Papa, ich brauche dich

„Ich habe immer davon geträumt, mit Thomas Fußball zu spielen. In meinen inneren Bildern sah ich uns gemeinsam in Bewegung in der Natur. Als mein Sohn nach seinem Unfall im Rollstuhl saß, fiel ich aus allen Wolken,“ erzählt Markus.

Mehr als Mütter definieren sich Väter über Tätigkeiten, die sie mit ihren Kindern ausüben. Fußball spielen, einen Radausflug machen, ein Baumhaus bauen, angeln gehen, all das sind innere Bilder, die Vätern in den Sinn kommen, wenn sie sich ihre Zukunft mit ihren Kindern vorstellen.

Zum Kontaktaufbau mit ihren Kindern brauchen Väter stärker als Mütter Aktivitäten mit ihrem Kind, um Gemeinsamkeit zu erleben, um sich miteinander gut zu fühlen. Manche Väter sind dabei sehr erfinderisch, andere wieder lassen sich dabei helfen.

„Einmal im Monat begleite ich Thomas zur Ergotherapie. Seine Ergotherapeutin kennt seine Ressourcen sehr genau. Darauf aufbauend findet sie immer wieder neue Spiele, diedie Bewegungsmöglichkeiten von Thomas verbessern und ihm riesigen Spaß machen. Oft kann ich die eine oder andere Spielidee übernehmen, ich muss nicht alles selbst erfinden. Auf Erfahrungen aus meinem Leben kann ich nicht zurückgreifen. Ich hatte noch nie mit einem Menschen zu tun, der nicht gehen konnte. An diesem Ergotherapie-Tag komme ich erst um 10 Uhr ins Büro und bleibe dafür abends länger. Die von Aktivität erfüllte Zeit mit meinem Sohn erlebe ich als sehr hilfreich. Thomas genießt es sichtlich, mir zu zeigen, was er alles kann,“ berichtet Markus.

In Familien mit Kindern mit Behinderung übernehmen die Väter in einem überdurchschnittlichen Ausmaß die finanzielle Versorgung (mit all ihren Vor- und Nachteilen). Väter erleben ihre Berufstätigkeit häufig als Fels in der Brandung,wenn familiäre Herausforderungen das  Leben erschweren. Es kommt vor, dass sichVäter in ihre Arbeit stürzen, um dem belastenden Familienleben zu entfliehen, manchmal zum Leidwesen der Frauen und auch der Kinder. Die richtige Balance zwischen Beruf, Familie, Partnerschaft und eigenen Bedürfnissen wird hier zum zentralen Thema. Wichtiger, als wie viel Zeit sie zusammen verbringen, ist, darauf zu achten, wie Sie diese Zeit mit Ihrer Familie verbringen. Wenn es Ihnen gelingt, diese Zeit mit ganzem Herzen zu genießen und mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei Ihrer Familie zu sein, kommt es nicht so sehr auf das Ausmaß der Stunden an.

Manche Frauen trauen ihren Männern nicht zu, sich gut um ihre Kinder kümmern zu können. Viele schöne Erfahrungsberichte belegen das Gegenteil. Manchmal ist es ein mühsamer Weg, Neues auszuprobieren, aber er lohnt sich immer. Lassen Sie sich nicht von Zweifeln entmutigen. Väter, denen es gelingt, einen passenden Ausgleich zwischen Berufstätigkeit und einer aktiven Vater- und Partnerrolle zu finden, beschreiben diese neue Lebensgestaltung als zutiefst befriedigend und bereichernd. Jede Familie ist gefragt, ihr ganz individuelles Zeitmanagement zu finden.

Dr. Kurt Kallenbach, Professor an der Universität Hamburg, hat sich eingehend mit dem Thema Väter behinderter Kinder beschäftigt. Er prägt den Begriff der „neuen Väterlichkeit“ und kommt zu dem Schluss, dass gelebte Vaterschaft eine echte Bereicherung des Lebens mit ganz eigenen Qualitäten und Sinngebungen mit sich bringt.

Buchtipps:
1. Väter behinderter Kinder von Kurt Kallenbach (Hrsg.), Verlag selbstbestimmtes Leben
2. Aussergewöhnlich: Väterglück von Conny Wenk, Paranus Verlag

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