Neue Therapie für MS-Patienten

Wolfgang S. dachte sich zunächst nicht viel, als er Probleme beim Gehen bemerkte. „Mein linkes Bein wirkte nach einer gewissen körperlichen Anstrengung wie Gartenarbeit etwas schwächer als das rechte, ich humpelte deshalb leicht. Aber ich maß dem Ganzen zuerst nicht viel Bedeutung bei“, erinnert sich der Wiener an den Sommer 2017. Als die Symptome sich jedoch nicht besserten, suchte der 52-Jährige einen Arzt auf – und hielt kurze Zeit später die Diagnose in Händen: primär progrediente multiple Sklerose (PPMS), die seltenste Form der chronisch-entzündlichen ZNS-Erkrankung. Während ein Großteil der Patienten an der schubförmig remittierenden MS (RRMS) leidet, ist rund jeder Zehnte bis Fünfzehnte von PPMS betroffen – und damit von einer Erkrankung, die schleichend beginnt und kontinuierlich schlechter wird. „Gerade das führt auch dazu, dass die Patienten erst spät einen Neurologen aufsuchen“, erklärt Dr. Assunta Dal-Bianco. „Dieser langsame, kontinuierlich schlechter werdende Verlauf, das typische PPMS-Merkmal, ist pathophysiologisch bedingt durch die chronisch niederschwellige Entzündung mit Freisetzung von Sauerstoffradikalen, Eisenansammlungen, Schädigungen der Mitochondrien (Energielieferanten) etc. meist hinter intakter Blut-Hirn-Schranke“, erläutert die Neurologin der Medizinischen Universität Wien. Ebenso typisch für die progrediente MS sind lymphfollikelartige Konvolute, die der Hirnrinde aufliegen und durch die Freisetzung entzündungsfördernder Substanzen zur Entmarkung der Hirnrinde führen. „Diese sogenannten kortikalen Entzündungsherde können sich im Alltag als kognitive Defizite wie verlangsamte Informationsverarbeitung, Aufmerksamkeitsdefizit, reduzierte Konzentration und Merkfähigkeit, Müdigkeit (Fatigue) etc. zeigen“, erklärt die Neurologin. Die Langzeitfolge dieses entzündlichen, neurodegenerativen Prozesses: Das Hirnvolumen nimmt stetig ab. Noch ist nicht bekannt, wodurch die Krankheit ausgelöst wird. „Es ist jedenfalls wie so oft ein multifaktorielles Zusammenspiel aus Genetik, Umwelteinflüssen und immunologischen Faktoren“, so Dal-Bianco.

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