Reden bietet immer wieder neue Chancen

Man würde es nicht für möglich halten, aber drei Menschen können ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich erlebt haben. So berichtet z.B. vom letzten Besuch im Stadion der eine ausführlich vom Match selber, die andere hat sich gemerkt, wer wie gestylt war, und der Dritte im Bunde erinnert sich begeistert an die frischen Popcorns. Alle Beteiligten haben ihren guten Grund, warum gerade das in ihren Köpfen geblieben ist. Von den vielen Beobachtungen, die sie gemacht haben, hat sich jeder das gemerkt, was ihm/ihr am wichtigsten oder am lustigsten oder am beeindruckendsten war. Ist es nicht spannend, wie unterschiedlich die Welt wahrgenommen werden kann? Zu hören, was die eigenen Lieben so alles beschäftigt, was ihnen auffällt und was sie sich merken?

Es ist oft ein Eintauchen in fremde Welten. Können schon die Interessen zwischen Frauen und Männern sehr unterschiedlich sein, so ist die Perspektive von Kindern noch einmal eine ganz andere. Wenn Sie die Welt mit den Augen Ihres Kindes sehen, dann lernen Sie nicht nur viel über die Welt, sondern auch allerhand über Ihr Kind. Gerade durch die Schule und die vielen neuen Eindrücke erweitert sich die Sicht Ihres Kindes von der Welt sehr stark. Sie erleben jetzt viele Dinge getrennt voneinander und das miteinander Reden wird immer wichtiger, wenn Sie auch weiterhin am Leben Ihres Kindes teilhaben wollen.

Als ob das so einfach ist, mit Ihrem Kind ins Gespräch zu kommen, werden Sie jetzt sagen. Wenn Sie es fragen, wie es heute in der Schule war, ist die Antwort meist sehr kurz. Erinnern wir uns doch an unsere eigene Schulzeit – da waren wir auch oft nicht sehr auskunftsfreudig. Warum? Weil die Fragen der Erwachsenen ans Abgefragtwerden in der Schule erinnern. Was können wir also anders machen?

„Kommunikation“ heißt wörtlich: teilnehmen lassen und miteinander teilen. Das Wort teilen weist darauf hin, dass Kommunikation immer mindestens zwei Personen braucht. Und damit die Kommunikation nicht einseitig wird, müssen beide reden dürfen. Und damit sie einander verstehen können, müssen beide zuhören. Das bedeutet für die Kommunikation mit Ihrem Kind: Beide stellen Fragen, beide erzählen und beide hören zu. Sie sollten also nicht nur Fragen stellen, sondern auch etwas berichten, z.B. von Ihrer Arbeit. Auch Ihr Kind darf Sie fragen. Plaudern Sie miteinander über verschiedene Dinge, nicht nur über die Schule und den Arbeitsplatz. Reden Sie über Jahreszeiten, Hobbys und Sammelleidenschaften, über Freunde und Feste, über Autos und Kochen, über schöne und heftige Gefühle. Finden Sie gemeinsam für die Ereignisse des Lebens Wörter. Wenn es keine dafür gibt, dann erfinden Sie Namen gemeinsam. Daraus kann eine Familiengeheimsprache entstehen, die für alle Familienmitglieder lustig ist.

Gute Gespräche brauchen einen „Raum“, in dem sie sich entfalten können. Versuchen Sie im Alltag immer wieder solche Gelegenheiten zu schaffen: gemeinsame Autofahrten oder sportliche Aktivitäten, bügeln neben dem spielenden Kind, gemeinsam die Einkäufe einräumen und kochen. Sie kennen Ihr Kind sicherlich so gut, dass Sie schon merken, wenn ihm/ihr etwas auf der Seele liegt. Bieten Sie ihm dann den Raum für Gespräche an, ohne auf dringlich zu sein. Wenn Ihr Kind das Gespräch sucht, vertrösten Sie es nicht, sondern verschieben Sie, was Sie geplant hatten. Das geht sicherlich nicht immer, aber immer wieder. Und Sie werden sehen, es tut auch Ihnen gut.

Fürs aktive Zuhören braucht man mehr als gute Ohren. Verwenden Sie auch Ihre Augen, um zu sehen, wie die Körpersprache Ihres Kindes ist. Fragen Sie nach, um sicher zu sein, was es denkt und fühlt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihrem Kind zuzuhören, und tun Sie nicht immer noch etwas nebenbei. Geben Sie Ihrem Kind immer wieder ganz bewusst das Gefühl: „Ich nehme mir Zeit für Dich.“

Tipps für Eltern

  • Sagen Sie ganz deutlich, was Sie brauchen und was Sie sich wünschen. Und geben Sie ihrem Kind auch die Möglichkeit, seine Wünsche anzumelden. Es müssen sich nicht alle Wünsche erfüllen, aber es ist gut, wenn einmal klar ist, wo die Bedürfnisse liegen.
  • Fühlen Sie zwischen den Zeilen, welche Gefühle und Wünsche mitschwingen. Vielleicht ist es für Sie nicht verständlich, warum Ihr Kind gerade über dieses kaputte Spielzeug so traurig ist. Akzeptieren Sie die Gefühle des Kindes und geben Sie diesen Gefühlen einen Namen: „Oh, so ärgerlich! Du bist sicher traurig!“
  • Reden Sie über Ihre eigenen Gefühle. Das klingt einfacher, als es ist, denn oft verstecken sich unsere Gefühle. Was andere sagen oder tun, kann ein Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie ihre Ursache. Beschreiben Sie, was Sie fühlen. Und erst im nächsten Schritt fangen Sie an zu erklären, welche Bedeutung das für Sie hat.
  • Schimpfen Sie nicht gleich los, wenn Sie etwas aufregt, sondern beschreiben Sie, was Sie beobachten. Und üben Sie dabei, die Beobachtung von der Bewertung zu trennen. Folgender Satz ist eine Bewertung: „Du hilfst mir nie!“ Eine Beobachtung wäre zu sagen „Die letzten drei Male, als ich Dich gebeten habe, den Mist hinauszutragen, hast Du gesagt, du hättest keine Lust.“

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