„Eine Sprache – ein Mensch, zwei Sprachen – zwei Menschen“

Das Gehirn des Menschen sucht nach Regelmäßigkeit und Ordnung. Darauf beruht auch das Sprechenlernen. Ein Baby hat das Bedürfnis, Ordnung in die Sprache zu bringen, von der es umgeben ist. In vielen Wiederholungen erkennt es langsam die Regeln der Sprache. In den ersten sechs Monaten sind Wörter und Sätze für Ihr Baby ohne inhaltliche Bedeutung. Es erfasst aber je nach Stimmlage und Sprachmelodie die gefühlsmäßige Botschaft. Mit sechs Monaten erkennt es, dass Namen mit Personen in Verbindung stehen. Danach ordnet es Wörter vertrauten Gegenständen und Ereignissen zu. Es dauert aber noch Wochen oder Monate, bis es die Worte sagen kann.

Wann es das erste Wort spricht , entscheidet Ihr Baby selbst. Die Hälfte der Kinder ist mit einem Jahr so weit, einige erst mit 20 Monaten.

Der Wortschatz wächst in Schüben. Wenn er 20 bis 50 Wörter umfasst (irgendwann zwischen 15 und 40 Monaten), kommen Zwei-Wort-Sätze. Nun kann das Kind auch von Handlungen und abwesenden Dingen erzählen, sowie Wünsche und Absichten äußern.

Im dritten Jahr nimmt die räumliche Orientierung zu. Das Kind bekommt auch eine Vorstellung von Mengen, Farben und Zusammenhängen. Es fragt „Warum?“ und meint oft „Wozu?“. Gegen Ende des dritten Lebensjahres sprechen die meisten Kinder in vollständigen, richtigen Sätzen. Kleine Ausspracheschwierigkeiten sind normal. Wenn Sie sich Sorgen machen, fragen Sie einen Kinderarzt, eine Kinderärztin oder einen Logopäden, eine Logopädin um Rat.

Eltern, die nach Österreich zugewandert sind und ihre Muttersprache/Erstsprache mitgebracht haben, stehen vor der Frage, wie sie mit der deutschen Sprache umgehen sollen. Als Sprache Ihrer neuen Heimat ist sie genauso wichtig wie die Erstsprache! Sie hilft bei der Neuorientierung und vor allem dabei, in der neuen Umgebung den Wünschen und Gefühlen Ausdruck und Stimme zu verleihen. Ihre Kinder sollen erfolgreiche Erwachsene und integrierte Mitglieder dieser Gesellschaft werden. Eltern können dabei Vorbild sein, indem sie beiden Sprachen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen und die Kinder dabei unterstützen, sich in beiden Sprachen zu Hause zu fühlen.

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, kann es jede der etwa 6000 Sprachen der Welt lernen. Es kann alle Laute unterscheiden, die in irgendeiner dieser Sprachen vorkommen. Diese Fähigkeit verliert es mit etwa sechs Monaten. Ab dann übt es nur mehr die Laute, die es in seiner Umgebung hört. Trotzdem sind Kinder noch bis ins Schulalter hinein imstande, eine zweite oder dritte Sprache innerhalb von sechs bis zwölf Monaten grammatikalisch perfekt und akzentfrei zu erlernen.

Wenn das Kind in einem Land lebt , wo nicht die Erstsprache seiner Eltern gesprochen wird, sollte es trotzdem zuerst diese Sprache lernen. Deutsch sollte nach Möglichkeit von jemandem vermittelt werden, dessen Erstsprache es ist , zum Beispiel im Kindergarten.

Durch das Lernen der deutschen Sprache verlieren Ihre Kinder nicht ihre Muttersprache und Identität! Ein zweisprachiges Kind wird sowohl Türkisch als auch Deutsch sprechen, es wird in beiden Sprachen Bücher lesen und Filme ansehen. Lassen Sie Ihre Kinder Gedanken und Gefühle in beiden Sprachen auszudrücken. Dadurch steigen Selbstvertrauen und Selbstwert, die eine wichtige Brückenfunktion im Austausch der Kulturen haben.

Tipps für Eltern

  • Sprechen Sie vom ersten Tag an mit Ihrem Baby. Plaudern Sie von Angesicht zu Angesicht, sodass das Baby Ihre Mundbewegungen beobachten kann.
  • Sagen Sie dem Baby und Kleinkind, was Sie gerade tun. Benennen Sie Dinge und zeigen Sie drauf.
  • Gebrauchen Sie Ihre Muttersprache (Erstsprache) aktiv. Sprechen Sie korrekt und flüssig.
  • Sprechen Sie oft und ausgiebig mit ihrem Kind.
  • Stellen Sie viele Fragen, die Ihr Kind beantworten kann.
  • Geben Sie dem Kind Raum und Zeit für Erzählungen und ausführliche Beschreibungen.
  • Korrigieren Sie Fehler nur, indem Sie einen Satz richtig wiederholen.
  • Erklären Sie Ihrem Kind die Bedeutung von Zwei- oder Mehrsprachigkeit.
  • Zeigen Sie dem Kind Ihre eigene Wertschätzung für verschiedene Sprachen und Kulturen.
  • Lesen Sie Bücher und lesen Sie auch Ihren Kindern Bücher vor.
  • Bauen Sie Reime und Liedchen in die alltäglichen Tätigkeiten ein.

Das sollte Ihr Kind bei Schulbeginn können…

  • Alle Laute richtig bilden (Ausnahme: wenn die Schneidezähne fehlen)
  • Fragen mit den Fragewörtern (Wozu, Warum, Wie, …) formulieren
  • Ganze Sätze mit 5 bis 8 Wörtern bilden
  • Die Wörter in den Sätzen richtig anordnen
  • Manchmal auch Nebensätze bilden
  • Die Mehrzahl richtig bilden
  • Über Vergangenes und Zukünftiges sprechen
  • Auf Fragen selbstständig antworten
  • Mit anderen Kindern kurze Gespräche führen und ihnen ein Spiel erklären
  • Seine Meinung sagen und verhandeln

Autor: Mag.a Katharina Ratheiser

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