Noch traurig oder schon depressiv? Noch Ausprobieren oder schon Sucht?

Bei vier von fünf Jugendlichen verläuft die Pubertät unspektakulär. Dennoch sehen fast alle Eltern in dieser Zeit eher die Gefahren als die Chancen. Ganz oben auf der Liste der Elternsorgen stehen Sucht (neben Drogen auch Internet- und Spielsucht), Essstörungen, Selbstverletzung, Depression und Selbstmordgefahr.

Nichts davon passiert von einem Tag auf den anderen: Wer sein Kind gut kennt, öfter etwas mit ihm unternimmt und regelmäßig ins Gespräch kommt, der hat es leichter, die ersten Anzeichen zu sehen und rechtzeitig einzugreifen. Allerdings sind jene Jugendlichen, für die ein guter Kontakt mit den Eltern selbstverständlich ist, ohnehin am wenigsten gefährdet. Die Wertschätzung, die ihnen ihr nächstes Umfeld entgegenbringt, lässt ihr gesundes Selbstwertgefühl wachsen und immunisiert sie gegen Abhängigkeiten.

Dennoch sind nicht die Eltern oder die Erziehung schuld, wenn Jugendliche in ein Suchtverhalten kippen oder depressiv werden. Schlechtes Gewissen, Vertuschen und Schönreden sind daher fehl am Platz. Bei echten Problemen sprechen Sie Ihr Kind an: „Du wirkst in letzter Zeit so anders auf mich. Ich frage mich, wie es dir geht.“ Hilft das nichts, suchen Sie professionelle Unterstützung bei Kinderärzten, Psychotherapeutinnen, Suchtberatungsstellen. Grundsätzlich ist es besser, einmal zu oft zum Arzt zu gehen, als einmal zu selten.

Jenni trägt trotz Frühlingswetter immer langärmelige Kleidung. Einmal rutscht der Pullover hinauf und ihre Mutter bemerkt dünne rote Striche auf Jennis Unterarm. Alex zieht sich immer mehr zurück und nascht große Mengen Süßes. Trotzdem nimmt er nicht zu. „Es hat keinen Sinn mehr zu lernen, ich bin ohnehin nicht mehr lang da“, murmelt Mara, als ihr Vater sie Französisch-Vokabel abfragen möchte.

All dies sind Signale, bei denen die Eltern aufmerksam werden sollten, aber nicht in Panik geraten. Bei Jenni dürfte selbstverletzendes Verhalten („Ritzen“) vorliegen. Nicht wenige Jugendliche bauen damit Stress, Spannung und Angst ab. Dahinter steckt immer eine Ursache, die es zu beheben gilt: mangelndes Selbstwertgefühl oder die Unfähigkeit, sich auf andere Weise Erleichterung und Beruhigung zu verschaffen.

Alex könnte eine Essstörung entwickeln – das ist keineswegs ein reines Mädchenproblem. Bulimie (Ess-Brech-Sucht) ist gekennzeichnet durch Heißhungeranfälle, bei denen große Mengen Nahrung in kurzer Zeit gegessen werden, mit anschließendem absichtlichem Erbrechen. Magersucht (Anorexie) ist eine bewusste, übertriebene Gewichtsabnahme. Essstörungen können Zeichen des Protestes, der Verweigerung des Erwachsenwerdens oder einer Depression sein. Sie entstehen bei geringem Selbstwertgefühl und werden durch Schlankheitswahn und widersprüchliche Geschlechterrollen verstärkt.

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