„Meine, deine, unsere Schule“

Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Schulzeit? An das herrliche Gefühl, als Ihre Zeichnung als einzige aufgehängt wurde? An die Freude über die fehlerlos gelungene Ansage? An den Stolz auf ein gewonnenes Völkerballmatch? Oder überwiegen bei Ihnen die schlechten Erfahrungen? Die unfaire Benotung des Sachunterricht-Tests? Die verletzende Bemerkung einer ehemaligen Mitschülerin? Die allzu strenge Konsequenz Ihrer eigenen Volksschullehrerin? Ihre eigenen Schul-Erlebnisse haben einen ganz starken Einfluss auf Ihren Umgang mit den Schulangelegenheiten Ihres Kindes. Es macht einfach einen Unterschied, ob Sie sich sagen: „Ah ja, das kenne ich. Bei mir ist das auch sehr gut gegangen. Ich habe meiner Lehrerin viel zu verdanken, und es wird für mein Kind sicher auch eine sinnvolle und schöne Zeit werden“, oder ob bei Ihnen eher Vorsicht und Angst überwiegen; oder ob Sie glauben, darum kämpfen zu müssen, dass es Ihrem Kind besser geht, als es Ihnen damals ergangen ist. Wie auch immer Ihre Erinnerungen sind – es ist ganz wichtig, dass Sie Ihre eigenen (besonders die negativ oder ungerecht erlebten) Schulerfahrungen hinter sich lassen und Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Kind in seiner jetzigen Schulsituation richten. Ihr Kind braucht Sie als Verbündeten, um in der neuen Welt der Schule gut zurechtzukommen.

Machen Sie sich bewusst: „Die Schule ist in erster Linie die Sache meines Kindes.“ Vertrauen Sie Ihrem Kind und lassen Sie es alle Dinge selbst erledigen, die es selber machen kann. Dann wird es sicherlich ein paar Bereiche geben, wo Ihr Anstoß, manchmal auch Ihre ganz konkrete Hilfe erforderlich ist. Reden Sie mit Ihrem Kind offen darüber, was es von Ihnen bei welchem Thema benötigt. Überlassen Sie Ihrem Kind so viel Eigenverantwortung wie möglich, und geben Sie ihm gleichzeitig die Sicherheit, dass Sie immer da sind, wenn es Sie braucht. Die Mama von der Anna hat einen guten Weg gefunden: Anna kommt nach Hause und macht Hausaufgaben. Ihrer Mutter fällt auf, dass sie dabei ziemlich schmiert: „Wenn ich mir deine Hausaufgabe anschaue, dann sehe ich ziemlich viele schiefe und verschmierte Buchstaben. Ich glaube, dass deine Lehrerin damit nicht zufrieden sein wird.“ Doch Anna ist sich ganz sicher, dass das so passt: „Die Frau Lehrerin sagt immer, jeder soll so schreiben, wie er kann.“ Am nächsten Tag lautet der schriftliche Kommentar der Lehrerin: „Das kannst du besser!“ Anna ist trotzig und traurig zugleich. Ihre Mutter ermuntert Anna: „Ich glaube, die Lehrerin hat Recht. Letzte Woche habe ich in deinem Heft gesehen, dass du schöner schreiben kannst. Die Lehrerin will halt nicht, dass du dir eine Schrift angewöhnst, die dann niemand mehr lesen kann.“

Selbstverständlich ärgert man sich manchmal darüber, dass gute Ratschläge nicht angenommen werden. Schadenfreude, dass Sie Recht behalten haben, hilft Ihrem Kind aber nicht weiter, sondern schadet. Bleiben Sie bei Bedarf lieber bei Tipps, die weiterhelfen. Dann lohnt es sich für Ihr Kind, Sie immer wieder um Rat zu fragen. Sie sind in dieser Situation als Coach Ihres Kindes gefragt, der Vorschläge macht, dem Kind die Arbeit aber nicht abnimmt.

Tipps für Eltern

  • Machen Sie immer wieder etwas Lustiges und Entspannendes mit Ihrem Kind, was ihm Spaß macht. Das tut Ihrer Beziehung zum Kind einfach gut.
  • Rufen Sie sich Ihre eigenen Schulerfahrungen in Erinnerung, aber bemühen Sie sich, diese getrennt von der jetzigen Schulsituation Ihres Kindes zu sehen.
  • Interessieren Sie sich für alle Schulangelegenheiten Ihres Kindes und nicht nur für die Noten.
  • Besuchen Sie die Elternsprechtage gemeinsam oder wechseln Sie sich als Mutter und Vater jeweils ab. Für Ihr Kind ist es besser, wenn beide Eltern Bescheid wissen, was in der Schule los ist.
  • Bauen Sie im Interesse Ihrer Kinder einen entspannten und positiven Kontakt zu Schule und Lehrkräften auf.
  • Wenn Sie vom Vater/von der Mutter Ihres Kindes getrennt leben, so bemühen Sie sich um ein gutes Gesprächsklima. Denn es ist wichtig für Ihr Kind, dass beide Eltern Anteil an der schulischen Entwicklung nehmen.

Interview mit Christina Wildberger, Mutter von Moritz 6 Jahre
Was wünschen Sie sich als Mutter von den Lehrkräften?“ Ich wünsche mir, dass das Interesse und die Neugier meines Kindes mehr geschürt als lahm gelegt werden. Ich hätte auch gerne, dass mein Kind entsprechend seiner Persönlichkeit behandelt wird. Wenn Moritz herumspringt, dann hoffe ich, dass er nicht als wilder Bub abgestempelt wird, sondern dass es Möglichkeiten zum Bewegen im Unterricht gibt. Schön wäre noch, wenn er sich in der Klasse wohl fühlt. Und er soll lernen, sich seine Aufgaben selbst einzuteilen.“
Wie, glauben Sie, können Eltern ihr Kind am besten unterstützen? „Neben den praktischen Dingen, wie Schultasche, Schreibtisch zur Verfügung stellen und Aufgaben kontrollieren, möchte ich vor allem darauf schauen, am Nachmittag einen Ausgleich zur Schule zu schaffen, also mit meinem Kind z.B. auf den Spielplatz zu gehen. Die Bildung will ich außerdem nicht allein der Schule überlassen, sondern auch selbst meinem Kind die Welt erschließen, mit ihm ins Museum gehen, ihm Zusammenhänge erklären.“

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