Männergesundheit „Der starke Mann“

Tonnenweise Stahl zu stemmen, ist nicht nur nicht notwendig, sondern sogar unerwünscht. Einfache Übungen mit geringer Belastung führen gesünder zum angestrebten Muskelzuwachs.
Ein starker Mann wird häufig als Muskelprotz Marke Arnold Schwarzenegger dargestellt. Reicht das wirklich, um auf Frauen attraktiv zu wirken bzw. in der Gesellschaft anerkannt zu werden?

Laut zahlreichen Umfragen keineswegs! Vor allem die Frauen haben von wahrer männlicher Stärke mehrheitlich ganz andere Vorstellungen als physische Rohkraft. Den allzeit idealen Mann gibt es nicht, das sei vorausgeschickt. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen, die an Männer von ihrer Umgebung gestellt werden. Im „Sozialmatch 2020“ wird der starke Mann zum Beispiel wie folgt definiert: Ehrlichkeit, Humor, Intelligenz, Verlässlichkeit, Treue, Stütze im Alltag, Verständnis, hinsichtlich Partnerschaft gleiche Ziele und gemeinsame Hobbys. Keine Rede von prallen Muskeln und dem Gehabe eines Zuchtbullen. Begnügen wir uns daher lieber mit einem Kompromiss: Was können Männer tun, um körperlich fit zu werden oder bleiben, um ihre Energie anzukurbeln sowie auch die geistigen Möglichkeiten auszuschöpfen? Da gibt es viele leicht umsetzbare Ratschläge. Den Anfang macht ein Frauenarzt – Univ.-Prof. Dr. Erich Müller-Tyl. Nicht nur, weil er weiß, was Frauen wünschen. In erster Linie gibt er hier Empfehlungen als Hormonspezialist ab. Sein Beitrag befasst sich mit dem Problem jener Männer, die unter dem Nachlassen ihrer Kräfte leiden. Welcher Betroffene hat sich nicht schon gewünscht, einen Energieschub zu bekommen?

Zuerst Ursachenforschung!

„Grundsätzlich muss bei fühlbarem Abbau der Leistungsfähigkeit nach den Ursachen geforscht werden“, appelliert der Mediziner und liefert Anhaltspunkte: „Ein ganz wichtiger Auslöser für beginnende Erschöpfung ist vor allem bei Männern Schlafmangel. Wenn der Schlafrhythmus durch berufliche oder private Einflüsse (etwa nächtelanges Sitzen vor dem Computer!) durcheinander geraten ist, helfen Disziplin und im Bedarfsfall beispielsweise das Schlafhormon Melatonin. Es ermöglicht erholsame Nachtruhe und sorgt am nächsten Tag für mehr Energie.“ Große Bedeutung hat unbedingt die seelische Stabilität. Positive Lebenseinstellung verschafft mehr „Power“, Stress und negative Gedanken hingegen drehen die Energiespirale nach unten. In erster Linie liegen aber doch körperliche Ursachen vor. Dr. Müller-Tyl: „Akute und chronische Erkrankungen rauben auf jeden Fall Kräfte. Ich rate daher, bei Symptomen wie Tagesmüdigkeit, Schwächegefühl in den Muskeln oder Störungen des Konzentrationsvermögens zu einer umfassenden Blutuntersuchung. Der betreuende Arzt sollte die verschiedensten Laborparameter für die einzelnen Organfunktionen überprüfen.

Die Rolle der Hormone

Besonders der Zuckerstoffwechsel ist zu beachten! Und zwar speziell die Funktion des Hormones Insulin. Es hat die Aufgabe, den Zucker aus dem Blut in die Zellen zwecks Energiegewinnung einzubauen. Besteht eine Insulinschwäche, entsteht automatisch Mangel an Energie. Im Blut sollte Insulin nicht über den Labor-Grenzwert hinausgehen, ihn aber auch nicht unterschreiten. Der Hausarzt kann bei Störungen die richtigen Maßnahmen einleiten.“ Zu den „Kräfte-Killern“ zählt unbedingt Stress. Dieser zeigt sich sogar im Blut, wie der Facharzt ausführt: „Dort steigt das Stresshormon Cortisol an. Um durch chronische Überlastung nicht in einen dramatischen Erschöpfungszustand zu geraten – das Modewort heißt Burnout – rate ich, gleichsam als Gegenspieler das Anti-Stress-Hormon DHEA-S über längere Zeit in Kapselform einzunehmen. Übrigens auch ein hervorragendes Anti-Aging-Mittel!“ Zu den hormonellen Energielieferanten zählt das männliche Sexualhormon Testosteron. Es wird mittels Injektion, Gel oder Creme zugeführt. DHEA-S hilft, Körperfett ab- und Muskelmasse aufzubauen. Die natürliche Ausschüttung wird durch körperliches Training und Zufuhr von Vitamin D gefördert – Stichwort starker Mann Große Bedeutung kommt zudem den Schilddrüsenhormonen, sowie Selen, Jod und dem als Dopingsubstanz geltenden Wachstumshormon (HGH) zu. Letzteres regt praktisch in allen Körperzellen das Wachstum an und versorgt unter anderem mit Energie aus Fetten. Es funktioniert abhängig vom Insulinspiegel, der daher normal sein sollte. Prof. Müller-Tyl abschließend: „Die Anwendung von Hormonen darf nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen!“

Ohne Training keine Kraft

Niemand wird stark ohne Training. Wobei man nicht nur die Muskeln, sondern auch das Gehirn trainieren kann und auch sollte. Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Norbert Bachl sieht die Realität so: „Es geht nicht um ein Match Alphamännchen gegen Weicheier. Der moderne starke Mann begibt sich jährlich zur Gesundenuntersuchung und ab 50 zum Urologen, er pflegt seine Haut und einen gesunden Lebensstil. Zudem hat er Charaktereigenschaften, wie in der Einleitung aufgezählt. Er braucht keinen Waschbrettbauch – Waschbärbauch genügt meistens auch. Allerdings rate ich zu zweimal wöchentlich wohldosiertem Krafttraining für die Erhaltung der normalen Muskelleistung und etwas Ausdauersport. Das wirkt sich nicht nur allgemein günstig aus, sondern speziell auch auf die Sexualität.“

„Nachhilfe“ mit Doping?

Gibt es darüber hinaus Wege, der Leistungsfähigkeit etwas nachzuhelfen, Herr Professor? „Aber ja. Zu unterscheiden sind da allerdings legale von illegalen Maßnahmen. Zu den ungesetzlichen Mitteln gehören Blutdoping sowie chemische Substanzen wie Anabolika, künstliches Wachstumshormon, Suchtdrogen generell oder Aufputschmittel wie Amphetamine. Wer die natürlichen Grenzen sprengt, bezahlt meistens teuer mit seiner Gesundheit. Erlaubt sind einfache und außerdem gesunde Wege: Vor höherer und längerer Belastung kohlenhydratreich essen. Nach großer Anstrengung – körperlich wie geistig – die Glykogenspeicher durch Zufuhr rasch verwertbaren Zucker (etwa über geeignete Getränke) wieder auffüllen. Spezielle Eiweißzufuhr ist üblicherweise nicht notwendig. Ausgewogene Ernährung enthält ohnedies alles Nötige. Wer gesund ist, aber fallweise besonders viel Kraft braucht, kann in Maßen zu Eiweißpräparaten greifen.“ Zum Schluss der Sex. Höchstleistungen im Bett werden im Film und in Romanen als notwendig dargestellt. Die Wirklichkeit sieht laut allen Sexualforschern anders aus: Ein erfülltes Liebesleben ergibt sich am ehesten aus einer guten Partnerschaft. Defizite sollten ärztlich abgeklärt werden. Dafür sind Fachärzte zuständig, die mit geeigneter Therapie helfen können. Basta.

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