Neuer Partner – neues Glück

Kennen Sie das? Eben haben Sie schmerzvoll eine alte Liebe zu Ende gebracht und irgendwann ist ein neuer Partner der Träume aufgetaucht. Jetzt soll alles anders werden als in der ersten Beziehung, doch schon bald stellt sich heraus, dass die alten Muster stärker sind als Ihr Wille, sie zu durchbrechen. Oder das? In Ihrer Ehe herrscht Aneinandervorbeileben, Streit oder tote Hose. Wenn Sie Glück haben, wollen Sie beide einen Neuanfang machen und sind voll der guten Vorsätze, doch es ist wie verflixt: Die alten Normen lassen sich nicht so mir nichts dir nichts wegwischen, und neue zu finden ist schwer.

Wenn Sie sich in einer dieser Beschreibungen wiederfinden, sollten Sie den Empfehlungen der US-amerikanischen Paartherapeuten Doug und Naomi Moseley Beachtung schenken. Die beiden haben in jahrelanger Arbeit mit Betroffenen ein in der Praxis erprobtes Konzept erarbeitet, das allem Anschein nach funktioniert – und zwar für alle, die gerade eine neue Partnerschaft eingegangen sind, oder den schmerzlichen Prozess einer Trennung kennen und es beim nächsten Mal besser machen wollen, sowie natürlich auch alle beziehungserprobten Partner, die mehr über Paardynamik wissen wollen.

Nach der ersten Romantik
Doug und Naomi Moseley sind beide zum zweiten Mal verheiratet und haben selbst erfolgreich angewendet, was sie ihren Klienten in der Paarberatung empfehlen. Tatsächlich gibt es, wie Doug Moseley sagt, typische Schwierigkeiten und Probleme neuer Partnerschaften. „Die zweiten – und dritten und vierten – Beziehungen scheitern meist aus demselben Grund, aus dem auch die erste gescheitert ist. Wenn eine Beziehung endet, erforschen die Partner nicht, welchen Anteil sie selbst daran haben und versäumen somit, an einer der Hauptursachen zu arbeiten: sich selbst.“ Tatsächlich ist es ja – wir wissen es alle – immer leichter, dem anderen die Verantwortung zuzuschieben. „Doch so“, sagt Moseley, „bauen sich in der nächsten Partnerschaft, wenn die romantische Phase vorbei ist, wieder die gleichen Blockaden auf, die einem engen Verhältnis im Wege stehen.“ Und: „Die einzigen Blockaden, die wir wirklich verändern können, sind die in uns selbst.

Das Gesetz der Anziehung
Leichter gesagt als getan: Denn ein Kardinalfehler, den fast alle Beziehungsgeschädigten machen, droht schon vor dem Beginn einer neuen Liebe, und das ist das trotzige Vorhaben „Diesmal suche ich mir einen ganz anderen Partner!“ Nach Moseleys Gesetz der Anziehung fühlen wir uns aber immer von Partnern angezogen, die uns in puncto emotionaler Reife in etwa ebenbürtig sind. Mit dem „ganz anders“ wird es also in den meisten Fällen nichts werden. Die Moseleys sehen das aber zugleich als ideale Voraussetzung für die persönliche Reifung an. „Das Gesetz erlaubt eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn wir den aufrichtigen Wunsch haben, nicht noch einmal dieselben Fehler in der Liebe zu machen, können – und müssen – wir uns selbst ändern.

Lernen Sie sich kennen
Das bedeutet, dass zunächst einmal die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu entdecken und zum Ausdruck zu bringen sind. Versuchen Sie also, Ihre wichtigsten Bedürfnisse in einer Beziehung abzuklären und festzuhalten, welche zwei oder drei Dinge Sie unbedingt von Ihrem Partner brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein. Klären Sie dann, was Sie brauchen, um Kraft zu tanken, und welche konkreten Schritte Ihr Partner unternehmen kann, um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Das mag einfach klingen, doch den meisten Menschen fällt Derartiges erfahrungsgemäß schwer. Aber: Wenn Sie es nicht tun, kommen Sie garantiert in das Dilemma, dass Ihr Partner Sie irgendwann fragt, ob er Ihnen die Wünsche von den Augen ablesen soll und – es vor allem nicht kann.

Zeigen Sie Gefühl
Gefühle äußern, Gefühle äußern und noch einmal Gefühle äußern. Das ist das Grundkonzept der erfolgreichen Paartherapeuten für eine glückliche und erfüllte Liebe. Doch so einfach das klingt, so schwierig ist es in der Realität. Wir alle haben gelernt, in erster Linie als Kopfmenschen zu handeln, und sind von vielen Gefühlen abgeschnitten. Doch keine Panik: Gefühlsbewusstsein kann (wieder) erlernt werden. Der zweite Schlüssel zu einer erfolgreichen Beziehung ist die persönliche Verantwortung. „Die Partner müssen bereit sein, regelmäßig in die Beziehung zu investieren“, sagt Naomi Moseley, und: „Die eigene Person sollte oberste Priorität haben. Als nächstes kommt die Partnerschaft, dann Familie und Freunde. Dann erst die Arbeit.“

Probleme mit „dem Ex“
Weit davon entfernt, Patentrezepte auszustellen, konzedieren die Moseleys gewissen Beziehungskonstellationen ein besonderes Schwierigkeitspotenzial. Dazu gehören zum Beispiel Patchworkfamilien mit ihren unsichtbaren Fesseln an den Ex-Partner, dem härtesten Job der Welt – der Stiefelternschaft, und nicht zuletzt den damit oft verbundenen komplexen Geldangelegenheiten. Auch hier gilt an erster Stelle: Gefühle zeigen, reden, diskutieren und angesichts der oftmaligen Crux der Sache auch Vereinbarungen daraus ableiten und sich daran halten.

Denn vergangene Beziehungen spielen immer auch in der gegenwärtigen eine Rolle und bringen ihre Probleme mit sich. Doug Moseley: „Jeder problematische Themenbereich einer Partnerschaft, der nicht geklärt wurde, kann in der nächsten Beziehung wieder auftreten. Das betrifft Bereiche wie Herkunftsfamilie, Macht und Kontrolle, Geld, Sexualität oder nicht verarbeitete Erlebnisse aus der Vergangenheit. Jedes nicht verarbeitete Gefühl setzt sich in anderen Beziehungen fort.“

Buch oder Therapie?
Ihre Erfahrungen aus der Paartherapie haben die Moseleys in einem soeben erschienen Buch zusammengefasst. Denn so Naomi Moseley: „Bücher können helfen, wenn sich die Probleme noch nicht festgefahren haben und die Partner dem anderen gegenüber aufgeschlossen sind.“ Aber so einfach ist es nicht immer. Manchmal braucht es mehrere gescheiterte Beziehungen mit immer denselben Verhaltensmustern und Problemen. Moseley: „In solchen Fällen empfehlen wir therapeutische Hilfe, um tiefer in die Gefühlswelt und Selbstwahrnehmung der Paare einzusteigen und an die Wurzeln zu kommen, die das Verhalten verursachen. Fehlschläge tun weh, aber sie helfen uns auch, aufzuwachen.“

Buchtipp:
Neuer Partner – neues Glück, So gelingt ihre nächste Beziehung, von Doug und Naomi Moseley, Klett -Cotta, €16,90.

In 7 Schritten zum neuen Glück

  1. Setzen Sie sich das Ziel, alles über Gefühle zu lernen, was Sie können, und halten Sie sich an diesen Entschluss.
  2. Fragen Sie sich regelmäßig, ob Sie sich gerade im Kopf oder im Bauch, im Denken oder im fühlen bewegen. Wenn Sie sich Ihres Körpers gewahr sind, sind Sie präsenter. fragen Sie sich, was in Ihrem Körper vorgeht. Was spüren Sie? Nehmen Sie sich die Zeit, um die Aufmerksamkeit nach innen zu richten und es herauszufinden. Geben Sie sich Raum für Unvollkommenheiten und seien Sie nachsichtig mit sich, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt. Schließlich versuchen Sie gerade, eine ganz neue Fähigkeit zu erlernen.
  3. Konzentrieren Sie sich darauf, Ich-Aussagen zu machen, die Ihre eigenen Gefühle beschreiben. Achten Sie darauf, dass Sie Begriffe wählen, die tatsächlich ein Gefühl zum Ausdruck bringen, bevor Sie zu weiteren Erklärungen ansetzen.
  4. Seien Sie auf der hut. Wenn Sie etwas vorbringen wie „ich habe das Gefühl, dass …“ oder „Ich habe das Gefühl, du …“ sollten Sie innehalten. Sie sind nicht mehr bei Ihren Gefühlen, und es ist auch äußerst unwahrscheinlich, dass eines der folgenden Worte irgendetwas damit zu tun hat. Sie sind in Ihrem Kopf. Gehen Sie zurück und sehen Sie nach, ob Sie ein echtes Gefühl in sich finden, das Sie zum Ausdruck bringen können. Wenn Sie diesen Schritt überspringen, war die ganze mühe umsonst.
  5. Fragen Sie Ihren Partner (wenn er oder sie bereit ist, Sie bei dieser Erforschung zu begleiten) nach seinen oder Ihren Gefühlen. Beobachten Sie, ob Ihr Partner ein Gefühl oder eine Intellektualisierung zum Ausdruck bringt. Ermitteln Sie Ihre eigene Reaktion auf die bekundeten Gefühle, anstatt die Gefühle, die der andere äußert, zu analysieren.
  6. Haben Sie Geduld. möglicherweise gelingt es Ihnen und Ihrem Partner nicht sofort, Ihre Gefühle genau zu lokalisieren, sondern erst einige Zeit später. Wenn Sie es immer wieder ausdauernd probieren, wird sich die Verzögerungszeit verkürzen.
  7. Wenn Sie erst einige Zeit nach dem gemeinsamen Versuch erkennen, was Sie empfunden haben, sollten Sie sich trotzdem bemühen, diese Erkenntnis in Worte zu fassen, auch wenn der Moment vorüber ist. Das hilft Ihnen, die Erkenntnis zu verankern und verkürzt die künftige Reaktionszeit.

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