No Future Zum Thema Suizidalität und Krisen

Da wir in einer Gesellschaft leben, die einem raschen Wandel unterliegt, wo kulturelle, politische und ökonomische Umbrüche permanent stattfinden, sich Biografien unterschiedlich entwickeln und immer mehr bisher als zutreffend angesehene Werte ihre Gültigkeit verlieren, erfordert das „Projekt Jugend“ zunehmend die Fähigkeit, sich in einem Wertepluralismus auf unsicherem Boden zu orientieren und seinen Weg zu finden. Während sich frühere Generationen weitaus stärker an den Werten ihrer Eltern orientieren konnten, wird jungen Menschen zunehmend „biografisches Selbstmanagement“ abverlangt, man spricht mitunter von „Bastelexistenzen“ und „Patchworkidentitäten“, da Heranwachsende heute ihren „Wertecocktail“, der für sie sinn- und orientierungsgebend ist, selbst „mixen“ müssen und nicht mehr auf vorgefertigte „Wertepakete“ zurückgreifen können, wie dies vielleicht einst der Fall war. Die Ressource „Sinn“ erfordert einen hohen Eigenanteil an Such-, Experimentier- und Veränderungsbereitschaft, der von vielen als Freiheit empfunden wird, der manche aber auch phasenweise überfordert und in Krisen stürzt, die im schlimmsten Fall bis zum Suizid führen können.

Unter einem Suizid versteht man eine absichtliche Handlung, die zum Tod führt und die vom Betroffenen mit dem Bewusstsein der Endgültigkeit dieses Entschlusses durchgeführt wird. Unterschieden wird der Suizid vom Suizidversuch bzw. der „parasuizidalen Handlung“, einer Handlung mit nichttödlichem Ausgang, die ohne Eingreifen von dritter Seite eine Selbstschädigung bewirken würde und die zum Ziel hat, durch die aktuellen oder erwarteten Konsequenzen eine Veränderung zu bewirken. Eine weitere Kategorie ist die der Suizidgedanken, bei der ein Suizid als eine von mehreren möglichen Handlungsalternativen in Erwägung gezogen wird.

Während Suizide bis zum Alter von zehn Jahren äußerst selten vorkommen, handelt es sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hierbei – nach Verkehrsunfällen – um die zweithäufigste Todesursache. In der Altersgruppe der 10- bis 14-jährigen männlichen Jugendlichen begehen von 100.000 Personen statistisch ca. 1,5 Personen einen Suizid, bei den weiblichen Jugendlichen der gleichen Altersgruppe ca. 0,5 Personen. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen erhöht sich die Rate bei den männlichen Jugendlichen auf ca. 8,5, bei den weiblichen Jugendlichen auf ca. 2,5 von 100.000 Personen. Wobei allerdings die Suizidversuchsraten bei den Mädchen deutlich höher liegen als bei den Burschen.

Um vieles höher als die Suizid- und Suizidversuchsraten liegt die Zahl jener Jugendlicher, die in Befragungen angeben Suizidgedanken zu haben oder bereits gehabt zu haben. So berichten in Studien über 10 % der befragten Jugendlichen von Suizidideen. Damit wird deutlich, dass vom Erwägen bis zur ausgeführten Handlung ein langer Entscheidungsweg zurückgelegt wird, auf dem viele andere Möglichkeiten, die Situation zu verändern, ebenfalls mitbedacht und glücklicher Weise auch bevorzugt werden.

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