„Mehr geben, nicht immer nur fordern!“

Wir treffen Sunnyi Melles, mehrfach ausgezeichnete Bühnen- und Filmschauspielerin, im „Café Oper Wien“ in der Wiener Staatsoper. Und weil man sich nicht ganz sicher ist, fragen wir erst höflich nach, wie man eine Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn korrekt anspricht. „Sunnyi Melles“, sagt sie knapp und lacht herzlich. „Das reicht, alles andere ist ein bisschen zu viel.“ Und weil unsereins ja nicht täglich mit einer echten Prinzessin zu tun hat, sei noch die Frage gestattet, wie das denn so ist, eine Prinzessin zu sein. Haben wir ja wohl alle als kleines Mädchen davon geträumt …  „Es ist doch jede Frau eine Prinzessin“, sagt die Prinzessin. Aha. „Das ist einfach so ein Märchentraum“, fügt sie dann doch noch hinzu und nippt an ihrem Cappuccino.

Also, auf zum Interview:

GESÜNDER LEBEN: Weihnachten, Neujahr, Feiertage. – Was bedeuten Feste für Sie?
Sunnyi Melles: Weihnachten bedeutet mir sehr viel. Erinnerungen an meine Kindheit werden wach. Es ist für mich das wichtigste Familienfest. Kinder, Eltern, Tanten, Onkel und Freunde: Alle kommen zusammen. Das ist eine wunderbare Tradition. Essen ist eine große Kultur. Vor allem zu Weihnachten, da wird gemeinsam gebacken und gekocht. Das sind Kalorien, die uns alle glücklich machen! Ich liebe alles, was mit Weihnachten zu tun hat: die vielen Kerzenlichter, das Adventsingen, die Christmette, die verschiedenen Gerüche – Tannennadeln, Zimt und Vanille. Und natürlich den Duft nach Honig, dabei denke ich immer an die Bienen, die wir noch mehr schützen müssten, damit sie nicht völlig aussterben. Ich liebe Weihnachtsmärkte und den für mich alkoholfreien Kinderglühwein. (lacht)

GL: Sie sind strikt gegen Alkohol und Zigaretten …
… und Zucker, der zwar süß schmeckt, aber leider auch so schädlich für uns sein kann.

GL: Ihre Kinder haben nie geraucht?
Doch, doch. Ich kann das nicht verbieten. Man muss schon seine Haltung bewahren, aber meine Kinder müssen das selbst erfahren, das ist ihr eigener Prozess. Du kannst als Mutter nicht ständig sagen: „Pass auf, fall nicht hin, das tut weh.“ Da geht es um Eigenständigkeit, um Erfahrungen, die jeder Mensch für sich selbst durchmachen muss. Leider sage ich dann doch immer wieder zu meinen Kindern, sie sollen auf sich aufpassen, nicht rauchen und nicht zu viel trinken. (lacht) Weil ich sie liebe!

GL: Haben Sie jemals geraucht oder getrunken?
Als ich angefangen habe Alkohol zu trinken, fühlte ich mich nicht besonders wohl. Beim Rauchen war es genauso. Ich dachte, das wird schon, das ist halt beim ersten Mal so. Aber was mich dann störte, war, dass man die Kontrolle über sich verliert. Was ganz witzig sein kann! Oder man denkt, dass man ganz witzig ist, man fühlt sich mutiger, man glaubt, weniger Angst zu haben. Doch das täuscht! Ohne rauchen und trinken kenne ich mich sehr gut und kann mich selbst schlecht belügen.

GL: Wobei beim Rauchen der Kontrollverlust ein anderer ist.
Es ist nur eine andere Sucht, da verliert man auch die Kontrolle über sich. Mit einem Süchtigen kann man schlecht darüber reden, da fehlt die Vernunft. Es geht um die Überlegung: Was passiert mit Menschen unter Sucht? Welche Wirkung und Auswirkung hat das auf das Gehirn? Wie viel macht die Veranlagung aus? Was bringt Menschen dazu, sich selbst zu zerstören? Wenn ich daran zurückdenke, wie ich vor zehn Jahren noch im Flugzeug einen Passagier gebeten habe, nicht zu rauchen, war da keine Einsicht. Und auch heute, ob im Theater oder am Filmset, zerstöre ich oft die gute Atmosphäre, weil ich darauf bestehe, dass nicht geraucht wird. Oft werde ich dann auch zum Bekehrer. Aber innerlich freue ich mich wie ein Kind, wenn die Zigarette nicht zu Ende geraucht wird.

GL: Sehen Sie sich als Vorreiterin? Heute darf ja so gut wie nirgendwo mehr geraucht werden.
Gesetze, die das Rauchen beschränken, sind eine gute Entwicklung. Jeder weiß, wie schädlich rauchen ist, so wie man weiß, dass gebräunte Haut verbrannte Haut ist. Dennoch höre ich immer wieder, du bist ja so blass! Geht es dir nicht gut? Aber zurück zu Ihrer Frage: Nein, eine Vorreiterin bin ich nicht. Es ist meine Art, das liegt in mir drinnen, Menschen etwas Gutes zu tun, sie dazu zu bringen, sich nicht bewusst zu zerstören. Damit macht man sich nicht immer beliebt.

GL: Und hören die Leute auf Sie?
Ja. Und manchmal jein. Einen Denkanstoß habe ich schon vollbracht. Dafür bin ich gerne ein Moralapostel.

GL: Sie leben sehr bewusst?
Ja. Wer nicht? Jeder Mensch denkt oder spricht täglich über seine Gesundheit, auch Mozart hat in seinen Briefen immer darüber geschrieben. Es ist wichtig, die Gesundheit ernst zu nehmen – auf eine positive Art. Ich lese viele wissenschaftliche Abhandlungen darüber. Sowohl über die geistige als auch über die körperliche Gesundheit des Menschen.

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