Liebe zwischen Fläschchen und Autoschlüssel

Wenn Sie sich mit Ihren Freunden und Freundinnen über ihre Erwerbsarbeit unterhalten, dann werden Sie meist schnell entdecken, dass Sie alle miteinander große Spezialisten sind. Der eine ist ein Winzer und Sie trinken gerne seinen Wein – aber was der alles macht, damit sein Wein auch gut wird, wissen Sie nicht. Eine andere ist Friseurin, und alle lassen sich bei ihr die Haare schneiden – aber was das Geheimnis ihres Erfolges ausmacht, können Sie eigentlich nicht sagen. Sie könnten diese Liste beliebig lang fortsetzen, das Ergebnis ist offensichtlich: Wir leben in einer hochentwickelten Welt, in der wir alle sehr spezialisiert sind. Das gilt auch für die Arbeit daheim mit den Kindern und im Haushalt. Welcher Elternteil auch immer daheim nach dem Rechten sieht, er oder sie wird bald Dinge wissen und können, die der andere nicht erlebt hat, nicht weiß und nicht kann. Diese Spezialisierung ermöglicht Eltern in vielen Bereichen die anfallende Arbeit – die mit Kindern größer ist als ohne – gut zu bewältigen. Aber es gibt Bereiche, da ist diese Arbeitsteilung nicht möglich. Die Beziehung zum Kind kann nur jeder Elternteil für sich selber entwickeln. Es ist nicht möglich, als Vater die eigene Fürsorge und Liebe zum Kind an die Partnerin zu delegieren und dann zu erwarten, dass das Kind zu ihm genauso eine Beziehung hat wie zur Mutter. Es gibt also Bereiche, denen es nicht gut tut, wenn man sie nur verwaltet. Beziehungen – zu Kindern, aber auch zum Partner – gehören da sicherlich dazu.

An sich ist gegen Spezialisierung nichts einzuwenden. Sie hilft Zeit sparen und ist oft erfolgreich. Und es wäre gut, wenn beide Partner diese Spezialisierung bewusst und freiwillig gewählt hätten. Lassen Sie aber diese Arbeitsteilung nicht zum Sand im Getriebe Ihrer Partnerschaft werden. So wie sich die Bedürfnisse Ihres Kindes ständig weiterentwickeln, ändern sich die Wünsche von Ihnen beiden an Ihre Partnerschaft ständig. Lassen Sie sich von der Offenheit Ihres Kindes für Veränderungen anstecken. Reden Sie manchmal darüber, wie Sie zu dieser Arbeitsteilung gekommen sind? Plaudern Sie darüber, wie es Ihnen jetzt mit der Arbeitsteilung geht? Studien haben gezeigt, dass Paaren oft nicht bewusst ist, wie wichtig es ist, regelmäßig über die getroffene Arbeitsaufteilung daheim zu diskutieren und sichgegebenenfalls Änderungen zu überlegen. Wenn das Kind beginnt etwas unabhängiger zu werden, dann würden manche Frauen gerne über eine neue Arbeitsaufteilung sprechen, aber sie wissen nicht wie, denn bisher war das nie bewusst Thema zwischen den Partnern. Sagen Sie doch, was Sie stört, nüchtern und ohne Vorwürfe, beschreiben Sie Ihre Sicht der Dinge. Versuchen Sie immer wieder in Bildern oder in konkreten Geschichten zu reden.

So mancher Mann ist irritiert und sagt auf die Arbeitsteilung angesprochen: „Wieso beschwerst Du Dich? Bis jetzt war doch auch alles in Ordnung!” Im Privatleben – so wie im Beruf auch – ganz sachlich über die Arbeitsaufteilung zu reden ist oft nicht „in”. Was im Beruf selbstverständlich ist, nämlich regelmäßig darüber zu reden, wer welche Arbeit wie macht, gilt im Privatleben oft als überflüssig. Aber sehr viele Partnerschaftskonflikte entstehen dadurch, dass man aufgrund der Spezialisierung die Bedürfnisse des Partners/ der Partnerin nicht versteht. Mit kleinen Kindern bleibt Eltern nicht mehr sehr viel Zeit, bei Mondschein romantisch in einer Gartenlaube einander Liebesschwüre ins Ohr zu flüstern. Aber probieren Sie doch miteinander die Herausforderungen des Alltags zu besprechen und gemeinsam zu bewältigen. Das Leben ist auch in Partnerschaftsfragen nicht schwarz oder weiß. Die eingefahrenen Wege zwischen den Partnern, die durch die Spezialisierung entstehen, sind hilfreich und einengend zugleich. Nützen Sie die angenehmen Seiten, die gut eingegangene Wege bieten, und lösen Sie immer wieder von Neuem die durch sie entstehenden Fesseln. Die Zwiespältigkeit kann Ihnen niemand abnehmen, aber Sie können gemeinsam daraus ein buntes Leben gestalten.

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