Netze knüpfen

Picknick im Freien: Susanna kommt mit ihrem 7 Wochen alten Söhnchen und trifft drei Freundinnen. Gemeinsam versorgen sie sechs Kinder. Die kleinste ist Astrid, die seit 5 Wochen auf der Welt ist. Moritz ist der älteste und mit seinen 3 Jahren schon ein richtig „Großer“. Die vier Mütter parken ihren Kinderwagenpark unter einem Baum, breiten die Decken am Gras aus und machen es sich bequem. Es gibt Essen und Trinken für Groß und Klein. Rundum kosten die Großen von den mitgebrachten Speisen. Die drei jüngsten werden abwechselnd gestillt. Gerda, deren Kleine gerade schläft, passt vorübergehend auf Astrid auf, deren Mama schnell einmal aufs WC musste. Die Kinder spielen miteinander, und die Mütter plaudern. Eine Idylle? Ja, und außerdem noch eine effiziente Form der Arbeitsteilung. Anstatt jeweils alleine zu Hause zu sitzen, haben sich diese Mütter zusammengetan, reden über ihre Fragen, Sorgen und Freuden und teilen ihre Arbeit.

Die Vorstellung, dass eine Mutter ganz alleine für ihr Kind da ist, ist in den Industrienationen eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. So wichtig die Eltern für das Baby nach wie vor sind, auch in Europa waren Großfamilien, Ammen und Kindermädchen an der Tagesordnung. Untersuchungen bei verschiedenen Naturvölkern haben gezeigt, dass dort Mütter ca. 60% des Tages mit ihrem Kind verbringen. Im Klartext heißt das, dass sich 8 Stunden pro Tag jemand anderer als die Mutter um das Kind kümmert. Das sind die Geschwister, Tanten, Vater und Großeltern, Onkels, Verwandte, Freunde und Bekannte.
Menschenkinder sind so komplexe Wesen, dass es ihnen gut tut, mit verschiedenen Menschen und deren unterschiedlichen Eigenschaften Kontakt zu haben. Babys brauchen zwar die Sicherheit von Vater und Mutter, aber je älter sie werden, umso interessanter werden auch andere Personen. Nicht umsonst sagt ein afrikanisches Sprichwort: Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf. Zögern Sie also nicht, Unterstützungsnetze zu knüpfen und zu pflegen, Sie tun sich und Ihrem Kind etwas Gutes damit!

Großeltern sind, wenn sie nah genug leben und genügend Zeit haben, sehr geeignete Bezugspersonen für Ihr Kind. Sie lieben es wie ihr eigenes, haben meist selbst den etwas langsameren Rhythmus des Kindes – und sie bieten Verlässlichkeit. Oft beleben Kinder aber auch die Kontakte zur Nachbarschaft und völlig neue Interessengemeinschaften entstehen. In Pfarren, Gemeinden und Eltern-Kind- Zentren werden gerne Eltern-Kind-Treffen oder Spielgruppen angeboten. Greifen Sie zu, wenn sich eine Möglichkeit bietet, Ihre Kinderbetreuung gemeinsam mit anderen Eltern zu organisieren. Kinder stellen zwar Ihr Leben auf den Kopf, sind aber kein Grund für einen Rückzug in die eigenen vier Wände.

Tipps für Eltern

  • Denken Sie in Sachen Beziehungen auch an sich selbst. Schon um sich nicht isoliert zu fühlen, brauchen Sie Kontakte nach außen. Zudem haben junge Eltern bei der vielen Arbeit, die neu dazu kommt, immer wieder Hilfe nötig. Auch die Probleme, die das Eltern-Sein mit sich bringt, werden leichter, wenn man mit FreundInnen darüber sprechen oder sich „ausweinen“ kann.
  • Was immer Sie auch unternehmen, alleine, zu zweit oder in der Gruppe, lassen Sie Ihr Kind bitte nie unbeaufsichtigt. Auch wenn Sie noch so sicher sind, dass Ihr Kind jetzt ruhig schläft, gehen Sie nie weg, ohne jemanden zu haben, der nach Ihrem Kind schaut und den Ihr Kind kennt.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass frühere FreundInnen, die keine Kinder haben, Sie nicht richtig verstehen, suchen Sie neue Freundschaften zu Eltern. Eltern-Kind-Gruppen, Baby-Treffs u.ä. sind da gute Möglichkeiten.
  • Wenn Sie allein erziehend sind, ist ein stabiles Netzwerk noch wichtiger für Sie. Sprechen Sie verschiedene Menschen in Ihrer Nähe an. Sie werden überrascht sein, wie viel Hilfsbereitschaft vorhanden ist, wenn man darum bittet.
  • Die Geburt Ihres Kindes hat auch Ihre Beziehung zu den eigenen Eltern verändert. Manche frisch gebackenen Großeltern kommen nicht leicht damit zurecht, dass sie jetzt Oma und Opa geworden sind. Manchmal bietet die Erziehung viel Raum für Konflikte. Versuchen Sie zu verstehen, dass auch Ihre Eltern alles richtig machen wollen. Deren Wissen ist in der Regel einige Jahrzehnte alt. Wenn Sie mit einer Verhaltensweise der Großeltern nicht einverstanden sind, versuchen Sie mit ihnen sachlich darüber zu reden.

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