Prüfungsangst

Wozu soll Angst gut sein?
Angst ist nicht einfach eine lästige Laune der Natur, sondern hat durchaus ihre berechtigten und hilfreichen Seiten. Aufregung und Angst aktivieren, machen munter und helfen, sich in Situationen mit erhöhten Anforderungen erfolgreich zu verhalten – solange sie nicht im Übermaß das Denken und Handeln einschränken. Völlig cool in Prüfungssituationen zu gehen, wäre genauso ungünstig wie ein Zuviel an Angst – es kommt auf das richtige Maß an Aktivierung an.

Ich kann das nicht!
Erhöhte Prüfungsangst deutet darauf hin, dass ein Ungleichgewicht zwischen den gestellten Leistungsanforderungen und den subjektiv erlebten Bewältigungsmöglichkeiten vorhanden ist. Oft stecken Zweifel an der eigenen Leistung und ein geringes Selbstwertgefühl hinter der Angst. Leistung wird in unserer Gesellschaft sehr hoch bewertet, daher kann es leicht passieren, dass bei Kindern der Eindruck entsteht, sie seien nur etwas wert und liebenswert, wenn sie gute Noten vorweisen können. Dieser hohe Anspruch und die damit steigende Angst zu versagen, bilden häufig nach und nach einen Teufelskreis, der gute Leistungen und eine sinnvolle Art, sich auf Prüfungssituationen vorzubereiten, schwierig macht.

Immer dreht sich alles ums Lernen!
Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine erfolgreiche Zukunft und betrachten eine gute Berufsausbildung zu Recht als wichtige Voraussetzung dafür. Schule und gute Noten geraten jedoch leicht zu sehr in den Mittelpunkt des Interesses und der Gespräche zu Hause. Für die meisten Kinder bedeutet Schule nicht automatisch auch eine Reihe von Erfolgserlebnissen. Wenn Schule mit der Möglichkeit Misserfolge zu erfahren verbunden ist und als Thema zu Hause sehr große Bedeutung hat, kann das für Kinder sehr belastend und frustrierend sein. Wie Heranwachsende gelegentliche Misserfolge, die nun einmal zum Leben und zum Lernen dazugehören, bewältigen, ist sehr unterschiedlich. Ein starkes Selbstvertrauen und das Gefühl als ganzer Mensch (nicht nur auf schulische Leistungsfähigkeit reduziert) wahrgenommen und von Herzen geliebt zu werden, trägt mit Sicherheit dazu bei, Misserfolge zu verkraften, ohne übermäßige Angst vor künftigen Aufgaben zu entwickeln. Für die meisten Eltern ist es völlig selbstverständlich, dass sie ihr Kind über alles lieben, egal welche Noten es hat. Trotzdem kann das Kind oder der Jugendliche subjektiv etwas anderes empfinden und wahrnehmen.

Ich schaff´ das!
Selbstvertrauen kann man in vielen Bereichen gewinnen, z.B. in dem man gern Sport betreibt, kreativ gestaltet, schön musiziert, gut kocht, sich mit Blumen, Computer, Tieren, Flugzeugen auskennt usw. Oft sind es die scheinbar nebensächlichen Beschäftigungen, die große Freude bereiten und die, so sie auch von der Umgebung wahrgenommen und geschätzt werden, Kinder „wachsen“ und sich als tüchtig erleben lassen. Lob und Aufmerksamkeit der Eltern sind Kindern besonders wichtig, auch wenn sie das oft geschickt zu verbergen wissen. Eltern sollten daher häufig Lob aussprechen, wenn das Kind echte Leistung zeigt – Situationen im Alltag finden sich dafür sicher leicht. Tätigkeiten unabhängig von Lernsituationen, die Lob verdienen, können z. B. Hilfe im Haushalt, faires Verhalten in einer Konfliktsituation, Verlässlichkeit bei Abmachungen, das Versorgen des Haustieres oder Ähnliches sein. Wichtig ist nur, dass es echt gemeintes Lob ist, sonst ist es nicht glaubhaft. Diese erlebte Anerkennung und Tüchtigkeit übertragen Kinder und Jugendliche auch auf schulische Leistungssituationen. Sie erwarten dann mit der Zeit häufiger erfolgreich zu sein als nicht erfolgreich und führen Ausrutscher eher auf Pech als auf eigene Unfähigkeit zurück.

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