Raus aus der Zuckerfalle!

Jedes vierte Kind in Österreich ist übergewichtig. Großen Anteil daran hat täglicher übermäßiger Zuckerkonsum. Hier heißt es für Eltern: Gegensteuern!
Von Dr. Eva Greil-Schähs

Der Speiseplan der Österreicher gestaltet sich nach wie vor zu süß! Jeder nimmt weiterhin mit 33,1 Kilogramm pro Jahr oder rund 91 g Zucker pro Tag zu viel der Leckerei zu sich. Das liegt mehr als deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Tagesdosis von 25 g bzw. maximal 50 g Zucker. Und nicht nur die Erwachsenen, auch junge Menschen greifen viel zu oft zu süßer Nahrung oder zu solchen Produkten, in denen sich Zucker versteckt hat. Hat doch die WHO erst kürzlich festgestellt, dass sogar in vielen Lebensmitteln für Kinder oder Säuglinge Zucker oder eine andere süßende Zutat wie Fruchtsaftkonzentrat zugesetzt wurde!

Ernährung unter der Lupe

Die Eltern haben allerdings Vorbildfunktion, wenn es um die Ernährungsgewohnheiten der Kinder geht. Denn diese übernehmen die Kleinen für ihr ganzes Leben. „Wenn man die Ernährungsgewohnheiten der jungen Menschen in Europa betrachtet, dann sollten umgehend die Alarmglocken läuten“, mahnte Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, kürzlich auf einer Pressekonferenz. 56 Prozent der 15-Jährigen nehmen nicht täglich Obst und Gemüse zu sich. Auf der anderen Seite trinkt aber fast jeder in diesem Alter ständig gezuckerte Softdrinks.“ 

Mit schlimmen Folgen: In Österreich gelten derzeit 27 Prozent der 7- bis 12-Jährigen als übergewichtig oder adipös. Bei den Personen ab 15 Jahren sind bereits 50,8 Prozent der Österreicher übergewichtig (34,3%) oder adipös (16,5%). Tendenz steigend! Die Liste der Krankheiten, die mit ungesunder Ernährung und Übergewicht in Zusammenhang stehen, präsentiert sich als äußerst lang. Darunter fallen etwa Herz- und Gefäßleiden, Diabetes-Typ-2, Bluthochdruck, Probleme mit der Verdauung, Schlaflosigkeit oder Beschwerden am Bewegungsapparat. Die Grundsteine dafür werden schon im jugendlichen Alter gelegt. 

Zucker spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil sehr einfach große Kalorienmengen aufgenommen werden, der Blutzuckerspiegel starken Schwankungen unterliegt und die jungen Konsumenten sich an ein hohes Maß an Süße gewöhnen. Experten sind sich einig: Es müssen klare Zeichen gegen diese Bedrohung gesetzt werden. Ein bewusster Umgang mit dem Thema spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Schon früh ausgewogen essen

Um für das spätere Leben vorzusorgen, muss man bereits bei den Jüngsten ansetzen: „Die ersten 1.000 Tage im Leben des Menschen sind für die Geschmacksentwicklung und die Ernährung von besonderer Bedeutung“, erklärt dazu Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer (Mitglied der Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde; Universitätsklinikums St. Pölten) und betont weiter: „Beobachtungsstudien zeigen, dass ausgewogene Ernährung in den ersten drei Lebensjahren mitentscheidend für eine gesunde Zukunft der Kinder sein kann.“ Was die Mutter in der Schwangerschaft zu sich nimmt, ist ebenfalls von großer Bedeutung für die Gesundheit des Babys und das gesamte Leben. 

Oft ist es jedoch gar nicht so leicht, die Sprösslinge gesund zu ernähren. Grundsätzlich achten zwar 95 Prozent der Eltern auf einen ausgewogenen Speiseplan, dennoch lehnen viele Kinder es ab, täglich Gesundes zu verzehren. „Obwohl 75 Prozent der befragten Erziehungsberechtigten aussagen, dass ihre Kinder fast alles essen, gibt nur die Hälfte der Eltern an, dass ihre Kinder zwischen 3 und 10 Jahren täglich Obst zu sich nehmen. Bei Gemüse sieht es noch düsterer aus. Hier greifen nur etwas über 30 Prozent täglich zu“, erläutert Lisa Patek, MSc, vom Meinungsforschungsinstitut Marketagent die Ergebnisse einer groß angelegten Meinungsumfrage zum Ernährungsverhalten der Österreicher bzw. ihrer Kinder im Auftrag von Spar. 

Nicht nur zu Hause, auch in der Schule ist die Vermittlung von Wissen zur richtigen Ernährung gefragt. So gibt es zielführende Unterrichtsprogramme wie ein „Trink- und Jausenführerschein“ oder ein Tool namens „Zuckerdetektive“ von SIPCAN (Institut für ein gesundes Leben), aber auch durch die richtige Angebotsgestaltung, etwa in der Cafeteria, vermag man bereits im Schulalter wichtige Akzente für eine ausgewogene Lebensweise zu schaffen. 

Außerdem gilt: Genau auf die Angaben auf der Packung achten! Zucker versteckt sich in vielen Lebensmitteln, von denen man es nicht erwarten würde (siehe Kasten oben). Die gute Nachricht lautet allerdings, dass es schon etliche Produkte gibt, bei denen auf zugesetzten Zucker verzichtet wird.

WIE VIEL IST ZU VIEL?

Grundsätzlich gilt: Je weniger, desto besser! Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, weniger als 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs über freien Zucker abzudecken. Darunter versteht man jenen Zucker, der nicht natürlicherweise in Essen oder Getränken enthalten ist, sondern bei der Herstellung oder Zubereitung hinzugefügt wird. Aber auch jene Süße, die in Sirup, Honig, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten steckt, zählt dazu. 

Für einen 10- bis 14-Jährigen entspricht 10 Prozent des Zuckerbedarfs 60 g freiem Zucker. Dieser versteckt sich bereits in einem halben Liter Limo oder einer Rippe Schokolade! Wer dann noch ein Honigbrot isst, ein Glas Saft trinkt oder Ketchup zum Würstel isst, konsumiert eigentlich bereits zu viel des „weißen Goldes“.

GUT VERSTECKT, LEICHT ENTDECKT!

Fast jedes Nahrungsmittel enthält Zucker. Entweder von Natur aus wie etwa in Obst oder Milch oder er wird später hinzugefügt. Um ihn zu entlarven, lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste! Es gibt nämlich viele verschiedene Arten von Zucker, welche aber gar nicht so leicht zu erkennen sind. Viele Menschen würden sich deshalb eine „ehrlichere“ Kennzeichnung wünschen. 

Das alles zählt zu Zucker: Saccharose (Haushaltszucker, Kristallzucker, Rohrzucker, Rohrohrzucker), Glukose bzw. Dextrose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker), Glukose-Fructose-Sirup, Invertzucker, Melasse, Gerstenmalz und Gerstenmalzextrakt, Maltodextrin, Karamell- oder Maissirup. 

In Lebensmitteln bzw. Zusätzen wie Honig, Agavendicksaft, Reis- oder Ahornsirup sind schon von Natur aus ebenfalls hohe Zuckermengen enthalten. 

Gut zu wissen: Je weiter vorne eine Zuckerart in der Zutatenliste gereiht ist, desto mehr davon findet sich mengenmäßig im Vergleich zu „weiter hinter“ aufgedruckten Inhaltsstoffen darin.

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