„Mein ganzes Leben ist Selbst­therapie!“

Als ich Petra Frey von Weitem auf mich zukommen sehe, werde ich ein bisschen nervös: Perfekt gestylt ist der Schlagerstar, weißes, goldverziertes Jackett, ebenso weiße, knallenge Hose, Smokey Eyes, glänzend-wallende Haarmähne, perfekte Fingernägel. Bei Promis bedeutet das nicht immer etwas Gutes, ich ahne zumindest einen Hauch von Zickigkeit. Aber nichts da: „Servus, ich bin die Petra!“, begrüßt sie mich in tiefstem tirolerischem Dialekt und schüttelt mir mit festem Griff die Hand. Das Eis ist sofort gebrochen. Ob wir uns duzen wollen, frage ich sie. „Jo kloa, ich fühl mich bei ‚Sie‘ goar ned angsprochn!“, lacht sie. Petra Frey ist tatsächlich grundsympathisch, ist genau so, wie man sie von all ihren öffentlichen Auftritten (aktuell als Jurorin in „Die große Chance“) kennt: offen, humorvoll, unkompliziert. Und keine Angst, sich in die Seele blicken zu lassen: Überraschend ehrlich spricht sie im Interview darüber, dass man in ihrem Job oft alleine ist, wie sie mit persönlicher Kritik umgeht und wieso ihre Schulter eine zum Ausheulen ist. Sie wirft einen Blick zurück auf ihre musikalischen Anfänge, gewährt uns aber auch Einblick in ihre bis dato geheimen Zukunftspläne.

Die Petra mag man. Dass nicht nur wir die ehemalige „Dancing Stars“-Gewinnerin (2012) sympathisch finden, davon konnten wir uns beim Interviewtermin selbst überzeugen: Während des Gesprächs begrüßte ein ORF-Mitarbeiter die Sängerin überschwänglich, mit Umarmungen und Bussis. Frey lacht – und wenn sie sich freut, ist das so ansteckend, dass sich jeder um sie herum gleich mitfreut. Nach unserem Gespräch hat sie einen Auftritt in der ORF-„Brieflosshow“. Auch Moderator (und „Die große Chance“-Kollege) Peter Rapp empfängt sie mit offenen Armen und betont, wie sehr er sich freut, sie als Stargast begrüßen zu dürfen. Das Publikum selbst schwingt bei Freys Auftritt (sie performt ihre neue Single „Meilenweit“; am Album wird gerade gearbeitet) begeistert auf seinen Sitzen mit und bedankt sich am Ende mit tosendem Applaus. Die Petra, die scheint man halt einfach zu mögen.

GESÜNDER LEBEN: Du bist ja bereits seit deinem 12. Lebensjahr in der Musikbranche. Wenn du bei „Die große Chance“ junge Talente auf der Bühne siehst: Wirst du da manchmal melancholisch?
Petra Frey: Ja, total. Mir tun die Kandidaten oft so leid, weil sehr viele von ihnen mit massivem Lampenfieber zu kämpfen haben. Ich kenne das von mir sehr gut. Ich war ein extrem introvertiertes Kind und musste vor jedem Auftritt mit Lampenfieber kämpfen. Deshalb fiel es mir anfangs schwer, den Kandidaten gegenüber Kritik zu äußern. Viele von ihnen glauben aber leider, dass es nach der Show vorbei ist, dass da nix mehr kommt. Aber man muss die Show als Teil des Weges sehen. Ich selbst habe auch so viel negative Kritik erlebt, negative Erfahrungen gemacht in meiner Karriere.

GL: Wie hast du das Lampenfieber überwunden?
Ich hab jetzt noch Lampenfieber (lacht)! Aber ich bin natürlich routinierter geworden. Die Leute sehen es mir heute nicht mehr so an, wenn ich aufgeregt bin. Das hat aber alles mit Erfahrung, Routine und Alltag zu tun.

GL: Von der heutigen Jugend sagt man, sie hätte weder Respekt noch Perspektiven. Wie ist deine Meinung dazu?
Sie haben ja gar keine andere Wahl, weil sie mit all dem Druck heutzutage umgehen und mit der Zeit einfach mitgehen müssen. Es verändert sich alles so rasend schnell.
Wenn ich mit 36 schon von „damals“ reden muss, ist das ja a Wahnsinn (lacht)! All die moderne Technologie, verbunden mit dem schulischen Druck und eventuell familiären Problemen – das kann schon sehr schwierig sein. Ich glaube auch, dass Eltern heutzutage nicht mehr so viel Zeit für ihre Kinder haben. Wo gibt es das denn heute noch, dass beide Elternteile zu Hause bleiben können? Kann sich ja keiner mehr leisten! Also müssen die Jugendlichen schon sehr früh mit sich selbst klar­kommen.

GL: Sind die familiären Wurzeln bei dir stark ausgeprägt? Klar. Ich brauch das auch total. Ich bin vom Sternzeichen Krebs und wer sich da  ein bisserl auskennt, weiß, dass diesen Menschen Heimat und Wurzeln das Wichtigste im Leben sind. Ich hab eine Schwester und zwei Eltern und hatte bis vor Kurzem noch eine Oma und bin da schon sehr ver-wurzelt aufgewachsen. Ich habe eine Basis fürs Leben mitgenommen. Obwohl auch meine Eltern beide ab meinem neunten Lebensjahr gearbeitet haben. Trotzdem: Ich hatte viel Glück, was diesen Aspekt angeht. Keine familiäre Basis zu haben ist ein großer Nachteil fürs spätere Leben.

GL: Du bist also ein Familienmensch …
Total! Ich wohne mit meinen Eltern unter einem Dach. Ich bin ja viel unterwegs – und wenn ich dann heimkomme, dann komme ich nicht in eine leere Wohnung. Meine Eltern wohnen im ersten Stock des Mehrfamilienhauses. Sie passen auch auf meine zwei Hunde auf. Und wir haben einen großen Garten, was toll ist! Mir ist dieser Zusammenhalt extrem wichtig, ich brauch das.

GL: Funktioniert das wirklich?
Bei uns klappt’s super. Ich bin aber auch selten zu Hause. In meinem Beruf bin ich sehr viel alleine: in Hotelzimmern, in Flugzeugen, im Auto, vielleicht auch backstage. Ich habe zwar mit vielen Leuten zu tun, aber die kennt man ja meist nicht persönlich. Man kann in der Menge stehen und ist trotzdem allein. Das kann manchmal schon schwierig sein. Und wenn ich heimkomme, dann spüre ich sofort das totale Familienleben. Da ist Alltag, da passiert nix Besonderes. Ich liebe das. Das erdet mich.

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