Pflanzen statt Pillen

Zweifelsohne hat die Entdeckung von Antibiotika, wie dem Penicillin Anfang des 20. Jahrhunderts, die Medizin revolutioniert. Heute sind Antibiotika ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unserer Apothekenregale und leisten wertvolle Dienste für unsere Gesundheit. Ihre selbstverständliche Verfügbarkeit hat aber auch ihre Schattenseiten: Chemisch-synthetisch hergestellte Antibiotika werden leider oft viel zu leichtfertig verabreicht – mitunter bei viral bedingten Infekten, bei denen sie völlig wirkungslos sind. Antibiotika bekämpfen ja ausschließlich Bakterien. Die Folge: Nebenwirkungen wie eine gestörte Darmflora, Pilzinfektionen oder Allergien. Darüber hinaus verzeichnen Mediziner eine immer höhere Anzahl an Resistenzen, die wiederum die Entstehung multiresistenter Keime begünstigen.

Zurück zur Natur
„Eine Alternative bieten Antibiotika aus der Natur“, so Kräuterexpertin Liesel Malm, die gemeinsam mit ihrer Tochter Margret Möbus das Buch „Antibiotische Heilpflanzen“ (siehe Kasten) verfasst hat. „Die Wirkstoffe, auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt, sind natürlichen Ursprungs und wurden von den Pflanzen im Laufe der Evolution über Millionen Jahre zur Selbstverteidigung gegen Krankheiten und Fressfeinde ausgebildet. Sie können relativ gezielt auch gegen bestimmte menschliche Erkrankungen eingesetzt werden.“ Daran hat man sich wohl wieder erinnert: Seit einigen Jahren besinnt man sich nämlich wieder auf Pflanzenprodukte, über deren Wirkung bereits die alten Ägypter, Griechen oder Römer Schriften verfasst haben. Zum Glück, denn dieses Wissen ist mit dem Aufkommen der industriellen Pharmazie immer mehr aus dem Blickfeld geraten. „Hier ist die Zunft der Apotheker lobend zu erwähnen, da sie sich seit vielen Jahren wieder den Naturheilmitteln widmen und biologische Naturarzneien als Extrakte, Pflanzenpulver, Tees oder Tinkturen anbieten“, freut sich Malm. Und ergänzt: „Heute gibt es schon viele medizinische Studien, die die Wirkung der natürlichen Antibiotika bestätigen, aber leider wurde seit der Industrialisierung im 20. Jahrhundert die Erforschung der Heilpflanzen fast völlig eingestellt oder zumindest nicht mehr publiziert, sodass das Potenzial der Pflanzenstoffe erst zu einem kleinen Teil wissenschaftlich erforscht ist.“

Gut verträgliche Pflanzen
„Die meisten natürlichen Antibiotika haben fast keine schädlichen Nebenwirkungen, führen nicht zu Abhängigkeiten oder Resistenzen. Zudem sind Überdosierungen kaum möglich“, erläutert Malm. Bei Atemwegserkrankungen, Bronchitis oder Asthma haben sich beispielsweise Pflanzen wie Aloe vera, Andorn, Pfefferminze, Rosmarin oder Süßholz bewährt. „Wer an Harnwegsinfektionen leidet, greift am besten auf Präparate aus der Bärentraube, auf Birkenblätter-Tee oder Echtes Eisenkraut zurück“, so Malm. Auch die Wirkstoffe der Preiselbeere bzw. der Cranberry tun hier gute Dienste. Pilzinfektionen wie dem Candida-Scheidenpilz oder Herpes behandelt man mit Gewürznelken, Kapuzinerkresse oder Olivenblättern. Und das sehr erfolgreich, denn: Die klinischen Symptome einer Scheideninfektion können nicht immer einem bestimmten Erregerstamm zugeordnet werden. Häufig kommt es zu Mischinfektionen mit Beteiligung mehrerer Übeltäter, wie beispielsweise Bakterien und Pilzen. Antibiotische Heilpflanzen verfügen über ein breites Wirkungsspektrum und sind in der Lage, Beschwerden wie Juckreiz oder Ausfluss zu lindern. Wichtig: Nehmen Sie unterschiedliche Pflanzen nicht gleichzeitig ein, da die darin enthaltenen Stoffe ihre Wirkung gegenseitig verstärken oder neutralisieren können. Kleinkinder, Schwangere oder Allergiker sollten zurückhaltend sein, da auch die natürlichen Pflanzenstoffe Reaktionen wie Atemnot oder Hautreizungen auslösen können. Im Zweifelsfall ist es empfehlenswert, den Rat eines erfahrenen Arztes einzuholen. Das gilt auch für Menschen, die regelmäßig bestimmte Medikamente einnehmen; schließlich kann es andernfalls zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Und diese sollten ja tunlichst vermieden werden!

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