Nicht wegschauen bei Gewalt und Mobbing

Sandra fühlt sich in ihrer Klasse nicht mehr wohl. Ihre Freundin Mia ist nun in Annas Clique. Sobald sich Sandra nähert, beginnen die Mädchen zu tuscheln. Dr.in Petra Gradinger, Psychologin an der Universität Wien: „Ein typischer Fall von Mobbing unter Mädchen. Während Buben vor direkten Angriffen wie zuschlagen nicht zurückschrecken, zeigen Mädchen oft soziale Gewalt.“ Mobbing ist eine Form von Gewalt. Es findet über längere Zeit statt, die TäterInnen wollen ihre Opfer bewusst schädigen und es besteht ein Machtungleichgewicht. Eine internationale Vergleichsstudie der WHO zeigt, dass Mobbing unter Jugendlichen in Österreich weit verbreitet ist. Gradinger sieht mehrere Gründe: „Neben der individuellen Ebene – den Täterinnen bzw. Tätern fehlt es an Empathie und Verantwortungsübernahme – spielen das soziale Umfeld wie die Familie, Bekannte, Schule und die Gesellschaft eine Rolle.“ Wichtig ist, dass LehrerInnen und Eltern den Kindern vermitteln: Gewalt ist kein akzeptiertes Vorgehen. Zudem laufen an Kindergärten und Schulen Präventionsprogamme wie „faustlos“.

Jugendliche brauchen Vorbilder. Mangelndes Selbstbewusstsein ortet DSA Bernd Kühbauer, Leiter des Bereichs Jugendarbeit und Prävention in der Männerberatung Wien, als Ursache für Übergriffe. „Gewalt zieht sich durch alle sozialen Schichten. Die Burschen verfügen oft über keine Handlungsalternativen. In der Familie wird Gewalt mit Sätzen wie ,Lass dir nichts gefallen‘ legitimiert, dazu haben sie wenig Zuneigung erfahren. Sie fühlen sich schnell provoziert und haben Angst vor Gesichtsverlust.“ Manchen ist nicht bewusst, dass sie selbst provozieren. Beispiel: Ein Jugendlicher lässt in der U-Bahn das Chips-Sackerl fallen. Die Aufsicht spricht ihn an. Statt sich zu entschuldigen, reagiert er aggressiv – und bekommt eine Strafe. Bei Trainings lernen gefährdete Jugendliche, aus solchen Situationen ohne Aggression herauszukommen. Wichtig sind außerdem positive Vorbilder wie eine Lehrerin oder ein Sport-Trainer.

www.gemeinsam-gegen-gewalt.at
www.maenner.at/jugendarbeit

„Gewalt unter Jugendlichen hat es immer gegeben. Neu ist im Zeitalter von Handy und Internet Cybermobbing.“
Dr.in Petra Gradinger, Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien

Autor: Martina Stehrer

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