Pubertät – (k)ein Grund zur Panik?

Zu keiner anderen Zeit in seinem Leben macht der Mensch eine vergleichbar stürmische Veränderung durch wie in der Pubertät. Überrollt von Hormonen und verwirrt durch unbekannte sexuelle Regungen spüren Jugendliche, dass ihre Kindheit vorbei ist und sie sich auf die Suche nach einer neuen Identität machen müssen. Um den Weg zum Erwachsenen-Ich freizumachen, müssen die Eltern in Frage gestellt werden. Für die Jugendlichen ist es wichtig, sich vor allem äußerlich möglichst sichtbar von ihren Eltern zu unterscheiden, was häufig seinen Ausdruck in verrückter Kleidung oder ausgeflipptem Auftreten findet.

Freunde werden wichtiger als die Eltern, Idole kommen aus der Sport-, Pop- oder Kinoszene. So manche Ansichten und Schwächen der Eltern werden unter die Lupe genommen und beinhart kritisiert. Töchter und Söhne wehren sich plötzlich gegen die Einflussnahme der Eltern, kämpfen um ihre Freiräume und sind bemüht die elterliche Autorität zu hinterfragen. Provokationen gehören scheinbar dazu: von wilden Frisuren, Piercing und Tattoos zu motzigen Sprüchen und ordinären Schimpfworten. Ein Experiment auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit?

Der Ton der pubertierenden Kinder ist für Eltern manchmal nur schwer zu ertragen. Im Regelfall ist es am besten die Attacken nicht persönlich zu nehmen. Es empfiehlt sich, nicht zu heftig zu reagieren und manche Ruppigkeit einfach zu überhören. Jugendliche müssen oft erst das richtige Gefühl für den neuen Umgang mit Erwachsenen im Allgemeinen und den Eltern im Besonderen entwickeln.

Dass Pubertierende ihre Eltern manchmal vehement angreifen, zeigt, wie tief ihre Abhängigkeit noch sitzt, sonst müssten sie ihre Autonomiebestrebungen nicht ständig durch neue Trotzattacken unter Beweis stellen – wobei die Wut weniger den Eltern als Personen gilt als vielmehr der eigenen widersprüchlichen und ungeklärten Lebenssituation.

Viele Jugendliche entdecken jetzt den Reiz des Nichtstuns und scheinen plötzlich keinerlei Interessen mehr zu haben, was gerade in einer so stark leistungsorientierten Gesellschaft wie der unsrigen häufig als Faulheit abqualifiziert wird und für die meisten Erwachsenen nur schwer auszuhalten ist. Was sich nach außen als Herumhängen dokumentiert, erfüllt aber nach innen einen sehr wichtigen Zweck: Für sich allein retten sich die Jugendlichen in die Passivität wie in eine Sicherheitszone, in der sie Schutz finden vor einem Zuviel an Anforderungen. Während sie stundenlang dösen, meistens bei dröhnender Musik, blocken sie alle Einflüsse von außen ab und gewinnen den notwendigen Spielraum, damit sie mit sich und ihren Gedanken klar kommen.

Bei allem Verständnis – Eltern sollten ihre Sprösslinge durchaus zur Erfüllung ihrer Pflichten anhalten und auf die Einhaltung von Vereinbarungen pochen. Das Zusammenleben mit Pubertierenden erfordert neue Spielregeln, aber es kann in vielen Familien durchaus recht befriedigend gestaltet werden.

Sehen Sie in der Zeit der Ablösung auch die positiven Seiten. Ihre Kinder werden selbstständig. Sie haben ihnen Ihre Wertvorstellungen vermittelt und sie gut ausgestattet für die Anforderungen des Lebens. Nützen Sie die Phase der Ablösung auch für sich selbst. Das Loslassen fällt Eltern oft gar nicht so leicht. Die Auseinandersetzung mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter sollte sich langsam verändern. Diskutieren Sie mit Ihren Kindern wie mit zukünftigen Erwachsenen und Sie werden auch eine Menge über sich selbst erfahren.

Nachstehend ein paar Tipps für Eltern im Umgang mit Pubertierenden:

  • Sprechen Sie Ihre Gefühle aus und präzisieren Sie warum bestimmte Verhaltensweisen für Sie akzeptabel sind, andere dafür unannehmbar.
  • Seien Sie bereit, Ihre Elternrolle je nach Alter und Reife des Kindes neu zu über-denken.
  • Lassen Sie Auseinandersetzungen zu. Helfen Sie Ihrem Kind mit Konflikten umzugehen. Hören Sie zu und respektieren Sie die Argumente Ihres Kindes, ohne sie abzuwerten. Sie machen es dadurch den Jugendlichen leichter, einen anderen Standpunkt zu akzeptieren.
  • Bleiben Sie berechenbar, Ihre Kinder sollen wissen, woran sie sind.
  • Lassen Sie die Beziehung zu Ihrem Kind nicht abbrechen. Selbst bei scheinbar unüberwindlichen Kontroversen sollten Eltern sich nicht auf Dauer gekränkt zurückziehen. Egal, wie alt es ist, das Kind braucht Eltern, mit denen es sich streiten und wieder versöhnen kann.

Wenn es einmal besonders bunt hergeht, bieten PsychologInnen der MAG ELF die Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Autor: Dr. Astrid Klein, Klinische- und Gesundheitspsychologin

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