„Meisi“ startet neu

Sie war Gesamtweltcupsiegerin, Weltmeisterin und Olympia-Zweite. Zwanzig Jahre ihres Lebens widmete die sympathische 35-Jährige dem Skifahren. Der Ausstieg aus dem Spitzensport war für Alexandra Meissnitzer dennoch keine emotionale Talfahrt. Schon während ihrer Karriere hat die Sportlerin an neuen Projekten gebastelt und bereitete sich auf den Tag X gut vor.

„Mir war immer bewusst, dass die Sportlerkarriere sehr rasch beendet sein kann. Eine schwere Verletzung, und es ist vorbei − und so war es ja letztendlich auch bei mir. Daher wollte ich immer auch ein zweites Standbein haben.“ Neben ihrem Training machte „Meisi“ deshalb schon in jungen Jahren eine Ausbildung zur Polizistin – doch Strafzettel wird sie uns künftig wohl kaum ausstellen, das liegt Alexandra Meissnitzer fern. Sie strebt nach ganz anderen Herausforderungen. Alexandra Meissnitzer hat während ihrer aktiven Karriere erreicht, wovon andere nur träumen können – doch die ehemalige Ski- Rennläuferin zog einen Schlussstrich und stellt sich neuen Herausforderungen. Geändert hat sich für sie alles, und sie genießt jeden Augenblick. Mit ihrem Restaurant „Genussprojekt“ in der Nähe des EM-Stadions Salzburg hat sie sich bereits ein weiteres Betätigungsfeld geschaffen. Den Leistungssport sieht sie rückblickend nicht nur als Karriere, sondern auch als Lebensschule: „Da lernt man schon in frühen Jahren, dass man auf seine Kollegen Rücksicht nehmen muss. Pünktlichkeit wird von Beginn an vorausgesetzt. Und natürlich erkennt man, dass es ohne Ehrgeiz keine Erfolge gibt. Man muss dranbleiben, wenn man etwas erreichen möchte.

“Rückblickend sieht Meissnitzer in ihrer schweren Knieverletzung, die ausschlaggebend für den Ausstieg aus dem Spitzensport war, etwas Gutes: „Ich habe manchmal nur meine Ziele, den nächsten Sieg, im Auge gehabt – jetzt sehe ich viele Dinge lockerer und habe mich dadurch weiterentwickelt. Endlich bleibt mehr Zeit für andere Dinge!“

Alexandra Meissnitzer lebt …

… schlau. Apropos neue Herausforderung: Sie machten ja ein Praktikum beim ORF und möchten eine Journalistenkarriere einschlagen.
Das war für mich eine andere Welt, in die ich vier Monate hereinschnuppern konnte − sehr beeindruckend! Für die kommende Saison werde ich wieder als Co- Moderatorin bei einigen Rennen dabei sein.

… schön. Schaut man auf Ihre Internet-Seite, so fällt auf, wie klar und strukturiert sie aufgebaut ist. Spiegelt das auch Ihr Ästhetikempfinden und Ihren Charakter wider?
Ja, ich mag keinen überflüssigen Schnickschnack. Das kann man auch an meiner Einrichtung erkennen: Bei mir gibt es keine Rüschchenvorhänge und keine grellen Farben. Dieser Stil setzt sich auch in meiner Kleidung fort. Ich ziehe mich gerne hübsch an, aber meine „Lieblingsfarben“ sind schwarz und weiß.

… gut.  Neben Ihrer Skikarriere sind Sie seit drei Jahren Mitinhaberin des Lokals „Genussprojekt“. Das hört sich ja sehr verführerisch an – wie kam es denn dazu?
Es war mir immer wichtig, neben dem Skifahren auch ein zweites Standbein zu haben. Und das Lokal war genau das Richtige für mich. Es macht mir viel Spaß, und ich fühle mich dort selbst auch sehr wohl. Viele meiner Freunde sagen, ich hätte mich an dem Lokal nur beteiligt, weil ich selbst nicht gerne koche und ins „Genussprojekt“ gehe, um zu essen. Das stimmt zum Teil, denn wenn ich Freunde einlade, dann gibt es oft Raclette. Ich koche nicht gerne, aber ich esse gerne.

… gesund. Wie halten Sie sich nach Ihrer aktiven Zeit jetzt fit?
Qigong ist eine Sportart, die mich körperlich und mental fit hält. Als ich meine Sportlerkarriere beendete, wurden meine Qigong-Trainingseinheiten seltener. Doch dann habe ich gemerkt, dass mir etwas fehlt – ich war viel schneller gereizt. Mein Qigong-Lehrer meinte damals: Ja, glaubst du, dass du das nur für deinen Sport gemacht hast. Qigong ist etwas, das man für sich, für seinen Körper und seine Seele macht. Seitdem mache ich es wieder regelmäßig und merke, wie gut es mir tut.

… aktiv. Als Sportler muss man den berühmten Schweinehund ja wohl täglich überwinden. Gibt es da Tricks, die man uns „Normalsterblichen“ verraten kann?
Trick gibt es da leider keinen – und ich muss da jetzt eines verraten: Auch Leistungssportler kämpfen manchmal sehr. Aber es ist eben der Job, und man macht es, um dann beim Wettkampf eine gute Leistung erbringen zu können. Insofern ist es leichter, weil man ein Ziel vor Augen hat. Jetzt gibt es Tage, an denen ich mich auch schwer überwinden kann, Sport zu machen. Außer beim Skifahren, davon werde ich nie genug bekommen. Ich freu mich jedes Jahr, wenn ich wieder auf die Piste kann.

… bewusst.  Nach so einer beeindruckenden Sportkarriere muss man ja erst wieder eine neue Herausforderung für sich finden – gab es da Ängste vor dem Neuen?
Nein, es gibt sicher Momente, in denen ich den Rennsport vermisse – aber ich schätze mich sehr glücklich, dass ich den Sport so lange machen konnte. Doch jetzt kommt etwas Neues, und ich freue mich darauf – Angst gibt es da nicht. Ich war schon so gespannt auf das Leben danach und freue mich auf die neue Herausforderung. Ich genieße im Moment jeden Augenblick.

BIOGRAFIE
Alexandra Meissnitzer, Jahrgang 1973, absolvierte die Skihandelsschule Schladming. Bereits 1989 wurde sie zweifache österreichische Jugendmeisterin. Es folgten weitere Erfolge und der Einstieg in den internationalen Skiweltcup. 1995 gelang ihr der Sprung in die Weltklasse: Sie gewann den Super-G von Val-d’Isère – danach folgten viele Podestplätze, Silber und Bronze bei den Olympischen Winterspielen in Nagano, eine Silbermedaille bei der Ski-WM 2003. 2008 beendete sie ihre Skikarriere.

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