Mann sorgt besser vor

Erkrankungen der Prostata zählen zu den häufigsten Männerleiden. Dennoch wird die Vorsteherdrüse – so die deutsche Übersetzung – von den meisten mehr oder weniger absichtlich ignoriert. Und folglich wird auch nur wenig Zeit an den Vorsorgegedanken „verschwendet“. Dabei spielt die Prostata, die in Form und Größe einer Kastanie ähnelt, im Leben des Mannes eine zentrale Rolle, produziert sie doch Sekrete zur Verflüssigung sowie Aktivierung des Samens und trägt etwa 15 Prozent zur Samenflüssigkeitsmenge bei.

Vorsorgemuffel. Auch der Salzburger Urologe Univ.-Prof. Dr. Andreas Jungwirth weiß, dass Männer nicht gerade gern zur (Prostata-)Vorsorge gehen – seiner Meinung nach, weil sie das nicht gewohnt sind: „Im Gegensatz zu den Männern ist der regelmäßige Besuch des Gynäkologen eine Art Fixpunkt im Leben der Frauen.“ Dass Mann als Vorsorgemuffel gilt, wird im Hinblick auf die Prostata oft auch mit der Untersuchung selbst in Verbindung gebracht. Aufgrund ihrer Lage – die Prostata befindet sich unterhalb der Blase – kann der Urologe die Drüse nämlich durch die Wand des Enddarms gut abtasten und somit eine Vergrößerung bereits frühzeitig entdecken. „Das ist vielleicht etwas unangenehm, aber auf keinen Fall schmerzhaft“, betont Jungwirth. „Die meisten Patienten fragen mich nach der Untersuchung recht erstaunt, ob das schon alles gewesen sei.“ Mann braucht also weder aus Angst noch aus Scham seine Gesundheit aufs Spiel setzen, zumal es sich im Alter meist um eine gutartige Vergrößerung handelt. Der Urologe Jungwirth erklärt: „Es hat rein physiologische Gründe, dass die Prostata mit zunehmendem Alter wächst. Da aber Samenleiter und Harnröhre durch die Prostata ziehen, kann es zur Abflussbehinderung beim Harnlassen kommen.“ Darüber hinaus klagen die Patienten oft über zunehmenden Harndrang, wobei der Harnstrahl schwächer wird und die Blase sich nicht mehr völlig entleert. Ein dadurch verursachter chronischer Harnrückstau kann bis ins Nierenbecken reichen und langfristig die Nierenfunktion nachhaltig schädigen. Ob eine medikamentöse Therapie ausreicht oder operativ behandelt werden muss, wird vom Urologen von Fall zu Fall entschieden.
 
Werden Sie aktiv! Ab 45 sollten sich Männer einmal jährlich einem Vorsorge-Check unterziehen. Liegt Prostatakrebs in der Familie, wird diese spezielle Vorsorge jedoch schon ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Abgesehen von der Tastuntersuchung wird dabei eine Ultraschalluntersuchung des Harntrakts und der Hoden gemacht, der Harn untersucht und, sofern gewünscht, der PSA-Wert im Blut ermittelt. Bei Letzterem geht es um das Prostata-spezifische Antigen, das zusammen mit dem Sperma in der Vorsteherdrüse produziert wird. Eine bösartige Veränderung führt in der Regel zu einer vermehrten Ausschüttung, und da ein Teil davon in die Blutbahn gelangt, weist ein erhöhter PSA-Wert eventuell auf eine Erkrankung hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann an Prostatakrebs erkrankt, liegt mit 16 Prozent recht hoch. Doch: „Nur drei Prozent sterben daran“, räumt Jungwirth ein. Somit ergibt sich die große Frage, welcher Patient von einer Operation oder Strahlentherapie wirklich profitiert. Laut Jungwirth kommt es zweifelsohne zu einer Übertherapie vieler Männer mit Prostatakrebs: „Das Problem besteht darin, dass es keinen guten Marker gibt, der eine reine Beobachtung zulässt. Daher werden Patienten mit einem erhöhten PSA-Wert und einer darauffolgenden Krebsdiagnose mitunter therapiert, obwohl das gar nicht nötig wäre.“ Eine neue Behandlungsstrategie heißt aktive Überwachung, bei der der Patient lediglich engmaschig kontrolliert und erst bei einem Anstieg der Erkrankungszeichen einer Operation oder Bestrahlung unterzogen wird. So oder so: Die Heilungschancen sind nicht schlecht und die Lebenserwartung liegt zwischen zwölf und 14 Jahren – vorausgesetzt, die Erkrankung wird frühzeitig entdeckt. Ja, vorsorgen ist fürwahr besser als nachsorgen. Allerdings reicht es nicht, wenn sich die Herren der Schöpfung auf gut gemeinte Gesundheitsratschläge des weiblichen Geschlechts verlassen, denn nicht nur Frauen sind anders, sondern Männer auch – und das hinsichtlich vieler Krankheiten (mehr Infos dazu im Kasten).

 

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