Ohrfeigen sind ungesundes Obst

Liebe Eltern, wenn Sie als Kinder hin und wieder eine Ohrfeige bekommen haben, würde ich Sie gerne zu einer Gedankenreise in Ihre Vergangenheit einladen! Erinnern Sie sich daran wie Sie sich damals gefühlt haben. Waren es gute Gefühle, die nach so einem Erziehungsakt in Ihnen aufstiegen oder empfanden Sie neben dem Schmerz nicht auch noch Scham, Angst, Ohnmacht, hilflose Wut, Ablehnung und Verzweiflung? Das Gefühl von den Eltern nicht mehr geliebt zu werden, ist für Kinder nicht leicht zu ertragen.

Auch wenn Sie heute trotz alledem Ihr Leben erfolgreich meistern und selbst Kinder haben, die Sie manchmal bis an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit fordern, sollten Sie mit der Tradition des Schlagens brechen. Wie wollen Sie Ihrem Kind je begreiflich machen, dass Sie es nur deshalb körperlich züchtigen, weil Sie es lieben? „Es ist ja nur ein Klaps, das tut ihm gar nicht richtig weh“, erklärte mir erst unlängst eine Mutter und übersah dabei ganz, dass ihr Junior erst drei Jahre alt war! Mit drei einen Klaps, mit fünf mehrere Ohrfeigen mit zehn Prügel – wie soll es später weiter gehen?

Kinder, die für „Vergehen“ geschlagen werden, gewinnen dadurch keine Einsicht in ihrer „Tat“. Im Gegenteil: Schläge verhindern das Nachdenken und behindern die Gewissensbildung, sie zerstören das Selbstbewusstsein und vergiften und lähmen das Miteinander! Mit Schlägen formt man allenfalls angepasste, duckmäuserische und stille, keinesfalls aber mündige und selbständige Kinder.

Ich-Botschaften statt Regeln
Eltern haben legitime Bedürfnisse und Wünsche an Kinder. Sie sollen diese Ihren Kindern auch im Alltag vermitteln. Das geschieht am leichtesten mit sogenannten Ich-Botschaften. „Ich fühle mich gestört, wenn du so laut schreist, bitte sei leiser oder geh in dein Zimmer!“ Solche Botschaften enthalten keine Vorwürfe und Abwertungen, sondern weisen nur darauf hin, dass auch Eltern Rechte im Zusammenleben mit ihren Kindern haben.

Konsequenzen erlebbar machen
Kinder sollen die logischen Folgen ihres Tuns erfahren, dafür braucht es keine Strafen. Kaputte Spielsachen werden z.B. nicht mehr ersetzt und sind daher unbrauchbar, Hausaufgaben, die nicht gemacht werden, führen zu Konflikten mit der Lehrkraft, Wäsche, die nicht im Wäschekorb landet, wird nicht gewaschen. Viele Konflikte im Alltag lassen sich so ganz einfach lösen!

Positives Verhalten verstärken
Ein Verhalten für das Kinder positive Zuwendung bekommen, werden sie eher wiederholen, als eines für das sie Ablehnung erfahren. Beobachtet man den Alltag zwischen Eltern und Kindern fällt auf, dass Kinder viel häufiger kritisiert als gelobt werden. Die alltäglichen Verhaltensweisen der Kinder, ihre kleinen Lernschritte sollten immer wieder auch mit Anerkennung seitens der Erwachsenen quittiert werden.

Machtkämpfe
Es geht nicht darum, den Willen des Kindes zu brechen, Eltern die ihre Kinder „besiegen“ verlieren in der Folge oft die gute Beziehung zu ihm. Misstrauen, Furcht erzeugen Widerstand und Trotz – ein Kampf, bei dem es nur Verlierer geben kann. Wenn sich Eltern immer nur auf Grund ihrer Stärke durchsetzen, wird in der Vorstellung des Kindes der Wert der Macht immer mehr steigen. Häufig gehen Kinder, die zu Hause sehr unterdrückt werden, sehr roh mit ihren Spielgefährten um und demonstrieren so ihrerseits ihre Macht an Schwächeren. Ein Teufelskreis, der nicht leicht zu durchbrechen ist.

Sinnvolle Regeln sollen für alle Familienmitglieder gelten
Es ist für Kinder schwer nachzuvollziehen, warum sie bestraft werden, wenn sie die Unwahrheit sagen und Papa und Mama einen lockeren Umgang mit der Wahrheit pflegen. Was Erwachsene dürfen, dürfen Kinder noch lange nicht, aber dürfen Erwachsene wirklich alles, was Kinder nicht dürfen? Es lohnt sich darüber einmal nachzudenken.

Eltern sollen zu ihren Kindern stehen
Es ist nicht immer leicht, richtig zu reagieren, wenn sich Kinder in der Öffentlichkeit schlecht benehmen und ihre Eltern blamieren. Die Umwelt spart da nicht mit Kritik und so manche Mutter kann sich im Supermarkt anhören, dass sie völlig versagt hat, denn dem tobenden Kind gehörten einfach nur ein paar Ohrfeigen und das Problem wäre sofort gelöst. Lassen Sie sich in einem solchen Fall zu keiner Kurzschlusshandlung hinreißen. Stehen Sie zu Ihrem Kind und versuchen Sie nicht solchen unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, indem Sie das Kind für Ihre eigene Unsicherheit bestrafen.

Eltern, die einerseits relativ ehrlich mit sich und ihren Gefühlen umgehen, andererseits berücksichtigen, dass sie unendlich viel mächtiger sind als ihre Sprösslinge und diese Macht freiwillig begrenzen, werden weniger Probleme haben. Sie müssen ihren Kindern daher auch keine ungesunden Ohrfeigen verabreichen.

Autor: Dr. Belinda Mikosz, Klinische- und Gesundheitspsychologin

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