Ohne Risiko keine Entwicklung

Zu viel Alkohol? Stunts mit dem Skateboard? Ein „Lover“ aus der Straßengang? Was für Erwachsene unverständlicher jugendlicher Leichtsinn ist, gehört zum Leben der Zwölf- bis 20-Jährigen dazu. „Das Risiko zu suchen, ist Teil dieser Lebensphase. Grenzen zu erkennen, indem man sie überschreitet“, sagt Mag.a Manuela Hofer vom Verein Bahnfrei. Das bestätigt auch Dr. Artur Schroers, Leiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien: „Wir leben in einer durchrationalisierten Welt, Jugendliche müssen funktionieren und haben viele Entwicklungsaufgaben. Daraus entsteht der Wunsch auszusteigen, Grenzen zu erleben. Einerseits wollen sie erwachsen werden, andererseits sich von den Eltern abgrenzen.“

Mädchen riskieren anders. Wie das Risiko aussehen kann, weiß Manuela Hofer aus der Praxis: „Das kann der Umgang mit gefährlichen Substanzen sein, ein sportliches Risiko, zu schnelles Fahren, Internet-Glücksspiel oder Konsumrausch.“ Wobei es Unterschiede gibt: „Bei Mädchen ist das Risikoverhalten eher nach innen gerichtet. Es geht z. B. ums Essverhalten oder um ,riskante‘ Beziehungsmuster. Aggressives Verhalten, Substanzkonsum zeigen: Burschen suchen oft die Konfrontation nach außen“, sagt Schroers. Bei der Mehrheit klingt das „Problemverhalten“ mit 19 bis 20 Jahren wieder ab.

Pass auf dich auf! Damit das Risiko kalkulierbar bleibt, setzen ExpertInnen auf zwei Dinge: „Ein Ansatz aus der Suchtprävention lautet: Lebenskompetenzen stärken, Jugendliche so weit festigen, dass sie auch Nein sagen können. Zweitens können sie lernen, Risiko kontrolliert einzugehen“, so Schroers. Darauf setzt auch Manuela Hofer: „Wir vermitteln den Jugendlichen, dass wir nicht wollen, dass sie aufhören, das Risiko zu suchen. Sie sollen sich stattdessen überlegen, warum sie was tun, und reflektieren, ob es das wirklich ,gebracht‘ hat. Wir zeigen Handlungsmöglichkeiten auf. Das hilft, Risiko-Kompetenz zu entwickeln und einen Bereich zu finden, der weder für sie noch für andere schädlich ist.“ Für Eltern gilt: Nicht moralisieren. Lieber zuhören, Alternativen aufzeigen und Vorbild sein.

www.gemeinsam-gegen-gewalt.at
www.bahnfrei.at, www.drogenhilfe.at

„Mädchen richten das Risikoverhalten eher nach innen, Burschen nach außen – ihnen geht es um Imageaufbau.“
Dr. Artur Schroers, Leiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien

Autor: Isolde Seidl

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