Meine, deine, unsere Ordnung

Zerknüllte Wäschestücke bedecken Boden und Schreibtischstuhl. Auf dem ungemachten Bett liegen leere Schokoriegelpackungen neben einem Schulbuch mit Eselsohren. Das Nachtkästchen verschwindet unter Jugendzeitschriften und Stofftieren. Lottas Mutter steht in der Tür und schüttelt den Kopf. „Kannst du nicht lesen“, wird sie von ihrer 12jährigen Tochter angeschnauzt. „Nicht stören, steht draußen. Das gilt auch für den Putztrupp!“ Lottas Mutter atmet tief durch. Dann antwortet sie, „Okay, dein Zimmer ist dein Reich. Der Putztrupp bläst zum Rückzug. Halte du dich aber bitte auch an unsere Vereinbarungen! Im Wohnzimmer liegen dein iPod und zwei Bücher herum, bitte räum sie weg.“

Unordnung nervt viele Eltern. Die Jugendlichen hingegen scheinen sich bestens darin zurecht zu finden, ja geradezu darauf angewiesen zu sein. Aus einem Stapel Schmutzwäsche fischen sie mit sicherer Hand das gesuchte T-Shirt. Haben die Eltern Ordnung gemacht, finden sie jedoch nichts mehr. (Eine Ausnahme gilt für Kinder mit Wahrnehmungs- und Teilleistungsproblemen. Sie brauchen wesentlich länger Unterstützung beim Ordnungmachen als andere Kinder.)

Die äußere Unordnung ist wie ein Spiegel für die innere Unordnung im Gehirn Ihres Kindes. Dort werden soeben viele neue Verbindungen angelegt, wobei noch nicht klar ist, welche in Zukunft gebraucht werden. Der Bewohner des Jugendzimmers bemüht sich um Überblick. Dazu ist es notwendig, alle Besitztümer in Sichtweite zu haben: Weil man auch hier nicht weiß, was als nächstes gebraucht wird. Je gelassener Sie als Mutter oder Vater mit dem Thema Ordnung umgehen, desto weniger Machtkämpfe gibt es.

Lottas Mutter nimmt die flapsige Putztrupp- Bemerkung mit Humor, entlässt ihre Tochter aber nicht aus der Verantwortung gegenüber der Familie. Gemeinsam wurden nämlich einige Grundregeln vereinbart: welche Zimmer allen gehören (Wohnzimmer, Bad, Küche) und welche Bereiche „höchstpersönlich“ sind (Bett, Schreibtisch, Kleiderschrank). Während es für erstere klare Aufräum-Regeln gibt, sind letztere für den Rest der Familie jeweils tabu. Lotta weiß, dass sie ihre Sachen nicht im Wohnzimmer liegen lassen soll. Trotzdem passiert es immer wieder, dass sie erst nach mehrmaliger Aufforderung an ihre Pflichten im Haushalt denkt.

Jugendliche wollen ein interessantes Leben führen und haben für täglichen Kleinkram wie Hausarbeit nichts übrig. Haushalt ist „doof“. Wurden sie nicht von klein auf zur Mitarbeit erzogen, ist es schwierig, diese Mithilfe nun in der Pubertät einzufordern. Versuchen sollten Sie es trotzdem. Denn viele Fertigkeiten werden heute nur mehr in der Familie gelernt, etwa Kochen, Wäschepflege, usw. Diese Lernmöglichkeiten sollten Sie Töchtern ebenso wie Söhnen nicht vorenthalten.

Vorheriger ArtikelHobbys in Häppchen
Nächster ArtikelDer Rebell aus dem Kinderzimmer

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen