„Mein Papa kann das, er macht es nur anders!“

Thomas denkt nach, außer dem Papa kennt er ja nicht viele Männer, denn seine Kindergärtnerin hieß Vroni und in der Schule wird er von Erika unterrichtet, zu Hause lebt er mit Mama und Schwester und dann hat er noch zwei Omas, die er selten sieht, die Opas sind schon beide verstorben. Warum der Papa ein Looser sein soll, versteht Thomas auch nicht. Papa ist gut im Sport, er hat ihm das Schi fahren beigebracht und wenn Thomas bei ihm zu Besuch ist, dann sieht er, wie der Papa bügelt und kocht. Thomas darf mithelfen und der Papa hat in der Küche sogar mehr Geduld als die Mama. Vielleicht weil er das Haushaltsführen auch erst lernen hat müssen, so sagt er es zumindest immer wieder. Ja, und dann kann der Papa das Fahrrad reparieren und im Büro Baupläne zeichnen und lesen. Er erzählt spannende Geschichten und wenn er gut aufgelegt ist, kann man mit ihm auch nur so zum Spaß raufen da hält er ganz schön viel aus!

Thomas´ Geschichte ist kein Einzelfall! Es gibt immer mehr Kinder, die viel zu wenig Kontakt zu ihren Vätern haben und das trifft auch auf Mädchen zu. Nicht jedes Mädchen reagiert wie Thomas´ Schwester, viele möchten mehr Zeit mit ihren Vätern verbringen. Mit Vätern, denen von ihren Frauen oft gar nichts zugetraut wird. Nur die Übung macht den Meister und wenn Väter häufig erleben, dass sie ohnehin nichts recht machen können, werden sie es eben lassen. Dieser Rückzug wird von Frauen nicht selten als Desinteresse ausgelegt und bestärkt sie wieder in der Annahme, Männer sind im Haushalt eben nicht zu gebrauchen. Der Rat der Psychologin: Weggehen, nicht hinschauen, selbst zurechtkommen lassen und die freie Zeit genießen und nicht mit Besserwisserei vergiften.

Warum glauben Frauen häufig, dass Männer nichts vom Haushalt verstehen und Männer, dass Frauen eigentlich nicht allein existieren können? Sind das nicht Vorurteile, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und letztendlich ausschlaggebend für unser Rollenverständnis sind – wie ein Mann, eine Frau zu sein hat? Wäre es nicht nützlicher voneinander zu lernen und je nach Talent Aufgaben zu übernehmen ohne das eigene Geschlecht deshalb zu verleugnen? Kinder könnten so ganz nebenbei erfahren, dass man neue Aufgaben bewältigen kann, und dass es dafür ganz unterschiedliche Lösungswege gibt, die alle so oder so zum Erfolg führen.

Kinder lernen durch das Wechselspiel der Beziehungen zwischen Mutter und Vater, sich in das jeweils andere Geschlecht einzufühlen und unterschiedliche Rollen zu erproben. Schließlich sollen sie auf die eigene Geschlechtlichkeit stolz sein und sich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil auch identifizieren können und das geht nur, wenn dieser nicht ständig abgewertet wird.

Spätestens in der Pubertät treten Probleme zu Tage, wenn Kinder nicht genügend Gelegenheit haben, Erfahrungen mit beiden Geschlechtern zu machen. Junge Mädchen irritiert das widersprüchliche Frauenbild oft sehr, wie sollen sie sein? Einerseits ist es wichtig schön, sittsam und häuslich zu sein und andererseits heißt es auch wieder selbstbewusst, leistungsstark und emanzipiert aufzutreten.

Burschen können ebenfalls leicht unter Druck kommen. Ein „richtiger Mann“ zu werden, kann ganz schön stressen! Von der Clique als „Mamabubi“ oder „Schlappschwanz“ bezeichnet zu werden, hinterlässt Spuren.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen