„Mama, mir ist so fad!“

Fadsein kann viele Ursachen haben
Da es viele Ursachen geben kann, warum ein Kind mit seiner Zeit nichts „anzufangen“ weiß, muss man sich vor so einfachen Erklärungen wie „typisches Zeichen von Verwöhnung oder Wohlstandsübersättigung“ hüten.

Die Bedürfnisse der Kinder sind nicht so viel anders geworden. In unserer Gesellschaft sind bereits ganz junge Kinder mit den unterschiedlichsten Reizquellen konfrontiert und manchmal auch überfordert, die Angebote altersadäquat zu konsumieren. Kinder geben in der Regel „Warnsignale“, sobald sie durch die Umwelt über bzw. unterfordert werden. Auch vermehrte Langeweile kann ein solches sein.

Aufmerksamen Eltern wird nicht entgehen, dass Kinder mit Verhaltensänderung auf ein „Zuviel“ oder auf ein „Zu wenig“ reagieren. Je nach Persönlichkeit des Kindes kann es entweder nur „lästig“ sein oder abweisend und aggressiv werden. Es gibt auch Kinder, die sich zurückziehen und weinerlich bzw. mit Interesselosigkeit reagieren.

Spiel und Spaß – das wär´ doch was
Kinder brauchen die Zuwendung und Anregung anderer Menschen, um Spaß am Spielen oder an einer kreativen Beschäftigung zu haben. Dafür sind nicht unbedingt teure Spielsachen notwendig, sondern Eltern und Freunde, die sich hin und wieder Zeit nehmen und sich nicht davor scheuen, sich auf das gemeinsame Spielen einzulassen. Der so genannte Ernst des Lebens dominiert in manchen Familien so stark, dass keine Zeit mehr für lustvolle Freizeitbeschäftigung bleibt. Viele Erwachsene wissen mit sich und ihren Kindern manchmal auch gar nichts anzufangen und beauftragen daher andere die Freizeitgestaltung zu übernehmen. Gesunde Kinder tun in der Regel alles, um ihre Langeweile zu vertreiben, auch wenn sie sich dadurch in unerlaubte Gebiete vorwagen und ganz einfach etwas anstellen. Häufig führen erst die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder dazu, dass auch die Eltern bemerken, dass etwas falsch läuft.

Manchmal gibt erst das Kind, das beim Psychologen wegen Verhaltensauffälligkeiten vorgestellt wird, den Anstoß für die Familie, sich mit der Beziehungsgestaltung auseinander zu setzen, wie dieses Beispiel aus der Praxis zeigt:

Eine Familiengeschichte
Ein gut situiertes Ehepaar mit einem Sohn und einer Tochter im Alter von neun und elf Jahren kommt zur Beratung. Den Kindern stehen perfekt ausgestattete Kinderzimmer und ein Freizeitraum im Souterrain des Einfamilienhauses zur Verfügung. Angefangen vom Billardtisch, Fernseher, Videorecorder, CD-Player, Computer mit zahlreichen Computerspielen und unzähligen Gesellschafts- und anderen Spielen ist alles vorhanden. Trotzdem streiten sich die Kinder permanent und in einem solchen Ausmaß, dass die Eltern nicht mehr ein und aus wissen. „Die sind wie Hund und Katze, gehen ständig aufeinander los und suchen vor lauter Langeweile Streit. Scheinbar wissen sie mit ihrer Zeit nichts anzufangen“, meint der genervte Vater. „Ein ruhiges Familienwochenende hatten wir schon lange nicht mehr“, stellt die Mutter fest.

Erst als den Eltern bewusst wird, dass sich ihre Kinder auffällig verhalten, weil sie sich trotz des Komforts einsam und abgelehnt fühlen und ihr permanentes Streiten nur darauf abzielt, die Eltern wenigstens als Schiedsrichter zu gewinnen, ist alles klar. Der Kreislauf Streit – Bestrafung – Streit muss unterbrochen werden. Das ist nicht immer ganz leicht, aber mit psychologischer Unterstützung können die Eltern das Problem erkennen und ihren Kindern entsprechende Angebote machen.

Ein Tipp: Wählen Sie eine Beschäftigung aus, die Ihnen Spaß macht! Vielleicht erinnern Sie sich an ein Spiel oder eine Aktivität aus Ihrer Kindheit. Ihre Begeisterung wirkt nämlich ansteckend und trägt daher zum Gelingen bei!

Die Sorge des Vaters, dass sein Vorschlag einfach „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen vielleicht zu wenig „Action“ bietet, war unbegründet. Die Kinder machten mit und die Familie verbrachte einen gemütlichen Abend. Der Vorschlag im Garten gemeinsam Blumenbeete anzulegen, wurde von den Kindern genauso positiv aufgenommen wie die Idee mit dem Vater Angeln zu gehen. Der Ausgang der psychologischen Beratung ist rasch erzählt: Eltern und Kinder erlebten die gemeinsam verbrachte Zeit sehr positiv und das Familienklima verbesserte sich merklich. Es sind eben sehr oft die ganz kleinen positiven Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich, die zur Lösung von Problemen beitragen.

Kindliches Verhalten, das von Erwachsenen als Langeweile eingestuft wird, kann aber auch Ursachen haben, die außerhalb der Familie liegen. Probleme in der Schule, Verspottung durch Freunde z.B. wegen Übergewicht, fehlende Freunde, Liebeskummer, Frustrationen, Trauer usw. Eltern sollten daher unbedingt das Gespräch mit ihren Kindern suchen, wenn die Langeweile überhand nimmt. PsychologInnen der MAG ELF helfen ebenfalls und bieten kostenlose Unterstützung für Eltern und Kinder an.

Autor: Dr. Belinda Mikosz, Klinische- und Gesundheitspsychologin

Vorheriger ArtikelEntspannung trainieren
Nächster ArtikelEine Viertelstunde Sport

Interessantes

- Advertisement -Jentschura

Empfehlungen