Partnerschaft nach der Geburt

Bleiben wir gleich bei Letzterem: Wie steht es um die Sexualität nach der Geburt? Diese Gedanken beschäftigen zwar viele, doch können selbst Psychologen keine eindeutige Antwort geben. Das Thema Sexualität – so die Theorie – gehört zu den intimsten partnerschaftlichen Mustern. Partner wissen über ihre sexuellen Wünsche am besten Bescheid. Mitunter vergessen sie darüber zu sprechen. Sexualität entwickelt sich permanent, und ein Lebensereignis wie die Geburt verändert sie nachhaltig: Zu den bereits vertrauten Rollen kommen für beide Partner neue hinzu. Aus dem Bekannten, Freund oder Ehemann wird plötzlich ein Vater, aus der Freundin, Partnerin oder Ehefrau wird eine Mutter. Die beschriebene Veränderung hat durchaus spannende Aspekte, die das Sexualleben neu fordern! Eine befriedigende Sexualität baut Stress ab und ist eng mit einer glücklichen Elternschaft verbunden. Sexualität, wenn sie als intimstes partnerschaftliches Muster verstanden und akzeptiert wird, kann also eine Menge!

Wozu brauchen wir überhaupt Muster? Wir benötigen sie zur Orientierung. Muster erzeugen Stabilität, die mit der Zeit eine partnerschaftliche Basis bilden. Durch ein Baby wird diese Basis ganz neu belastet. Das Bilden einer neuen Grundlage, oder: der Weg von der Partnerschaft zur Elternschaft, verläuft keineswegs ohne Unruhe oder Reibereien. Vor der Geburt war es selbstverständlich gewesen den Freund pünktlich zu treffen oder einfach zu tun „was man gerne mag“. Danach müssen häufig liebgewordene Gewohnheiten aufgegeben werden. Partner reagieren unterschiedlich auf Veränderung, der eine stellt sich schneller um, der andere braucht mehr Zeit.

Neben dem Blick auf die Muster, schauen Psychologen auch gerne auf die Frage: Was löst ein Baby bei den einzelnen Partnern aus? Genauer:

  1. Was passiert zwischen der Mutter und dem Baby?
  2. Was löst das Baby beim Vater aus?
  3. Was bei den Eltern?

Es handelt sich um drei Beziehungsebenen. Gerade kurz nach der Geburt ist es spannend Antworten auf diese drei Fragen zu suchen. Meistens streift man dabei Lebensfragen. Eine Geburt beinhaltet ja schließlich auch, dass sich Lebensfragen bei den Partner neu stellen bzw. bereits bestehende Meinungen hinterfragt werden. Die Interessen der Partner können kollidieren und Missverständnisse auftauchen. Immer wenn Lebensfragen diskutiert werden, können Gefühle der Unsicherheit oder Druck entstehen. In diesen Situationen hilft es, sich vorerst als Familie ernsthaft auseinander zu setzen, einander wertzuschätzen und Neues auszuprobieren. Voreilige Diskussionen mit Freunden, Kollegen und Familienmitgliedern können nämlich zusätzliche Schwierigkeiten bringen. Der Wunsch nach Konsens d.h. es allen recht machen zu wollen, führt nicht selten in eine Sackgasse. Bei all den Diskussionen, die durch ein Baby ausgelöst werden, sollte man darauf achten, dass die Paarbeziehung nicht zu kurz kommt. Das „Zu-kurz-kommen“ ist am Anfang gar nicht immer so leicht zu erkennen. Bleiben Sie aufmerksam!

Betrachten wir in diesem Zusammenhang die drei oben angeführten Beziehungsebenen genauer: Die Beziehung zwischen Mutter und Baby neigt zur Dichte, es gibt Mütter, die sich nicht von ihrem Kind trennen können (1. Beziehungsebene). Bei Vätern entsteht oft das Gefühl der Eifersucht auf das Kind (2. Beziehungsebene). Babys zeigen ihren Eltern, dass es neben mehr oder weniger steuerbaren Abfolgen, auch Unvorhergesehenes gibt. Sie zwingen sie über ihre eigenen Lebenskonzepte nachzudenken und diese durch Neues, sehr Lebendiges, anzureichern (3. Beziehungsebene).

In der Regel sind Eltern durchaus im Stande sich auf die neue Lebenssituation nach der Geburt einzustellen. Es kann jedoch vorkommen, dass die Änderung stockt, dann ist eine neutrale Außensicht, etwa durch einen Psychologen, hilfreich.

Autor: Dr. Matthias Herzog

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