Ohne Liebe kann ich nicht sein!

Als wir Barbara Karlich anrufen, um über Gesundheit, Stress und Liebe zu plaudern, ist sie gerade im Auto unterwegs. Am Ende unseres Gesprächs ist sie in der Redaktion der „Barbara Karlich Show“ angekommen. Man hört Lachen im Hintergrund, Karlich lacht gleich mit. Dann muss sie aber mit dem Gespräch aufhören. Schließlich wird schon wieder fleißig an der nächsten Ausgabe ihrer ORF- Talkshow gearbeitet. Und auf jene wollen die Österreicher seit 13 (!) Jahren auf keinen Fall verzichten.

13 Jahre Talkgeschichte. Das Interview ist beinahe schon symbolisch für alles, wofür „die Karlich“ steht: Bewegung, Lebensfreude, Offenheit, Humor, Bestimmtheit, Vertrautheit, auch ein bisserl Verrücktheit. Immer auf dem Sprung, dem Leben mit offenen Armen begegnen, alles ausprobieren, dabei nie die Freude verlieren. Dieser Mix macht Barbara Karlich zu einer der besten – und beliebtesten – Moderatorinnen Österreichs. Die „Barbara Karlich Show“ startete am 27. Oktober 1999 mit dem Titel „Jeder verdient eine zweite Chance“. In den darauffolgenden Jahren gab’s so durchmischte Themen wie „Ich bin gerne Feministin“, „Ich kann verzeihen, aber nicht vergessen“, „Schutzengel! Heute beweise ich, dass es sie gibt!“ oder auch „Reif und sexy – nach mir dreht sich jeder um!“. 39 Heiratsanträge wurden vor laufender Kamera bereits gemacht, sogar ein Kamel war als Studiogast mal mit dabei. Bei der Karlich gibt’s nix, was es nicht gibt.

Volksbildend. Im Jänner feierte die Show ihre 2.500. Folge – und das Publikum hat immer noch nicht genug. Karlich ist zur besten Freundin geworden, die man nachmittags einlädt und die während der Kaffeejause auch über Themen diskutiert, über die man normalerweise nur hinter vorgehaltener Hand spricht.  Weshalb Paartherapeutin Isabella Woldrich, die immer wieder als Expertin in der Sendung fungiert, die „Barbara Karlich Show“ als „volksbildend“ bezeichnet. Stimmt: Nirgendwo sonst lernt man Österreich so gut kennen wie in der Karlich-Show. Schließlich war hier, laut „Wiener Zeitung“, schon jeder 40. Österreicher zu Gast. Ein Ende ist nicht in Sicht – denn die Themen und vor allem die Lust am Reden sind der Gastgeberin noch lange nicht ausgegangen, wie sie im GESÜNDER LEBEN-Talk bestätigt.

GESÜNDER LEBEN: Über welche Themen talken Sie selbst eigentlich am liebsten?
Barbara Karlich: Über jedes. Ganz besonders über den Zugang der Menschen zum Glauben, den Gegensatz von tiefer Religiosität und Atheismus beispielsweise. Aber auch über Gesundheit, Lifestyle, Lebensphilosophien und natürlich die Liebe. Schön, wenn zwei Welten aufeinanderprallen und plötzlich in die jeweils andere eintauchen wollen. Aber natürlich kupple ich auch gerne, weil ich finde, dass es jeder verdient hat, geliebt zu werden und seinen Lebensmenschen zu finden.
 
GL: 13 Jahre „Barbara Karlich Show“ – was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Karlich: Meine Offenheit und Direktheit, vor allem der Überraschungsmoment. Ich stelle Fragen, mit denen man nicht unbedingt rechnet, und kriege dann auch Antworten, die mitunter neu sind. Scheint, als wäre ich unberechenbar. Außerdem sind mir Tabus fremd. Weshalb ich auch kein Problem damit habe, für eine gute Verdauung Werbung zu machen (lacht).

GL: Themenwechsel: Sind Sie ein sportlicher Typ?
Karlich: Ich habe einen großen, bequemen Schweinehund in mir – aber Gott sei Dank einen begeisterungsfähigen, den man leicht zu Sport überreden kann. Die Palette reicht von Walking über den Hometrainer zu Hause bis zum Fitnesscenter. Ich habe zudem einen Personal Trainer, der mich mindestens zweimal die Woche quält! (lacht) Auch Pilates mache ich sehr gerne. Vor Kurzem habe ich wieder mit dem Tanzen begonnen – das ist übrigens jener Sport, der mir am meisten Spaß macht. (Karlich nahm 2006 an der ORF-Tanzshow „Dancing Stars“ teil; Anm. d. Red.)

GL: Ist Tanzen für Sie Flucht vor dem Alltag?
Karlich: Nein. Mein Alltag ist so schön, dass ich vor ihm nicht flüchten muss.

GL: Der Großteil der Österreicher bewegt sich zu wenig …
Karlich: Sport und Bewegung sind absolut notwendig, für jeden Menschen! Jedoch gibt es mittlerweile so viel Angebot, dass man auch überfordert wird. Es entsteht ein negativer Drang zum Sportlich-Sein, dem sich viele Menschen entweder widersetzen oder diesem Drang nachgeben, ohne eigentlich wirklich Freude am Sport zu haben. Nach dem Motto: „Mach ich halt auch was.“ Das hat zur Folge, dass sich viele Menschen falsch bewegen, sich beim Sport verletzen und dann die Freude daran verlieren. Ein gutes Beispiel: Man schreibt sich im Jänner im Fitnesscenter ein, spätestens zu Ostern geht man gar nicht mehr hin. Die zwei wichtigsten Faktoren beim Sport sind Spaß und Konsequenz. Nur dann lohnt sich‘s.

GL: Das Problem ist oft die Zeit …
Karlich: Stimmt. Ich sehe es an mir selbst: Neben Job, Familie, Freizeit und Freunden bleibt nicht mehr viel übrig. Freizeitstress ist tatsächlich ein Problem, das ich kenne: Ich denke jeden Tag voller Liebe an meine Freunde, möchte mich auch mit ihnen treffen – aber meist finde ich nicht mal die Zeit zum Telefonieren. Das Wichtigste in meinem Leben ist mein Kind (Tochter Gloria ist 5 Jahre alt; Anm. d. Red.), für das ich mir natürlich so viel Zeit wie möglich nehme. Deshalb versuchen wir alles zu verbinden: Wir treffen Familie und Freunde mit den Kindern in der freien Natur oder ich lade alle zu uns nach Hause ein, und dann tollen wir alle wild rum… Das ist ja auch Bewegung.

GL: Wie gehen Sie mit Alltagsstress um?
Karlich: Ganz ehrlich: Das wüsste ich auch gerne! Stress ist für mich wirklich etwas Furchtbares und ein Problem. Sehr gut abschalten kann ich, wenn ich mit Gloria Zeit verbringe. In diesen Momenten weiß ich: Alles andere ist unwichtig. Und: Putzen ist für mich absolut entspannend. Ordnung zu schaffen, sauber zu machen – all das beruhigt mich. Auch wenn die Wohnung nachher nicht aufgeräumter ist als vorher! (lacht) Aber was echt am besten entspannt, bleibt nach wie vor: schlafen!

GL: Wie schaut es bei Ihnen mit gesunder Ernährung aus?
Karlich: Sehr gut! Natürlich gibt es auch Tage oder Events, an denen man nicht nur an der Karotte knabbert. Ich beschäftige mich schon sehr lange mit gesunder Ernährung und kaufe nur Bio-Lebensmittel – aber auch hier sehr bewusst! Gloria kriegt ihr Bio-Henderl, ich esse kein Fleisch mehr, aber beide lieben wir Fisch: Bio-Saibling oder Alpenforelle! Auch Obst, Gemüse, Joghurt und Nüsse gibt’s bei uns am Speiseplan, Gott sei Dank mag Gloria das alles gerne! Sie kriegt aber auch ihre Schokolade, wenn sie mag. Und dass Bio-Produkte nicht leistbar sind, ist Blödsinn. Denn eine Fertigpizza und ein Sackerl Chips sind oft teurer – vor allem langfristig gesehen! Abgesehen davon:  Wir müssen umdenken, nicht erst seit dem Pferdefleischskandal. Fleisch muss nicht jeden Tag auf den Teller, den Respekt vor den Tieren sollten wir wieder hervorholen. Wenn man wie früher das Tier selber erlegen müsste, dann würden wir Fleisch wieder als etwas Besonderes schätzen und nicht bedenkenlos reinstopfen.  

GL: Kochen Sie gerne?
Karlich: Ich koche, aber nicht gerne! Gloria ist jedoch ein Genusskind und meistens mit meinen Kreationen, abgesehen von den Lachsnudeln, nicht sehr glücklich. Am liebsten isst sie alles, was die Oma und der Papi kochen. Neulich aber meinte sie, dass ihre Mami den besten Tee der Welt kocht. Immerhin etwas!

GL: Sind Sie, wie Gloria, auch ein Genussmensch?
Karlich: Genau darum geht es: mit Genuss essen. Anstatt kiloweise Schokolade zu futtern, genieße ich bewusst ein Stück Praline oder drei Löffelchen Mousse au Chocolat. Ein Gedicht! Das habe ich früher nicht gemacht, heute aber aus meinen Fehlern gelernt. Abgesehen vom Essen: Ja, ich bin eine Genießerin. In wirklich allen Lebensbereichen!

GL: Wie definieren Sie Liebe?
Karlich: Liebe ist die stärkste Macht im Leben. Ohne Liebe kann ich nicht sein!

 

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen