An stark befahrenen Straßen wird man womöglich mehr niesen und unter tränenden Augen leiden, weil die Pollenkonzentration hier besonders ansteigt. Normalerweise setzt sich Blütenstaub mit der Zeit am Boden ab, wird jedoch durch den Verkehr immer wieder aufgewirbelt und mischt sich mit den neu freigesetzten Allergenen.

Das Warten auf den Regen

Allergiker freuen sich über einen erlösenden, ausgiebigen Schauer: sind die Pollen vorübergehend „ausgewaschen“, können sie aufatmen. Das ist auch der richtige Zeitpunkt, um die Wohnung gründlich zu lüften. Apropos Lüften: Wohnen Sie in einer ländlichen Gegend, öffnen Sie die Fenster am besten am Abend vor dem Schlafengehen (denn bis zur Mittagszeit setzen Pflanzen und Bäume ihren Blütenstaub frei), in Städten früh am Morgen, dort beginnen sich die Pollen erst am Abend (es bleibt länger warm als am Land) auf dem Boden abzusetzen. Erste allergische Reaktionen zeigen sich bevorzugt im Kindes- und Jugendalter. Was aber nicht bedeutet, dass man danach verschont bleibt. Auch bei über 50-Jährigen können diese plötzlich erstmals auftreten. In jedem Fall sollten Symptome beim Arzt/im Allergieambulatorium abgeklärt werden, um eine Ausweitung der Allergie zu verhindern. Standarduntersuchungen sind der Pricktest (ein Tropfen des Allergens wird auf die Haut aufgetragen und diese ein wenig geritzt), Bluttests auf allgemeine Allergieneigung bzw. auf spezifische Auslöser. Mit einem Tropfen Blut auf einem Chip lässt sich als Privatleistung gleich ein breites Spektrum an Überreaktionen ablesen.

Gut gerüstet

Beschwerden treten individuell und in unterschiedlicher Intensität auf. Wie Sie diese in den Griff bekommen, sollten Sie mit dem Arzt besprechen. Von der Allergie-„Impfung“ (Desensibilisierung) mittels Spritzen oder Tabletten über Antihistaminika als Tabletten (bremsen die Ausschüttung von Histamin, welche die Beschwerden verursachen), bis hin zu Cortison, aber auch rezeptfreien Arzneien zur Linderung reichen die Therapiemöglichkeiten. Mag. Kornelia Baumgartner, Apothekerin aus Wien, nennt einige dieser Mittel: „Bleiben die Symptome auf Augen und Nase beschränkt, also ohne asthmaähnliche Beschwerden, ist eine Selbstmedikation mit so genannten H1-Antihistaminika in Form von Augen- oder Nasentropfen bzw. -spray möglich. Als kurzfristige – nicht länger als maximal zehn Tage – Anwendung können abschwellende Tropfen oder Sprays helfen. Regelmäßige Spülungen mit Kochsalz- oder Meerwasser-Sprays helfen dabei, Allergene sozusagen auszuschwemmen. Mikronährstoffe wie Zink, Vitamin D und C unterstützen das Immunsystem. Vitamin C ist am Abbau von Histamin beteiligt. Calcium bremst die Freisetzung von Histamin.“ Auch eine Sanierung des Darmmikrobioms mit Probiotika hält die Apothekerin für sinnvoll, schließlich ist die Darmflora Teil unseres Immunsystems.

Sporteln ja oder nein?

Wer unter Heuschnupfen leidet, muss nicht ganz auf Sport verzichten, das Training jedoch an die Gegebenheiten anpassen, also zu Uhrzeiten trainieren, an denen die Pollen nicht so aktiv sind (Kasten rechts) und nicht verausgaben. Die mit dem Arzt besprochenen Arzneien anwenden sowie während starker Blütenstaubbelastung lieber auf dem Hometrainer radeln, mit den Hanteln die Muskeln stärken oder Gymnastik betreiben.

Die Allergene in Schach halten

Geben Sie den Pollen im Alltag so wenig Chancen wie möglich, Ihre Lebensqualität zu beeinträchtigen: 
• Wenn Sie die Wohnung betreten, gleich im Vorzimmer die Kleidung ausziehen und dort belassen. Keinesfalls im Schlafzimmer. 
• Blütenstaub bleibt leicht in den Haaren hängen. Wenn Sie sich schlafen legen, verteilt er sich auf dem Polster, Nase und Augen leiden auch nachts. Daher vorher Haare waschen. 
• Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen. 
• Nach dem Staubsaugen dauert es etwa eine halbe Stunde, bis sich aufgewirbelter Blütenstaub wieder absenkt. Staubsauger mit HEPA-Filter verwenden. Luftreiniger mit ebensolchen Filtern können Partikel aus der Luft entfernen. 
• Wäsche während der Blüte- bzw. Flugzeit „Ihrer“ Pollen nicht im Freien trocknen, Bettwäsche häufig wechseln. 
• Boden feucht wischen, auch beim Staubwischen der Möbel wenn möglich die Tücher leicht anfeuchten. 
• Die wenig beliebten FFP2-Masken zum Schutz vor Corona-Viren bringen übrigens einen positiven Nebeneffekt: „Diese filtern virenhaltiges Aerosol (in der Luft schwebende Partikel, Anm. d. Red.) und Feinstaub, der zum Teil aus Blütenstaub besteht. Daher ist es möglich, dass die Masken Allergikern helfen, damit die Pollenhochsaison zu überbrücken“, erklärt Dr. Heinz Fuchsig, Arbeits- und Umweltmediziner aus Wien. 
• Bei Gräser-Allergie: Rasen nicht selbst mähen. Während gemäht wird, im Haus/in der Wohnung bleiben und die Fenster geschlossen halten. 
• Nicht vergessen: Pollenfilter ins Auto einbauen, bzw. regelmäßig beim Service der Klimaanlage wechseln lassen. 
• Alles vermeiden, was zusätzlich die Atemwege reizt: Also zum Beispiel nicht rauchen! Ob es so bald möglich sein wird, ans Meer zu reisen, bleibt offen. Jedenfalls ist die Belastung mit Blütenstaub dort gering. Auch ein Ausflug in die Berge bringt Linderung. Über 1.500 Meter schwebt man über den Dingen – auch über den Pollen.

Vorheriger Artikel1× Wellness um die Welt
Nächster ArtikelEin Löffel voll Glück

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen