Mein Hausarzt ist der Beste

Der Hausarzt muss im Prinzip in jedem medizinischen Bereich über ein bestimmtes Grundwissen verfügen und möglichst immer auf dem aktuellsten Stand sein“, sagt Dr. Gert Wiegele, Allgemeinmediziner mit eigener Praxis in Weißenstein (Kärnten) sowie Leiter des Referats für Sozial- und Vorsorgemedizin der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Allerdings spielen im Alltag des praktischen Arztes Blutbild, Röntgen und andere diagnostische Methoden keine so große Rolle als vielmehr die genaue Anamnese. Je besser der Hausarzt über die Krankengeschichte des Patienten informiert ist, desto genauer die Diagnose. Daraus ergibt sich die wichtige Erstbehandlung. Bei nicht eindeutigen Fällen wird natürlich immer der entsprechende Spezialist hinzugezogen.

Apropos Spezialisten … Die Kontaktpflege zu Fachärzten im niedergelassenen Bereich und Krankenhäusern zählt ebenso zu den Aufgaben eines guten Hausarztes. Wiegele: „Jeder baut sich sein eigenes Netzwerk auf. Wenn es wichtig und dringend ist, bekomme ich für meine Patienten beispielsweise sofort einen Termin beim jeweiligen Facharzt, auch wenn dessen Terminkalender im Normalfall voll ist.“ Zudem sollte sich ein „guter Hausarzt“ genügend Zeit für seine Patienten nehmen. Wenngleich er davon auch nicht mehr hat als andere (Mediziner) – im Gegenteil: So kommen beispielsweise im Schnitt bis zu 80 Patienten täglich in Wiegeles Praxis, 20 bis 30 davon wollen ihn persönlich sehen. „Bei einer Ordinationszeit von rund fünf Stunden muss ich mir das natürlich gut einteilen. Wenn ich aber das Gefühl habe, ein Patient benötigt in dem Moment mehr Zeit, dann bekommt er diese auch“, betont der Allgemeinmediziner. In diesem Zusammenhang sei überdies auf die Bedeutung der Mitarbeiter hingewiesen: Genauso wie der Hausarzt selbst sollten sie die Patienten kennen, immerhin zeichnen sie für einen Großteil der Betreuung verantwortlich. Laut Wiegele mache ohnehin rund die Hälfte der Qualität einer Hausarztpraxis die menschliche Umgebung aus – vom Personal über die wichtigsten technischen Geräte, die freilich auf dem neuesten Stand sein sollten, bis zur sauberen und freundlichen Einrichtung. „Obwohl es viele meiner Kollegen nicht gerne hören, so sind wir, wie der Gesetzgeber zu sagen pflegt, Gesundheitsdienstanbieter. Und entsprechend muss auch unsere Dienstleistung schön verpackt sein“, sagt Wiegele.

Darauf können Sie vertrauen! Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Vertrauen, das über Jahre aufgebaut gehört. Was uns zur Frage bringt: Wie finde ich eigentlich einen guten Haus- bzw. Vertrauensarzt (letztere Bezeichnung schließt nämlich den Facharzt ein)? Geht der jeweilige Arzt in Pension, empfiehlt Gert Wiegele, sich erst einmal dessen Nachfolger anzuschauen – am besten nicht erst, wenn man tatsächlich krank ist: „Für ein erstes Kennenlernen reichen meist schon wenige Minuten. Da zeigt sich schon, ob man ihn ‚riechen‘ kann.“ Und wenn nicht? Dann muss man weitersuchen, beispielsweise indem man im Bekanntenkreis fragt. Auch in diesem Fall empfiehlt sich ein Erstgespräch unter „Gesunden“. Alles in allem sei also gesagt: dass ein guter Hausarzt ein guter Mediziner ist, also in medizinischen Belangen auf dem aktuellsten Stand ist und uns Patienten entsprechend gut behandeln kann, ist das eine – oder eigentlich vielmehr die Grundvoraussetzung. Damit der gute Hausarzt aber zum besten wird, sollte er zudem ein funktionierendes Netzwerk um sich aufgebaut haben, Zeit für uns haben (manchmal mehr, manchmal weniger), auf gute Mitarbeiter bauen und in angemessen eingerichteten Räumlichkeiten praktizieren. Vor allem aber sollten wir ihn mit gutem Gewissen und ganz ehrlich als unseren Vertrauensarzt bezeichnen können, denn Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung.

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen