Liebe im Büro

Laut aktuellen Studien finden rund 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ihren Partner am Arbeitsplatz – oder fangen dort zumindest eine heiße Affäre mit dem Kollegen (oder der Kollegin) an. Für die Wiener Paartherapeutin Regina Harringer (http://www.partnerschaftsberatung.at) keine Überraschung: „Kollegen haben oft viele Gemeinsamkeiten. Man versteht den anderen gut und kennt seine charakteristischen Eigenschaften. Man verbringt meist mehr Zeit mit den Kollegen als mit anderen Personen. Dazu kommt, dass man im beruflichen Umfeld vermehrt Personen mit einem ähnlichen Ausbildungslevel, ähnlichen Interessen und einem vergleichbaren sozialen Umfeld trifft. Denn in der Partnerwahl gilt nach wie vor: Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Kurz: Die Auswahl an potenziell passenden Kandidaten ist im beruflichen Umfeld besonders groß. Besonders hoch, sich näherzukommen, stehen die Chancen bei firmeninternen Weihnachtsfeiern, Geburtstagen oder Sommerfesten. Hier lernt man den Kollegen intensiver als sonst von seiner privaten Seite kennen. Aber auch im Rahmen von Projekten können leicht Gefühle für das Gegenüber aufkommen. Übrigens, betont Harringer nachdrücklich: „Anziehung und Sexualität sind in Arbeitsteams generell fast immer unterschwellig vorhanden.“ Natürlich hat es seine – oftmals durchaus pragmatischen – Vorteile, sich nicht nur das Bett, sondern auch den Arbeitsplatz mit seinem Partner zu teilen. So hat man denselben Arbeitsweg, oftmals dieselben Dienstzeiten und kann meist problemlos gemeinsam den Urlaub genießen. Wenn man sich über den Chef ärgert oder aufgrund negativer Erfahrungen abends auch mal die Tränen fließen, weiß der Partner ganz genau, wovon man spricht, und hat mehr als nur ein hilfloses Nicken parat. Zudem bestätigen Studien, dass Liebesgefühle am Arbeitsplatz die Motivation steigern und selbstbewusster auftreten lassen.

 

Auch Vorsicht ist geboten.

Gemeinsame Mittagessen oder Händchenhalten im Büro – klingt verlockend. Ist aber nicht immer angebracht. Liebe am Arbeitsplatz kann durchaus etwas Schönes sein – wenn man ein paar einfache Regeln befolgt, die sowohl den Umgang mit dem (potenziellen) Partner sowie mit dem Rest der Kollegen vereinfachen und auch die Atmosphäre im Privatleben verbessern. Hier unsere zehn Tipps!

1. Liebe am Arbeitsplatz hat gute Prognosen

Bevor Sie sich fragen, ob eine Liebe, die am Arbeitsplatz beginnt, überhaupt Chancen hat, können wir Sie beruhigen: ja, das hat sie. Und nicht gerade geringe! Harringer räumt diesen Beziehungen sogar eine „gute Prognose“ ein. „Von Vorteil ist, dass die Partner meist bereits über einen längeren Zeitraum miteinander zu tun hatten, die Stärken, Schwächen und Eigenheiten des anderen kennen und somit eine bessere Informationsbasis bei der Partnerwahl haben als Personen, die sich in einem Freizeitkontext verlieben.“

2. Keine Gesten erzeugen Interesse – und sind keine sexuelle Belästigung

Will man sein Interesse am Gegenüber offenkundig machen, helfen kleine Gesten wie ein aufmerksames Lächeln oder das (ehrliche!) Erkundigen nach dem Wohlbefinden. „Die Gefahr, schon zu Beginn des Gesprächs zurückgewiesen zu werden, ist im Arbeitsumfeld nicht sehr groß“, beruhigt Harringer. Es gibt zudem verschiedene unverfängliche Möglichkeiten, um Nähe herzustellen, u .a. durch das Anbieten der eigenen Unterstützung bei einer schwierigen Aufgabe, das Fragen nach der Meinung der oder des Angebeteten oder z. B. gemeinsam die Pausen zu verbringen. „Dabei ist es nicht notwendig, sofort die eigenen Verliebtheitsgefühle zu offenbaren“, rät Harringer. Als sexuelle Belästigung wird das Zeigen des eigenen Interesses vom Gegenüber ab dann empfunden, wenn persönliche Grenzen überschritten werden oder beim Opfer Gefühle von Erniedrigung, Ärger oder Angst ausgelöst werden.

3. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Posaunen Sie Ihre Beziehung nicht sofort im Kollegenkreis heraus. Solange Sie (und Ihr Partner) nicht sicher sind, ob es sich bei Ihrer Beziehung um etwas Längerfristiges handelt, sollten Sie diese auch für sich behalten. Fühlen Sie sich bereit dazu, Ihre Kollegen über Ihre Liebe zu informieren, sprechen Sie sich unbedingt vorher mit Ihrem Partner ab. Auch sollten zuerst Freunde und Familie eingeweiht werden, bevor die Kollegen dran sind. Die lästige Geheimhaltung fällt dann natürlich weg. Harringer rät aber, die Intuition der Kollegen nicht zu unterschätzen: „Meist gibt es ohnehin schon Vermutungen, die dann als Gerüchte die Runde machen.“

4. Arbeit ist Arbeit und Privat ist Privat

Wenn Sie Ihren Kollegen von Ihrer Liebe erzählen, tun Sie dies sachlich und versichern Sie, dass sich an Ihrem Verhalten am Arbeitsplatz nichts ändern wird. Denn genau dies sollte auch nicht geschehen! Dass sich die Dynamik im Kollegenkreis verändern wird, sobald es ein Paar darunter gibt, hält Harringer für ganz natürlich: „Gruppendynamisch betrachtet stellt eine Paarbildung ein gruppengefährdendes Phänomen dar, da sie die Einheit der Gruppe schwächt. Paare neigen dazu, sich als Untergruppe innerhalb der Gruppe zu formieren.“ Deshalb: Treten Sie nicht nur noch als Paar auf, da Sie sonst nicht mehr als Individuum betrachtet werden und dies Gespött und Neid der Kollegen nach sich ziehen kann. Auch Zärtlichkeiten, Kosenamen oder Liebes-Mails sollten vermieden werden. Wieso? Weil es schlicht und einfach peinlich wirkt, wenn der Kollege plötzlich „Schnuckibär“ gerufen wird, und dies den Respekt sowohl Ihnen als auch dem Partner gegenüber schmälert. 

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