Meine Familie ist anders – Leben in einer Stieffamilie

Den Sonderstatus akzeptieren
Stieffamilien sind sehr komplexe Gebilde, die sich in vielerlei Hinsicht von Erstfamilien unterscheiden. Sie starten unter gänzlich anderen Voraussetzungen, haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und müssen mit einer Reihe von Herausforderungen fertig werden.
So müssen Rollen und Verhaltensmuster erst entwickelt werden und das erfordert vor allem viel Geduld und Zeit.

Die Rolle des Stiefelternteils definieren
Für das Kind bedeutet die Entscheidung eines Elternteils, eine neue Partnerschaft einzugehen, das Einfügen eines neuen Erwachsenen in die gewohnte Familie. Die geliebte Bezugsperson teilen zu müssen ist für manches Kind schwer zu akzeptieren. Es entstehen Ängste, Vater oder Mutter zu verlieren, und auch Eifersucht auf den neuen Partner, da dieser Ansprüche auf Vater/Mutter erhebt.

Deshalb ist es nötig, dass Kinder die Gelegenheit bekommen, die neuen Stiefeltern zu betrachten, zu „beschnuppern“ und allmählich kennen zu lernen. Wenn sich die Erwachsenen sicher sind, dass sie künftig zusammenbleiben wollen, sollten sie die Kinder mit ihren Absichten vertraut machen. Umstellungen, die der Einzug eines neuen Familienmitgliedes mit sich bringt, lassen sich so leichter verkraften.

Die Familienkultur gerät dennoch manchmal in ihren Regeln und Ritualen plötzlich durcheinander, oft beginnt ein Kampf um Raum, Zeit und Aufmerksamkeit. Teilen fällt Kindern leichter, wenn sie die neuen Arrangements mitgestalten können. Man könnte sie z.B. fragen, welcher Platz am Esstisch für das neue Familienmitglied vorzusehen wäre oder wo eine Möglichkeit besteht, mitgebrachte Sachen unterzubringen. Kinder, die ihre Rechte und Privilegien verteidigen und die neue Situation nicht widerstandslos akzeptieren, sollten nicht Anlass für Überbesorgnis sein, denn sie zeigen auch, dass sie sich stabil genug fühlen, um eine solche Auseinandersetzung zu wagen.

Ein Kind kann dann eine zusätzliche Elternperson akzeptieren bzw. eine gefühlsmäßige Verbundenheit zu einem Stiefelternteil entwickeln, wenn

  • die Beziehung Zeit zum wachsen hatte.
  • das Kind als eigenständiges Wesen angenommen wird und seine Interessen als wichtig akzeptiert werden.
  • sich alle Familienmitglieder dessen bewusst sind, dass der Aufbau der Beziehung zwischen „Stief“ und Kind mehrere Jahre benötigen kann.
  • sich der „Stief“ nicht als Mutter oder Vater dem Kind nähert, sondern als Partner der leiblichen Eltern und Freund des Kindes.
  • der „Stief“ bereit ist, seine eigenen Vorstellungen erst nach und nach einzubringen. Erst wenn eine Beziehung aufgebaut wurde, ist das Kind bereit, einen neuen Erzieher zu akzeptieren.
  • das Kind mitsprechen kann, welche Rolle der „Stief“ ihm gegenüber einnehmen soll.

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