Nimm dir mal Zeit für Sex!

Wir leben in einer schnelllebigen und lauten Zeit – das macht sich gerade zu Weihnachten, eigentlich die stillste Zeit des Jahres, bemerkbar: Wir eilen von Geschäft zu Geschäft, und sind mit den Gedanken überall, nur nicht im Hier und Jetzt. Heißt: Wir genießen den Augenblick nicht, sind unfähig, die Schönheiten dieser Jahreszeit (den Duft von Keksen, den Schein der Weihnachtsbeleuchtung) zu genießen. Es wäre gut, gerade in der Adventszeit etwas zu entschleunigen.

Slow Sex. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn der Alltag bleibt hektisch. Es ist ratsam, die Langsamkeit (oder besser: die Bewusstheit) Stück für Stück in sein eigenes Leben zu lassen – und am besten fängt man mit der schönsten Nebensache der Welt an: dem Sex. Denn wir haben Sex genau so, wie wir leben: schnell, hektisch, unbewusst. Wir haben zu viele Klischees, zu viele standardisierte Bilder und Regeln, nach denen der Sex abzulaufen hat, im Kopf. Die Folge: Immer mehr Menschen sind mit ihrem Sexualleben unzufrieden. Genau daran möchte Diana Richardson etwas ändern. Die Sexualtherapeutin und Bestsellerautorin („Zeit für …“-Reihe) ist überzeugt: „Viele Probleme in der Gesellschaft kommen daher, dass wir sexuell unbefriedigt sind und nicht genug Liebe verspüren.“ Sie plädiert für Slow Sex, also für Entschleunigung, für mehr Bewusstsein beim Sex.  So entsteht, ähnlich wie bei Yoga oder der Meditation, mehr Raum für Gefühle und Harmonie …

GESÜNDER LEBEN: Welche Idee steckt hinter Slow Sex?
Diana Richardson: Bei Slow Sex geht es um Bewusstheit und Achtsamkeit während des Sex. Auch in anderen Bereichen des Lebens – etwa beim Fahrradfahren, Autofahren oder beim Erlernen eines Musikinstruments – ist es wichtig, dass wir voll bei der Sache sind. Bei Sex sollte es genauso sein.

GL: Wie kann man sich Slow Sex konkret vorstellen?
Richardson: Bewusst im Moment zu leben entschleunigt automatisch. In der Langsamkeit wird man wie von selbst sensitiver und findet seine Mitte. Plötzlich spürt man eine innere Lebendigkeit. Die Intelligenz, die in einem ist, wird nicht kontrolliert oder in bestimmte Richtungen gedrängt, sondern mit dem Körper zusammengeführt.

GL: Abgesehen von Bewusstheit – was braucht es für Slow Sex noch?
Richardson: Nichts. Es geht nicht darum, „was“ du tust, sondern „wie“ du es tust.  

GL: Sie empfehlen Slow Sex gerade Pärchen, die schon länger zusammen sind …
Richardson: Als erstes: Ich empfehle, bei jeder Art von Sex bewusst im Moment zu leben. Slow Sex kann allerdings Pärchen helfen, ihre sexuelle Verbindung wieder zu finden, neu zum Leben zu erwecken. Es ist Fakt, dass lüsterner, wilder Sex nach einiger Zeit vergeht – das ist ganz normal. Irgendwann kühlt die Sexualität ab. Beim „konventionellen“ Sex wird diese Abkühlung allerdings als Problem gesehen, weil man glaubt, keine Alternative zu haben. Deshalb wird oft geraten, das Sexleben „aufzupeppen“. Will man die Leidenschaft allerdings ernsthaft neu entfachen, ist Entspannung und Bewusstheit der einzige Weg – nur so sind wir imstande, die liebevollen und vereinenden Effekte von Sex zu spüren.

GL: Haben wir überhaupt Zeit für stundenlangen Sex?
Richardson: Genau das ist der Punkt! Wir nehmen uns nicht genügend Zeit für Sex. Das sollte uns eigentlich verwundern, da wir am Tag sehr oft an Sex denken. Wieso, beispielsweise, verzichten wir nicht mal aufs Kino oder Fernsehen und nehmen uns stattdessen drei Stunden Zeit für Sex? Sex hat schließlich einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Glücklichsein!

GL: Manchen Menschen fällt es schwer, sich dem Moment hinzugeben …
Richardson: Wichtig ist, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und ihn nicht wie eine Maschine zu verwenden. Das heißt, wir müssen mehr auf unseren Körper achten, im Alltag genauso wie beim Sex. Anstatt immer und immer wieder über Probleme nachzudenken, ist es besser, den Körper in Einklang zu bringen, sprich: des öfteren tief ein- und ausatmen, sich selbst tief drin zu spüren, die Verspannungen im Kiefer, in den Schultern, im Bauch zu lösen. Dadurch werden die Sinne geschärft und erweitert. Anstatt die Aufmerksamkeit nach außen zu richten, richtet man sie nach innen. Das tut der Gesundheit sehr gut.

GL: Welche Rolle spielt der Orgasmus bei Slow Sex?
Richardson: Bei Slow Sex hat man die Wahl zwischen Orgasmus oder Nicht-Orgasmus. Der Orgasmus steht nicht im Mittelpunkt wie beim „konventionellen“ Sex. Männer verspüren nach der Ejakulation oftmals ein Gefühl der Leere, fühlen sich der Partnerin nicht mehr verbunden oder verlieren kurzzeitig sogar das Interesse an ihr. Frauen fühlen sich danach oftmals einsam oder traurig. Es kann also sehr faszinierend und stimulierend sein, die Energie im Körper zu halten. So kann ein Gefühl von positiver männlicher Autorität entstehen.

GL: Etwas sonderbar klingt, dass bei Slow Sex eine Erektion nicht unbedingt erforderlich ist…
Richardson: Es ist auch möglich, den Penis ohne Erektion in die Vagina einzuführen. Der Druck, immer eine Erektion haben zu müssen, löst beim Mann oftmals Angst und Stress aus. Und auch bei der Frau, die das Gefühl bekommt, dem Mann auf irgendeine Art und Weise „helfen“ zu müssen. Wenn man aber weiß, wie Penetration auch mit einem schlaffen Penis funktioniert, fällt dieser Leistungsdruck sofort weg. Oder man liegt einfach nur da und spürt die Verbindung zwischen den Genitalien. Manchmal entsteht dadurch eine tiefe, energetische Verbindung zwischen Penis und Vagina, wodurch der Penis steif wird. Diese Art von Erektion entsteht nicht durch Stimulation, sondern durch pure Bewusstheit des Moments.

GL: Können auch Quickies Menschen glücklich machen?
Richardson: Was Menschen wirklich glücklich macht, ist Liebe. Wenn wir ehrlich sind, sind konventionelle Quickies nicht wirklich ein sehr liebevoller oder bewusster Akt. Es ist eher so, dass wir bei Quickies unsere Körper gegenseitig benutzen, um etwas Bestimmtes zu bekommen.

dvdDiana Richardsons DVD „Slow Sex“ ist im Handel um ca. € 17,99 erhältlich.

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