„Mein Ziel war es, Mama zu werden!“

Julia Cencig ist „die Neue“ – zumindest in der ORF-Hitserie „SOKO Kitzbühel“, in der sie seit Beginn dieses Jahres die resche Wiener Kommissarin Nina Pokorny gibt, die nicht nur Langzeit-Ermittlerin Kristina Sprenger ablöste, sondern auch das eine oder andere erotische Knistern in den Tiroler Alpen auslöst. Cencig selbst allerdings ist alles andere als „die Neue“, ist sie doch schon seit mehr als 10 Jahren eine Fixgröße sowohl auf den heimischen Theaterbühnen als auch in Film und TV. Auf Cencigs Erfolgsliste stehen (neben „SOKO Kitzbühel“) Serienhits wie „Medicopter 117“, „Schnell ermittelt“ oder „Lottosieger“, aber auch in von Kritik und Publikum gefeierten Filmen wie „Steirerblut“ oder „Im weißen Rössel“ lieferte die 42-jährige Kärntnerin überzeugende Darbietungen ab. Die größte Rolle von Julia Cencig ist aber jene der alleinerziehenden zweifachen Mutter: Die Schauspielerin hat zwei Töchter im Alter von 6 und 2,5 Jahren. Auch als wir Cencig am Telefon erreichen, wird sie von der Mamarolle eingeholt: „Warte, Mama muss jetzt kurz …“, hören wir zu Beginn im Hintergrund. Ein bisschen außer Atem wirkt Cencig, aber dafür umso positiver, umso offener, umso bodenständiger. Umso natürlicher. Als es schließlich ruhig im Hintergrund ist, kann das Gespräch losgehen – ein Gespräch, in dem Cencig viel lacht, sich aber auch ärgert und dann und wann nachdenklich wird. In jeder Sekunde ist sie allerdings immer eines: Mama.

GESÜNDER LEBEN: Was ist das für ein Gefühl, erst in der 14. Staffel zu solch einer erfolgreichen Serie zu stoßen?
Julia Cencig: Es ist sehr aufregend. Ich war vor Drehbeginn natürlich nervös, wusste nicht, wie es ist, wenn ich zu einer alteingesessenen Arbeitsfamilie dazustoße. Ich wurde aber sehr herzlich und mit offenen Armen empfangen. Ich hab mich vom ersten Moment an sehr wohlgefühlt.

GL: Haben Sie sich Sorgen gemacht, ob die Fans Sie annehmen werden?
Natürlich macht man sich Gedanken, egal ob es sich dabei um eine neue oder langjährige Serie handelt. Ich hab mir aber mehr Gedanken darüber gemacht, wie sich das Engagement zeitlich mit meiner Familie vereinbaren lässt.

GL: Wie bekommt man als alleinerziehende zweifache Mutter denn Job und Familie unter einen Hut?
Ich sage immer: „Großer Hut, viel Humor!“ (lacht) Man muss natürlich sehr flexibel sein. Am Ende lässt sich immer alles organisieren, und, so ehrlich muss man sein: Es ist auch eine Frage des Geldes. Natürlich braucht man viel Power und Energie, um die Organisation Beruf/Familie umzusetzen, denn Pause hat man als Mama eigentlich nie. Aber ich bin Gott sei Dank in einer Position, wo ich mir eine Nanny und mehrere Kindergärten leisten kann. Der Vorteil bei meinem Beruf ist es auch, dass ich die Kinder zur Arbeit mitnehmen kann, das erleichtert natürlich vieles. Und offensichtlich hab ich sehr viel Energie in mir (lacht), also bewältige ich das Programm ganz gut. Es kommt keiner zu kurz, weder die Kinder noch die Arbeit. Aktuell teilen wir uns den Lebenssitz auf Wien und Kitzbühel auf, wovon die Kinder sehr begeistert sind! Sie lieben Kitzbühel und die Berge!

GL: Diese Frage wird übrigens immer nur Frauen gestellt …
… und das ärgert mich maßlos! Das fängt schon dabei an, dass Männer großen Applaus bekommen, wenn sie sagen, sie gehen mal kurz Windeln wechseln, aber wenn ich das tue, bemerkt das nicht mal wer! Was Kinderbetreuung und Hausarbeit betrifft, wird in unserer Gesellschaft immer noch mit zweierlei Maß gemessen. Es wohnt ja eine alte Feministin in mir, also fordere ich hier Gleichstellung! (lacht)

GL: Wird die Rolle der Fulltime-Hausfrau und -Mutter zu wenig gewürdigt?
Absolut. Hausfrau und Mutter zu sein, ist der härteste Job, den es gibt. Mir persönlich wird das Mutter-Sein durch meinen zweiten Job, also die Schauspielerei, erleichtert, da ich dadurch einen Ausgleich habe. Rund um die Uhr Mutter zu sein, ist sehr anstrengend und erfordert viel Kraft. Keine Gesellschaft der Welt könnte existieren ohne diese unbezahlte Arbeit der Mütter! Von den meisten wird das viel zu selbstverständlich genommen und viel zu wenig gewürdigt. Ich ziehe den Hut vor allen Mamis, egal ob alleinerziehend oder nicht. Um wieder auf die Männer zurückzukommen: Auch viele liierte Freundinnen von mir, die Mütter sind, schupfen den Großteil des Haushaltes alleine und übernehmen die größere Rolle in der Kindererziehung als die Väter. Natürlich helfen die Männer, aber gänzlich ausgewogen ist das Arbeitsverhältnis zu Hause nicht.

GL: Ist es für die alte Feministin in Ihnen in Ordnung, wenn sich eine Frau dafür entscheidet, Hausfrau zu sein?
Natürlich. Jeder soll sich so entscheiden, wie er möchte. Ich bin die Letzte, die hier eine Wertung abgibt. Für jeden darf der Weg zum Glück anders aussehen. Die Erfüllung des eigenen Lebens muss bei Weitem nicht automatisch einhergehen mit Reichtum, gesellschaftlichem Ausstieg oder generell mit der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Ich glaube, dass es Frauen gibt, die glücklich damit sind, ein Heim zu betreuen und Kinder zu erziehen. Die Frage ist natürlich, ob man es sich finanziell leisten kann. Manchmal kann man sich auch aus anderen Gründen nicht so entscheiden, wie man möchte. Wir alle müssen uns nach der Decke strecken.

GL: Wie würden Sie sich selbst als Mutter beschreiben?
Ich bin lässig und locker, allerdings mit kleinen „Strengheitsanfällen“, die dann und wann sehr akzentuiert durchbrechen! (lacht) Es ist manchmal schwer, als Alleinerzieherin zwei kleine Kinder im Griff zu haben, weshalb es vorkommen kann, dass ich auch in der Öffentlichkeit hin und wieder lauter werde. Dann drehen sich auch schon mal Leute um! (lacht) Ich schimpfe natürlich nicht gerne, aber wenn es sein muss, dann so, dass die Message bei den Kindern auch wirklich ankommt.

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