Nein, deine Puppe willst du nicht!

Peter, tausch doch die Glühbirne im Bad aus!“ Klingt  nach einer harmlosen Bitte, verändert in Summe aber das Verhalten von Kindern nachhaltig. SoziologInnen wissen: Was Eltern daheim vorleben, prägt die Rolle des Nachwuchses. Wie stark sich der rein körperliche Unterschied zwischen den Geschlechtern auswirkt, darüber herrscht unter den WissenschafterInnen Uneinigkeit. Moderne GenderforscherInnen sehen das Geschlecht als Bandbreite. Faktoren zur Geschlechtsbestimmung wie Hormonspiegel, Chromosomenanordnung, Brüste oder Bartwuchs können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und lassen Zwischenstufen zu.

Geschlecht ist erlernt

Geht man also davon aus, dass typisches Geschlechterverhalten erlernt ist, wirft das ein neues Licht auf rosa Schultaschen und Weltraumbaukästen. Schon als Kleinkind lernt der weibliche Nachwuchs, dass Kleider mit Blumen hübsch sind, Puppenspiele Spaß machen und Bücher etwas für brave Mädchen sind. Buben hingegen merken, dass sie lauter sein dürfen als die Mädels, sie fürs Burgenbauen Lob bekommen und dass das kleine Spielzeugauto fast so schön ist wie Papas. Und da kommt auch schon die Vorbildwirkung der Eltern ins Spiel. Es hat nämlich keinen Sinn, der Tochter die Puppenküche zu verbieten, wenn sie Mami jeden Tag am Herd sieht. Und Junior wird schwerlich seine Mini-Autobahn hergeben, wenn Papa am Sonntag Autorennen ansieht. Politologin Mag.a Bärbel Traunsteiner von Efeu (Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle) rät: „Eltern sollten Vorbilder sein und ihre Verhaltensmuster überdenken. Das beginnt damit, dass Mama selbstverständlich Nägel einschlägt und Papa regelmäßig die Wäsche aufhängt oder einkaufen geht.“ Außerdem rät sie beim Medienkonsum zu mehr Aufmerksamkeit. „Sprechen Sie es an, wenn Frauen bei Casting-Shows auf ihr Äußeres reduziert werden oder Bruce Willis im Alleingang die Welt rettet.“ Positive Vorbilder, geschlechtsneutrales Spielzeug und anschauliche Bücher sind Mittel, um die Frau als Ingenieurin oder den Mann als Kindergärtner „normal“ werden zu lassen.

Weniger Geld und Möglichkeiten

Aber warum ist es schlecht, wenn Frauen Krankenschwester oder Hausfrau und Männer Lokomotivführer werden? Frauen verdienen in für sie „typischen“ Jobs weniger, leisten mehr unbezahlte Reproduktionsarbeit und haben weniger Entfaltungmöglichkeiten. Skandinavische Länder sind uns in puncto Gleichberechtigung einen großen Schritt voraus. In Schweden gehen mehr als 50 Prozent der Väter in Karenz, in Island 80 Prozent. In Österreich sind nur rund fünf Prozent der Kindergeld- BezieherInnen männlich – in Wien immerhin mehr als neun Prozent. Nur wenn sich diese Aufteilung ändert, lernen Kinder, dass Mama und Papa gemeinsam sowohl für die materielle als auch für die soziale Versorgung der Familie zuständig sind, und verfallen nicht in klassische Rollenklischees, die sie in ihrer Entwicklung hemmen.

 

Autor: Christine Oberdorfer

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