Mein Leben Dickdarmkrebs

Es war ein guter Freund und Kollege. Jemand, der Richard Kahlert beharrlich und aus ganzem Herzen drängte: „Bitte, geh zur Vorsorgeuntersuchung! Die kann dir das Leben retten!“ Für den Freund selbst war es leider zu spät: Der Dickdarmkrebs war zu weit fortgeschritten, hatte bereits metastasiert, einige Jahre nach der Diagnose verstarb er. Richard Kahlert aber rettete der Schicksalsschlag des guten Freundes vielleicht das Leben.

Tiefes, dunkles Loch
Denn der heute 80-jährige Wiener nahm den Ratschlag ernst, meldete sich für eine Koloskopie, also eine Darmspiegelung, an. Damals war Kahlert 69 Jahre alt – und nicht nur ohne Koloskopie-Erfahrung, sondern bis dahin auch putzmunter und g’sund. „Ich war mein ganzes Berufsleben niemals im Krankenstand, klagte nicht mal über eine Verkühlung. Vor der damaligen Darmuntersuchung war ich das letzte Mal als Jugendlicher im Krankenhaus. Ich fühlte mich unantastbar. Wohl deshalb habe ich eine Vorsorgeuntersuchung wenig ernst genommen.“ Eine chronische Gastritis begleitete ihn zwar bereits seit Jahren, aber ohne jegliche Beschwerden. Andere Verdauungsprobleme kannte Kahlert nicht. „Es ging mir gut!“ Umso größer die Überraschung, als der Arzt ihm die Diagnose übermittelte: Dickdarmkrebs! Ein Tumor im unteren Teil des Darms, etwas größer als sein Daumennagel. „Ich bin in ein großes, dunkles Loch gefallen.“ Die Ursache für Kahlerts Krebs ist bis heute nicht bekannt, familiär ist er nicht vorbelastet. Vielleicht, überlegt er, spielte der Stress eine Rolle, dem er in seinem Beruf – Kahlert war in der Pensionsversicherungsanstalt tätig – bis zuletzt ausgesetzt war? Oder seine Art der Ernährung? „Ich habe oft den ganzen Tag nichts, dafür am Abend viel und oft auch sehr spät gegessen.“ Was der Auslöser schlussendlich auch war, der Arzt konnte beruhigen: Man müsse zwar so schnell als möglich operieren, jedoch könne der Tumor komplett entfernt werden, Metastasen seien keine zu erwarten. Noch vor der Diagnosebesprechung setzte sich der Internist mit einem Gastroenterologen in Verbindung und setzte einen Termin, der bereits 14 Tage später stattfand, für Kahlert fest. „Ich musste mich um nichts mehr kümmern, was natürlich eine große Erleichterung war!“, zeigt sich Kahlert auch heute noch dankbar.

Gefährliche Krankenhauskeime
Die insgesamt drei Wochen, die Kahlert auf die OP warten musste, verbrachte der Pensionist mit Ablenkung durch sein Enkerl, seine Frau und seine Musik – immerhin Kahlerts größtes Hobby, spielt er doch seit bereits 32 Jahren Geige und Bratsche in zwei erfolgreichen Orchestern. „Ich wollte, dass mein Leben normal weitergeht“, betont er. „Aber in stillen Momenten fing ich zum Nachdenken und Grübeln an.“ Bei der fünfstündigen Operation wurden Kahlert circa 40 Zentimeter Darm entfernt. „Das ist relativ viel.“ Auch diesmal befand er sich, wie er betont, in guten Händen: Dem Gastroenterologen gelang es, trotz der nahen Lokalisation des Tumors zum Mastdarm, eben diesen zu verschonen und somit einen – wenn auch nur temporären – künstlichen Ausgang zu verhindern. Die Operation galt als erfolgreich. Dass es dann doch ein insgesamt dreiwöchiger Krankenhausaufenthalt, noch dazu über die Weihnachtsfeiertage, wurde, lag an einer Komplikation, die sich erst Tage nach der OP zeigte: Während der Operation gelangten Bakterien in die Wunde, was eine böse Infektion nach sich zog. „Als ich aus dem Bett aufstehen wollte, platzte plötzlich meine Operationsnaht, mit 37 Klammern, vollständig auf. Ein ganzer Schwall von Flüssigkeit brach aus der Wunde heraus. Mein ganzer Bauch lag frei.“ Kahlert wurde mit Schmerzmittel vollgepumpt, die Wunde mehrmals täglich durchgespült. Auch ein Katheter war notwendig. „Rund um mich waren überall Schläuche.“ Trotzdem: Gut ist’s gegangen: Die Wunde konnte erneut zugenäht werden, nach der Eliminierung der Keime heilte sie rasch ab.

Vorheriger ArtikelWundermittel Essig
Nächster ArtikelGesunde Liebe, gesunder Sex

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen