Liebe auf den späten Blick

Schwerpunktthema Gesundes Altern

Die Damenwelt lag ihm zu Füßen“, erzählt Elfriede Fischer (69). Doch jetzt ist Siegfried Fischer (85) fix vergeben. Seit zwei Jahren sind er und Elfriede verheiratet. Kennengelernt haben sie sich im Pensionisten- Wohnhaus Penzing. Liebe in späteren Jahren ist nach wie vor ein Tabuthema – vor allem das sexuelle Verlangen. „In unserer Leistungsgesellschaft wird die orgastische Entspannungsreaktion zu einem Leistungsziel hochstilisiert“, sagt Univ.-Prof.in Dr.in Rotraud A. Perner. Diesem Trend folgen auch „Heilmittel“, die die Libido stimulieren sollen. „Geheilt werden müsste eher der Gedanke, man wäre pausenlos paarungsbereit. Medikamentöse oder medizinische Behandlung ist nur nötig, wenn es organische Ursachen gibt.“ Wie hoch das Bedürfnis nach seelischer und körperlicher Nähe ist, hängt weniger von Geschlecht und Alter als vielmehr von der eigenen Biografie, den Erfahrungen, Vorbildern und dem Charakter ab.

Trennung? Für viele Paare ist aber weniger der (fehlende) Sex als vielmehr der Beginn der Pension ein Trennungsgrund. Wie hält man die Liebe aufrecht? Univ.-Prof.in Dr.in Perner: „Indem man an seiner eigenen Persönlichkeit arbeitet und die der bzw. des anderen wertschätzt. Die Qualität der Beziehung lässt sich verbessern, jetzt wäre auch die Zeit vorhanden.“ Bücher (z. B. „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ von Lukas Michael Möller, rowohlt) oder Seminare bieten Hilfe. Wichtig ist auch zu überlegen, wie liebenswürdig man selbst (noch) ist. Und wie gepflegt und einfühlsam. Wünsche sind erlaubt, ob sie erfüllt werden, muss die/der PartnerIn aber selbst entscheiden dürfen.

„Es zählt zu den Sexualmythen zu glauben, man müsste mit 60 noch genauso in trauter Nähe im Bett liegen wie mit 20 oder 40 Jahren.“
Univ.-Prof.in Dr.in Rotraud A. Perner, Psychoanalytikerin, Juristin, Theologin

Autor: Silvia Pistotnig

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