Liebe ist gesund

Stellen Sie sich vor, Sie sind Kapitän eines Raumschiffes und konnten sich gerade noch durch eine Bruchlandung auf einen Ihnen unbekannten Planeten retten. Sie sind der einzige Überlebende und werden von den sehr groß gewachsenen Einheimischen willkommen geheißen. Die Bewohner dieses Planeten sprechen eine Ihnen völlig unbekannte Sprache und gestalten ihr Leben nach für Sie völlig undurchschaubaren Gesetzen. Ihre ersten Versuche, am Leben Ihrer Gastgeber teilzuhaben, scheitern kläglich, da es sich um Ihnen völlig unerklärliche Bewegungsabfolgen handelt. Monatelang jeden Tag dasselbe Schauspiel: Jedesmal, wenn Sie versuchen mitzumachen, setzt Sie einer der Einheimischen auf den Tisch, um den alle herum sitzen, beobachtet Sie, scheint sich zu amüsieren und versucht Ihnen etwas zu erklären. Aber, wie bereits gesagt, Sie verstehen kein Wort von der Sprache. Das nächste Mal versuchen Sie noch genauer zu beobachten und strengen sich noch mehr an, aber wieder …

Ihrem Kind geht es so ähnlich. Ab dem ersten Tag seiner Geburt versucht es die Welt um sich herum zu verstehen. Ihr Baby riecht, schmeckt, hört, sieht und fühlt jeden Tag neue Dinge, die ihm noch neu und unbekannt sind. Diese Fülle macht Ihrem Baby auch immer wieder Angst, und dann ist es auf Ihre Unterstützung angewiesen. Anhand der Reaktionen der Eltern zeichnen sich Babys ihre „innere Landkarte“, mit der sie sich im Leben zurechtfinden. Babys lernen durch Erfahrung und durch Zuschauen. Sie probieren etwas aus und schauen, wie es wirkt. Ihr Kleines will Sie nicht ärgern, sondern entdeckt mit seinen Mitteln die Welt. So wie Sie auf dem oben beschriebenen Planeten eigentlich nicht die Einheimischen zum Schmunzeln bringen, sondern mitmachen wollten.

Machen Sie sich in den ersten Monaten keine Sorgen, dass Sie Ihr Kind zu sehr verwöhnen könnten. Studien haben gezeigt, dass Babys, die sehr herzlich liebkost und getröstet werden, als Erwachsene meist sehr widerstandsfähig und selbstbewusst sind. Liebevoll umsorgte Babys haben nämlich von Anfang an das Gefühl, beachtenswert zu sein, fühlen sich geliebt und liebenswert. Das ist eine gute Basis, um frohen Mutes die Welt zu erobern. Menschen, die hingegen als Babys hauptsächlich mit Disziplin konfrontiert waren, werden im späteren Leben oft zu scheuen, unsicheren Persönlichkeiten. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass in Augenblicken vollkommener Hilflosigkeit niemand sie liebevoll in den Arm genommen hat. Einmal ganz ehrlich: Tut es Ihnen nicht auch gut, immer wieder gelobt und in den Arm genommen zu werden?
Aber, werden Sie sich denken, irgendwann einmal muss ja dann doch mit dem Erziehen, gewissermaßen mit dem Ernst des Lebens begonnen werden. Ja, wenn Babys mit ca. sieben Monaten beginnen, eigene Wünsche und nicht mehr nur Grundbedürfnisse zu haben, dann müssen Sie Ihrem Kind auch immer wieder Grenzen setzen. Da gibt es einmal die Sicherheitsgrenzen: mit diesen schützen Sie Ihr Kind z.B. vor der heißen Herdplatte. Wenn Sie Ihrem Kind zeigen, dass es die Wange von der Tante nur streicheln, aber nicht zwicken darf, dann sprechen ExpertInnen von einer Anpassungsgrenze. Das Kind lernt auch die Bedürfnisse der Umgebung wahrzunehmen. Klare Grenzen geben Ihrem Kind Sicherheit und Orientierung.

Erziehen bedeutet also nicht zu entscheiden, was Ihr Kind wann mit viel Disziplin lernen soll. Sondern gute Er-ziehung bedeutet zuerst einmal eine liebevolle Beziehung zu haben, die Grundbedürfnisse nach körperlicher Versorgung, Geborgenheit, Anerkennung und Zuwendung zu stillen und klare Grenzen aufzuzeigen.

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