Mit Schwächen leben lernen

Isabella geht eigentlich gerne in die Schule, aber sie tut sich von Beginn an schwer. Stundenlang sitzt sie bei den Hausaufgaben und scheint mit ihren Gedanken überall zu sein, nur nicht bei ihrem Heft. Anstatt 10 Sätze über den Frühling zu schreiben, beginnt sie vom Spielen mit ihren Freundinnen zu erzählen. Das Wort Frühling schreibt sie dann in jedem Satz anders – aber leider immer falsch. Und mit dem Auswendiglernen von Gedichten kann man Isabella jagen, immer rutschen ihr die einzelnen Zeilen im Kopf durcheinander. Isabella verlässt immer öfter richtiggehend der Mut für die Schule. Da Isabellas ältere Schwester nie diese Art von Schwierigkeiten in der Schule hatte, sind auch ihre Eltern am Anfang etwas ratlos. Von Freunden erfahren sie, dass es die Möglichkeit gibt, Isabella kostenlos von einer Expertin für Schulprobleme testen zu lassen. Und siehe da, tatsächlich wird Legasthenie und eine Aufmerksamkeitsschwäche bei Isabella festgestellt.

Zusätzlich kann sie sich Gehörtes etwas schlechter merken als andere Kinder. Die ganze Familie atmet auf. Jetzt steht fest, dass Isabella weder dumm noch faul ist. In manchen Bereichen arbeiten Teile ihres Gehirnes einfach nicht so gut zusammen wie bei anderen Kindern. Sie bekommt nun über ein Jahr ein gezieltes Legasthenietraining durch eine Fachkraft und lernt immer besser mit ihren Schwächen umzugehen. Die Schwäche beim Schreiben lernt sie bald durch gute mündliche Mitarbeit und bei mündlichen Prüfungen auszugleichen. Bei der Aufgabe nimmt sie sich mehr Zeit, und richtig erledigte Hausübungen gleichen manche schlechte Zensur bei den Schularbeiten aus. Auch Isabellas Eltern haben durch die gute Beratung viel gelernt und können ihre Tochter zu Hause immer besser unterstützen. Durch die gute Zusammenarbeit von Eltern und Lehrerin wird Isabella bestmöglich gefördert.

Wenn Kinder mit dem Lernen oder in der Schule Probleme haben, dann kann das verschiedenste Ursachen haben. Als Eltern sind Sie hier gefordert, die Probleme ernst zu nehmen und einen Weg zu finden, damit umzugehen. Zögern Sie auch nicht, Expert(inn)enmeinungen einzuholen. Medizin, Hirnforschung und Psychologie verfügen über viele neue Erkenntnisse, die Ihrem Kind weiterhelfen können.

Es gibt viele verschiedene Gründe für Schulprobleme:

Marko ist zu Schulbeginn in einer anderen Situation. Er freut sich auf die Schule, obwohl er erst Mitte August seinen 6. Geburtstag hatte. Er findet rasch Freunde und kommt mit dem Lernstoff schon irgendwie zurecht. Drei Wochen nach Schulbeginn ist jedoch am Morgen sein Bett immer wieder nass. Marko merkt einfach nicht, dass er in der Nacht aufs WC müsste. Er ist am Morgen selbst überrascht, und es ist ihm sehr unangenehm. Seine Eltern gehen mit ihm zur Spezialambulanz für Bettnässer. Bei den genauen Untersuchungen stellt sich heraus, dass der Hormonhaushalt – das Hormon, das die Harnmenge in der Nacht reduziert – stimmt. Organisch ist also alles in Ordnung. Auch die Lehrerin gibt grünes Licht, denn sie hat nicht den Eindruck, dass Marko überfordert ist. In der Familie gab es keine Veränderungen oder zusätzliche Belastungen. Aber es ändert sich nichts an der Situation, morgens ist das Bettzeug meistens nass. Da Marko immer unglücklicher wird, suchen die Eltern die Schulpsychologin auf. Im gemeinsamen Gespräch kommen sie zur Entscheidung, Marko doch in die Vorschule gehen zu lassen. Drei  Wochen später ist das Einnässen verschwunden. Heute ist Marko bereits in der Unterstufe des Gymnasiums und hat keine Probleme mehr.

Ronni ist in der 3. Klasse und ein mittelmäßiger Schüler. Innerhalb weniger Wochen wird er auf einmal deutlich schlechter. Er vergisst auf die Hausübungen, blickt während des Unterrichts oft verloren zum Fenster hinaus und arbeitet kaum mit. In der Pause sekkiert er zeitweise andere Kinder. Auf Ermahnungen reagiert er übertrieben trotzig oder aggressiv. Der Lehrer macht sich Sorgen und fragt die Eltern. Es stellt sich heraus, dass sich Ronnis Eltern vor vier Monaten getrennt haben. Die Mutter ist gerade damit beschäftigt, die neue Situation zu bewältigen. Sie wohnt mit Ronni in einer neuen Wohnung und muss auch immer wieder Überstunden machen, um ihren Job abzusichern. Seinen Vater sieht Ronni alle zwei Wochen. Auch nach der Trennung ist das Klima zwischen den Eltern vergiftet, und Ronni steht dazwischen. Höchstens seine Mutter fragt ihn nach der Schule, wie es ihm geht. Sein Vater hat offensichtlich andere Sorgen. In einem ausführlichen Gespräch bespricht die Mutter die aktuelle Situation mit dem Lehrer. Sie besprechen, wie eine Trennungsbegleitung sowohl die Mutter als auch Ronni entlasten könnte. Auch Kontakte mit den Horterziehungskräften sichern die nötige Unterstützung für Ronni. Ronni hat so eine Möglichkeit, diese schwierige Situation zu verdauen und gleichzeitig die Anforderungen der Schule möglichst gut zu bewältigen.

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